Abo
  • Services:

Daten sind viel wichtiger als Algorithmen

Schmidt: Dein Argument ist also, dass es keine Alternative zur fortschreitenden Machtkonzentration im Netz geben kann?

Stellenmarkt
  1. Abrechnungszentrum Emmendingen, Emmendingen
  2. Deloitte, verschiedene Standorte

Lanier: Auf jeden Fall müssen wir nach Lösungsansätzen auf einer sehr hohen Ordnungsebene suchen. Ich glaube eine Von-unten-nach-oben-Lösung kann nicht zum Ziel führen. Ich bekomme täglich mehrere E-Mails von Leuten mit Ideen für Startups oder Kollektive, die alle meinen, einen Weg gefunden zu haben, um das Problem der zunehmenden Machtkonzentration im Netz zu umgehen. Aber ich glaube nicht, dass dies möglich ist. Wir müssen diesen Strukturen auf der überstaatlichen Ebene begegnen, auf der sie existieren.

Schmidt: Bleiben also nur internationale Regulierungsabkommen, so wie man es beim Klimawandel versucht?

Lanier: Es sind verschiedene Wege denkbar. Ein völkerrechtlicher Ansatz ist einer davon. Das Problem hat eine solche Dimension, dass wir eine Lösung nicht über Nacht finden werden. Aber allerspätestens dann, wenn die Maschinen so gut geworden sind, dass sie zu massiver, technologiegetriebener Arbeitslosigkeit führen, müssen wir eine Lösung gefunden haben, bei der nicht nur einige wenige Konzerne profitieren. Das ist unser zeitlicher Rahmen.

Schmidt: Wir hören häufiger die Forderung nach externen Auditing-Verfahren für Algorithmen. Auf diese Weise soll nachvollziehbar werden, welche Prozesse im Hintergrund ablaufen. Nutzer könnten auf dieser Basis mündige Entscheidungen treffen. Hältst du dies technisch für möglich?

Lanier: Ich hoffe, dass wir irgendwann dahin kommen werden. Noch sind wir aber weit davon entfernt. Im Moment verstehen wir nicht wirklich, was unsere Algorithmen eigentlich machen.

Schmidt: Wird das angesichts der steigenden Komplexität der Software denn jemals besser werden?

Lanier: Über die angenommene Komplexität lässt sich streiten. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch eine Marketing-Fantasie. Wenn einem die Leute erzählen, wie smart ihre Algorithmen angeblich sind, ist viel Bullshit im Spiel.

Schmidt: Die Algorithmen müssen ja nicht smart sein, um komplex zu sein.

Lanier: Die Daten sind viel wichtiger als die Algorithmen, zumindest für die meisten Cloud-Services. Aber weil selbst diejenigen, die die Algorithmen schreiben, sie nicht ganz verstehen, fällt es so schwer, sich gegen Hackerangriffe zu schützen. Wenn man nur lange genug auf den Code starrt, findet man irgendwann eine Sicherheitslücke. Softwareentwicklung ist eine Ingenieurskunst, die wir noch längst nicht so gut beherrschen wie beispielsweise die Metallverarbeitung. Es gibt immer unvorhergesehene Nebenwirkungen. Wir organisieren unsere Leben also gerade um etwas herum, das wir nicht wirklich durchdrungen haben. Aber hier bin ich tatsächlich guter Hoffnung, dass wir noch große Fortschritte bei der Beherrschung des Mediums machen werden und es dann vielleicht auch verlässliche Prüfverfahren geben wird.

Dieser Text erschien zuerst im T3N, dem Magazin der digitalen Wirtschaft. In der Ausgabe 45 geht es unter anderem um den Erfolg von Snapchat, um Dubsmash und Musical.ly sowie die Stars der sozialen Netzwerke.

 Einen Master-Filter braucht es nicht
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3


Anzeige
Top-Angebote
  1. 15,66€

Saschlong 29. Mär 2017

Space Honig!

amagol 27. Mär 2017

Oder du kaufst dir eine Kaffeemaschine und bezahlst pro Tasse nur ein paar Cent. Bei...

mcnesium 23. Mär 2017

Seht euch an, wo die gelandet sind! Früher war das mal ein TYPO3-Fachmagazin. Als...

bentol 21. Mär 2017

Ich finde, dass gerade der Aufstieg diverser internationaler Populisten zeigt, dass...

matzems 21. Mär 2017

Sein Arbeitgeber ist und bleibt der Grösste Monopolist, der regelmäßig durch...


Folgen Sie uns
       


God of War - Interview mit Cory Barlog (Gamescom 2018)

Cory Barlog spricht auf der Gamescom 2018 darüber, wie viel von seinem Privatleben in das Actionspiel geflossen ist.

God of War - Interview mit Cory Barlog (Gamescom 2018) Video aufrufen
Gesetzesvorschlag: Regierung fordert Duldung privater Ladesäulen
Gesetzesvorschlag
Regierung fordert Duldung privater Ladesäulen

Die Bundesregierung hat ihren Entwurf zur Förderung privater Ladestationen für Elektroautos vorgelegt. Sowohl Mieter als auch Eigentümer erhalten damit einen gesetzlichen Anspruch. Aber es kann sehr teuer werden.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

  1. Sono Motors Elektroauto Sion für 16.000 Euro schon 7.000 Mal reserviert
  2. Elektromobilität iEV X ist ein Ausziehelektroauto
  3. Elektroautos Bundesrechnungshof hält Kaufprämie für unwirksam

Threadripper 2990WX und 2950X im Test: Viel hilft nicht immer viel
Threadripper 2990WX und 2950X im Test
Viel hilft nicht immer viel

Für Workstations: AMDs Threadripper 2990WX mit 32 Kernen schlägt Intels ähnlich teure 18-Core-CPU klar und der günstigere Threadripper 2950X hält noch mit. Für das Ryzen-Topmodell muss aber die Software angepasst sein und sie darf nicht zu viel Datentransferrate benötigen.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Threadripper 2990X AMDs 32-Kerner soll mit 4,2 GHz laufen
  2. AMD Threadripper v2 mit 32 Kernen erscheint im Sommer 2018
  3. Raven Ridge AMDs Athlon kehrt zurück

IT-Jobs: Achtung! Agiler Coach gesucht?
IT-Jobs
Achtung! Agiler Coach gesucht?

Überall werden sie gesucht, um den digitalen Wandel voranzutreiben: agile Coaches. In den Jobbeschreibungen warten spannende Aufgaben, jedoch müssen Bewerber aufpassen, dass sie die richtigen Fragen stellen, wenn sie etwas bewegen möchten.
Von Marvin Engel

  1. Wework Die Kaffeeautomatisierung des Lebens
  2. IT-Jobs Fünf neue Mitarbeiter in fünf Wochen?
  3. Frauen in IT-Berufen Programmierte Klischees

    •  /