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Jaron Lanier geht mit Facebook hart ins Gericht.
Jaron Lanier geht mit Facebook hart ins Gericht. (Bild: ShareBW 2016 Byernst)

Daten sind viel wichtiger als Algorithmen

Schmidt: Dein Argument ist also, dass es keine Alternative zur fortschreitenden Machtkonzentration im Netz geben kann?

Lanier: Auf jeden Fall müssen wir nach Lösungsansätzen auf einer sehr hohen Ordnungsebene suchen. Ich glaube eine Von-unten-nach-oben-Lösung kann nicht zum Ziel führen. Ich bekomme täglich mehrere E-Mails von Leuten mit Ideen für Startups oder Kollektive, die alle meinen, einen Weg gefunden zu haben, um das Problem der zunehmenden Machtkonzentration im Netz zu umgehen. Aber ich glaube nicht, dass dies möglich ist. Wir müssen diesen Strukturen auf der überstaatlichen Ebene begegnen, auf der sie existieren.

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Schmidt: Bleiben also nur internationale Regulierungsabkommen, so wie man es beim Klimawandel versucht?

Lanier: Es sind verschiedene Wege denkbar. Ein völkerrechtlicher Ansatz ist einer davon. Das Problem hat eine solche Dimension, dass wir eine Lösung nicht über Nacht finden werden. Aber allerspätestens dann, wenn die Maschinen so gut geworden sind, dass sie zu massiver, technologiegetriebener Arbeitslosigkeit führen, müssen wir eine Lösung gefunden haben, bei der nicht nur einige wenige Konzerne profitieren. Das ist unser zeitlicher Rahmen.

Schmidt: Wir hören häufiger die Forderung nach externen Auditing-Verfahren für Algorithmen. Auf diese Weise soll nachvollziehbar werden, welche Prozesse im Hintergrund ablaufen. Nutzer könnten auf dieser Basis mündige Entscheidungen treffen. Hältst du dies technisch für möglich?

Lanier: Ich hoffe, dass wir irgendwann dahin kommen werden. Noch sind wir aber weit davon entfernt. Im Moment verstehen wir nicht wirklich, was unsere Algorithmen eigentlich machen.

Schmidt: Wird das angesichts der steigenden Komplexität der Software denn jemals besser werden?

Lanier: Über die angenommene Komplexität lässt sich streiten. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch eine Marketing-Fantasie. Wenn einem die Leute erzählen, wie smart ihre Algorithmen angeblich sind, ist viel Bullshit im Spiel.

Schmidt: Die Algorithmen müssen ja nicht smart sein, um komplex zu sein.

Lanier: Die Daten sind viel wichtiger als die Algorithmen, zumindest für die meisten Cloud-Services. Aber weil selbst diejenigen, die die Algorithmen schreiben, sie nicht ganz verstehen, fällt es so schwer, sich gegen Hackerangriffe zu schützen. Wenn man nur lange genug auf den Code starrt, findet man irgendwann eine Sicherheitslücke. Softwareentwicklung ist eine Ingenieurskunst, die wir noch längst nicht so gut beherrschen wie beispielsweise die Metallverarbeitung. Es gibt immer unvorhergesehene Nebenwirkungen. Wir organisieren unsere Leben also gerade um etwas herum, das wir nicht wirklich durchdrungen haben. Aber hier bin ich tatsächlich guter Hoffnung, dass wir noch große Fortschritte bei der Beherrschung des Mediums machen werden und es dann vielleicht auch verlässliche Prüfverfahren geben wird.

Dieser Text erschien zuerst im T3N, dem Magazin der digitalen Wirtschaft. In der Ausgabe 45 geht es unter anderem um den Erfolg von Snapchat, um Dubsmash und Musical.ly sowie die Stars der sozialen Netzwerke.

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amagol 27. Mär 2017

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mcnesium 23. Mär 2017

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