Technical Preview im Test: So fühlt sich Windows 10 für Smartphones an
Microsoft hat vor kurzem die erste Technical Preview von Windows 10 für Smartphones veröffentlicht. Diese Vorschau bietet Entwicklern und interessierten Nutzern einen ersten Blick auf die neue Version des mobilen Betriebssystems, das einige grundlegende Veränderungen bringen soll.

Golem.de hat die Technical Preview auf einem Lumia 830 installiert und sie sich angesehen. Das Lumia 830 ist eines von aktuell sechs Smartphones, auf denen die Vorschau läuft. Zwar sind bei weitem noch nicht alle neuen Funktionen enthalten, für einen ersten Einblick taugt die Vorschau aber sehr gut.
Das neue Windows 10 soll mobile und stationäre Systeme besser verbinden als noch Windows 8.1 oder Windows Phone 8.1, um unkompliziert geräteübergreifend arbeiten zu können. Das neue mobile Betriebssystem heißt daher nur noch Windows 10, ohne den Zusatz "Phone". Das soll diesen Ansatz bekräftigen.
Noch zu Zeiten von Windows Mobile, also der Vorgängerversion von Windows Phone, bemühte sich Microsoft, die mobilen Geräte als Windows-Geräte zu vermarkten. Seinerzeit war der Funktionsumfang der mobilen Begleiter allerdings sehr viel geringer und es gab quasi keine Gemeinsamkeiten mit einem Windows-Computer. Die Angleichung der beiden Welten wird bei Microsoft schon lange verfolgt und soll mit Windows 10 fortgesetzt werden.
Das Grunddesign ist unverändert
Am Grunddesign der Benutzeroberfläche hat Microsoft nichts geändert, uns begrüßt wie bei vorherigen Versionen ein Startbildschirm mit bunten Kacheln. Ein Wisch nach links bringt die App-Übersicht. Die ersten auffälligen Neuerungen sind die veränderten transparenten Kacheln und das Hintergrundbild.
Bei Windows Phone 8 konnten Nutzer erstmals ein Hintergrundbild verwenden. Damit sie dieses überhaupt sehen, sind dort zahlreiche Kacheln transparent – jedoch nicht alle. Zwischen den Kacheln befinden sich schwarze Abstände, ebenso als Rahmen um den ganzen Startbildschirm herum.
Das Hintergrundbild hat keinen Rahmen
Bei Windows 10 füllt das Hintergrundbild jetzt den kompletten Startbildschirm aus, darauf liegen die Kacheln – ein mit Android oder iOS vergleichbares Schema. Die Kacheln sind wieder teilweise transparent, der schwarze Rahmen ist verschwunden. Dadurch wirkt der Startbildschirm jetzt weniger wuchtig.
Kacheln sind jetzt halbtransparent
Anders als bei Windows Phone 8.1 sind die transparenten Kacheln nicht mehr komplett durchsichtig, sondern in der gewählten Akzentfarbe eingefärbt. Wird auf ein Hintergrundbild verzichtet, sieht der Startbildschirm wieder so aus wie bei Windows Phone 8.1, wenn auch dort kein Bild gewählt ist.
Einige Kacheln können jetzt noch größer als vorher gemacht werden. Die Kontakte-Kachel etwa kann auf eine Größe von zwei Zeilen und zwei Spalten erweitert werden. Aktuell erscheint uns diese größere Kachel bei den Kontakten noch wenig sinnvoll, zumal beispielsweise die Foto-Kachel oder die Nachrichten-Kachel nicht derartig groß angezeigt werden können.
Erweiterte Schnellzugriffe
Windows Phone 8.1 brachte den Nutzern mit dem Action Center erstmals einen schnellen und einfachen Zugriff auf wichtige Einstellungen wie die Bildschirmhelligkeit oder die WLAN-Verbindung. Mehr als vier Schnellzugriffe sind allerdings nicht möglich. Das hat Microsoft bei Windows 10 geändert, zumindest teilweise.
Der Schnelleinstellungsbereich wird jetzt durch ein Tippen auf "Erweitern" um zusätzliche acht Felder ergänzt – insgesamt stehen also zwölf Einstellungen zur Verfügung, wovon bei der aktuellen Vorschau allerdings eine nicht genutzt wird. Die zusätzlichen acht Felder können aber nicht nach Belieben mit gewünschten Funktionen bestückt oder verschoben werden; lediglich die vier Haupteinstellungen können wie bei Windows Phone 8.1 aus einer Liste ausgewählt werden.
Nachrichten schnell beantwortet
Eine weitere Neuerung des Action Centers betrifft die Benachrichtigungen: Nachrichten wie E-Mails und SMS können unter Windows 10 direkt aus dem Drop-Down-Menü heraus beantwortet werden. Dazu wird ein kleiner Pfeil neben der Benachrichtigung angeklickt, der ein Eingabefeld einblendet. Bei der aktuellen Technical Preview funktioniert das bei E-Mails oder Skype-Nachrichten noch nicht, bei SMS aber schon. Bei vollständiger Umsetzung der Funktion spart sich der Nutzer den Weg über entsprechende Apps.
Das direkte Antworten auf Nachrichten funktioniert auch über die Head-up-Benachrichtigungen: Erhalten wir eine neue SMS, während wir das Smartphone gerade benutzen, wird uns die Nachricht wie bei Windows Phone 8.1 am oberen Bildschirmrand angezeigt. Ziehen wir diese Benachrichtigung nach unten, erscheint wieder ein Textfeld, über das wir direkt antworten können – was wir noch praktischer als die Antwortmöglichkeit im Action Center finden. Aktuell gibt es hier noch die gleichen Einschränkungen wie bei der Beantwortung im Action Center.
