Und alles ohne Kabelsalat

Wie sich im Gesundheitswesen dieses Verhältnis von Kosten und Nutzen austariert, ist eine relevante Frage für die Entwickler und Hersteller der teuren Medizinroboters: "Wenn es nicht um Leben und Tod geht, ergibt es wenig Sinn, ein System zu entwickeln, das in absehbarer Zeit keine Kosten spart im Vergleich zum manuellen Standardeingriff", sagt Jan Stallkamp. Er leitet die Fraunhofer-Projektgruppe für Automatisierung in der Medizin und Biotechnologie (PAMB), angesiedelt an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg.

Stallkamp und seine 35 Mitarbeiter forschen in interdisziplinären Teams aus Ingenieuren, Informatikern, Physikern, Biologen und Chemikern unter anderem an neuen Assistenzsystemen, neuer Steuerungstechnik und biooptischen Messverfahren. "Manchmal geht es auch einfach nur um die ganz grundlegende Frage: Wie verbinde ich alle Technik im OP-Raum ohne Kabelsalat?", sagt Stallkamp.

Aktuell forscht Stallkamp zum Beispiel an einem extrem kleinen hydraulischen Motor mit Schlauchkabeln, die nur einen Millimeter dick sind, aber viel Energie übertragen können. Schließlich muss all die Technik auch irgendwie angetrieben werden. Wenn kein deutlicher medizinischer Nutzen oder zumindest eine Zeitersparnis da sei, könne er Ärzte nicht von seiner Technik überzeugen, sagt Stallkamp aus Erfahrung. Alles, was er entwickelt, muss höchsten Sicherheitsanforderungen genügen und bedarf einer aufwendigen Zulassung, bevor es in Krankenhäusern eingesetzt werden kann.

Wenn Roboter den Herzschlag ausgleichen

Albu-Schäffer vom DLR durchlebt diese Phase gerade mit dem Miro. "Wie bei aller Medizintechnik, egal ob OP-Roboter oder MRT, ist das Zulassungsprozedere extrem aufwendig und dauert lange", sagt Albu-Schäffer. Fünf Jahre Warten sei keine Seltenheit. Das Risiko, dass der Roboter während einer OP versagt, soll durch lange Testreihen minimiert werden. Rechtlich gesehen haftet der Operateur beziehungsweise das Krankenhaus bei Operationsfehlern. Nur bei grobem technischen Versagen des Geräts steht der Hersteller gerade.

Albu-Schäffer hofft, dass das Miro-System irgendwann am schlagenden Herzen operieren kann. Der Roboter soll dann die Bewegung des Organs ausgleichen. Der Arzt könnte dann so operieren, als hätte er es mit einem komplett ruhigen Objekt vor sich auf dem OP-Tisch zu tun. Wer von diesem Operationsszenario hört, den dürfte es auch nicht wundern, dass der Miro-Roboter auch schon im Science-Fiction-Film Ender's Game zu sehen war. Der Medizinroboter gehörte dort zur Requisite.

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 Autarke Roboter im OP sind 'grandios gescheitert'
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