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Technik-Kritiker: Jaron Lanier will Facebook zerschlagen

Die Rastalocken sind sein Markenzeichen: Der Informatiker Jaron Lanier gilt als einer der schärfsten Kritiker des digitalen Kapitalismus und sieht große Plattformen wie Facebook äußerst kritisch. Ein Gespräch über Macht und Ohnmacht im Netz.

Ein Interview veröffentlicht am
Jaron Lanier geht mit Facebook hart ins Gericht.
Jaron Lanier geht mit Facebook hart ins Gericht. (Bild: ShareBW 2016 Byernst)

Der Informatiker, Musiker und Virtual-Reality-Pionier Jaron Lanier ist Teil dessen, was er bekämpft. Seine Biografie ist eng mit dem Silicon Valley verwoben und er arbeitet als Entwickler für Microsoft. Zugleich hat er mit seinen Büchern You are not a Gadget und Who owns the Future? eine Fundamentalkritik der großen Internetkonzerne vorgelegt und wurde dafür 2014 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Inhalt:
  1. Technik-Kritiker: Jaron Lanier will Facebook zerschlagen
  2. Einen Master-Filter braucht es nicht
  3. Daten sind viel wichtiger als Algorithmen

Am Rande der Tagung ShareBW des Cyberforums in Karlsruhe sprach t3n mit Keynote-Speaker Lanier über die Filterung von Social-Media-Inhalten, die Besitzverhältnisse im Netz und die Macht der Algorithmen.

Florian Alexander Schmidt: Jaron, Facebook steht gerade in der Kritik, nicht nur algorithmisch, sondern auch redaktionell in die Trending Topics einzugreifen. Wer sollte deiner Ansicht nach Facebooks Nachrichtenstrom sortieren? Menschen oder Maschinen?

Lanier: Die Frage klingt so, als wäre es die natürlichste Sache der Welt, dass eine einzige Firma zum Nachrichtenfilter für die ganze Welt wird. Solange wir die Frage so stellen, kann es keine richtige Antwort geben.

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Schmidt: Warum nicht?

Lanier: Weil wir lieber darüber nachdenken sollten, wie wir diese extreme Monopolstellung aufbrechen können. Das Hauptproblem ist, dass Facebook dank der Netzwerkeffekte eine allumfassende Position einnimmt. Darüber hinaus herrscht bei der Firma der ideologische Irrglaube, die künstliche Intelligenz sei bereits viel weiter fortgeschritten, als dies tatsächlich der Fall ist, und Facebook sei noch dazu aus sich heraus eine Kraft, die stets das Gute schafft. Beiden Punkten würde ich widersprechen.

Schmidt: Gefiltert wird überall. Weshalb hältst du es bei Facebook für problematisch?

Lanier: Was die Filterung angeht, so sollte dies, wenn überhaupt, nicht anonym passieren. Ein Magazin wie t3n ist ja auch ein Filter, aber es gibt Redakteure, die namentlich in der Verantwortung stehen. Und wenn sie keinen guten Job machen, kann man sie einfach ignorieren. Facebook hingegen ist inzwischen zum globalen Master-Filter geworden und hat die klassischen Redaktionen auf die Rolle von Unterfiltern reduziert, die wiederum davon abhängen, dass ihre Artikel auf Facebook funktionieren.

Schmidt: Wie lässt sich diesem Filtermonopol entgegenwirken?

Lanier: Vielleicht muss man Facebook irgendwann vergesellschaften oder zumindest die Datenbanken öffentlich machen und das zentralistische Filtern unterbinden. Vielleicht ist das redaktionelle Sortieren von Inhalten etwas, das wir kleineren Drittanbietern überlassen sollten, unter denen dann ein produktiver Wettbewerb um die Rolle des besten Filters entstehen könnte. Ich glaube aber auch, dass wir hier mit Diskussionen nicht weiterkommen, die Suche nach Alternativen muss empirisch angegangen werden. Vielleicht haben wir ja Glück und irgendein Land verbietet Facebook das Filtern von Inhalten und damit auch den Newsfeed. Dann würde lokal ein Experimentierfeld für Alternativlösungen entstehen. Anstatt Geld mit Werbung zu verdienen, könnte Facebook dann den Zugang zur Datenbank an Magazine vermieten.

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Einen Master-Filter braucht es nicht 
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