Gewohnte App-Übersicht, neues Einstellungsmenü
Das Aussehen der App-Übersicht hat Microsoft bei der ersten Technical Preview von Windows 10 nicht angetastet. Es werden weiterhin alle Anwendungen untereinander alphabetisch angezeigt, ein Druck auf einen der Indexbuchstaben ruft eine alphabetische Übersicht auf. Neu ist ein Bereich am oberen Ende der Liste, der neu installierte Anwendungen gesondert anzeigt. Diese Übersicht kann einfach geschlossen werden.
Im Unterschied zur App-Übersicht wurde das Einstellungsmenü komplett überarbeitet. Anders als bei Windows Phone 8.1 grüßen den Nutzer nicht mehr ganze 49 verschiedene Menüoptionen wie auf dem Lumia 630, sondern nur noch zehn. Diese Reduzierung empfinden wir als längst fälligen Schritt: Das Einstellungsmenü von Windows Phone 8.1 ist eindeutig zu unübersichtlich, Windows 10 ist spürbar intuitiver. Dabei werden keine Einstellungsmöglichkeiten weggelassen, sie sind nur sinnvoll neu gruppiert.
Menüpunkte wurden zusammengefasst
So finden sich beispielsweise unter dem Menüpunkt "System" Optionen zum Display, Action Center, zu den Spracheinstellungen und weiteren Systemeinstellungen. "Personalisierung" fasst alle Einstellungen zur Oberflächengestaltung zusammen. Insgesamt lässt sich das Einstellungsmenü durch die neue Gruppierung klar besser nutzen.
Das hängt auch mit einer Umgestaltung des Menüdesigns zusammen: Die Schriftgröße wurde verringert, dadurch passen mehr Optionen auf eine Seite – das Scrollen wird verglichen mit dem bisherigen unter Windows Phone 8 und 8.1 deutlich verringert. Bis auf einige Ausnahmen sehen die eigentlichen Einstellungsmenüs noch aus wie bei Windows Phone 8.1, etwa bei den WLAN-Einstellungen. Das Bildschirm-Menü hingegen zeigt, wie die Untermenüs in der finalen Version von Windows 10 für Smartphones aussehen dürften – mit hellem Hintergrund und durch kleinere Schrift übersichtlicher.
Vorinstallierte Apps wurden überarbeitet
Einige der vorinstallierten Apps sollen bei Windows 10 für Smartphones neu gestaltet werden. Dazu zählt der Browser; in der neuen Version soll Spartan statt des Internet Explorers vorinstalliert sein. Bei der aktuellen Technical Preview ist es allerdings noch der Internet Explorer. Neu hingegen ist die Fotos-App: Hier werden dem Nutzer jetzt neben den mit dem Smartphone aufgenommenen Bildern auch nahtlos Fotos seines Onedrive-Kontos angezeigt. Dies kann in den Einstellungen der App auch deaktiviert werden.
In kommenden Versionen soll zusätzlich zu der jetzigen Ansicht, in der alle Bilder chronologisch sortiert angezeigt werden, auch eine Ordner-Ansicht zur Verfügung stehen. Mit der Alben-Funktion sollen Nutzer künftig eigene Alben anlegen und mit anderen teilen können. Sobald diese Funktionen bereitstehen, sollen sie über den Windows Store nachinstalliert werden.
Apps folgen neuer Design-Richtlinie
Sowohl bei der neuen Fotos-App als auch beim Taschenrechner lassen sich Einstellungen und weitere Auswahlmöglichkeiten über einen kleinen Menübutton oben links ändern. Damit verändert Microsoft das Bedienungsmuster seiner Apps stark und folgt eher dem Muster von Android- und iOS-Anwendungen. Wir finden dieses Bedienungsschema deutlich übersichtlicher als das bisherige, bei dem wir zwischen den verschiedenen Auswahlmöglichkeiten durch Wischen wählen mussten.
Eine weitere kleine Verbesserung betrifft die Bildschirmtastatur von Windows 10 für Smartphones: In der unteren linken Ecke befindet sich jetzt ein kleiner Punkt, der wie ein Trackpoint funktioniert. Mit ihm kann der Nutzer den Cursor in Texten bewegen, ohne auf dem Display herumfingern zu müssen – gerade bei längeren Texten ist das hilfreich.
Noch keine Sprachfunktionen installiert
Die Sprachoptionen konnten wir bei der Technical Preview noch nicht ausprobieren: Weder Cortana noch die neue systemweite Spracheingabe ist bei der in Deutschland erhältlichen Version vorhanden. Möglicherweise werden diese in einer der folgenden Versionen der Vorschau hinzugefügt. Auch neue Universal-Versionen von Apps wie etwa Outlook sind noch nicht verfügbar.
Echtzeit-Synchronisation mit dem Desktop funktioniert noch nicht
Ebenfalls noch nicht richtig testen konnten wir die Funktionen für die Echtzeit-Synchronisation zwischen dem Windows-10-Smartphone und einem Rechner mit Windows 10. Die Option scheint noch nicht zu funktionieren: Erhalten wir etwa eine Skype-Nachricht, bekommen wir zwar auf dem Smartphone und auf dem Rechner eine Benachrichtigung angezeigt. Diese verschwindet aber nicht auf beiden Geräten, wenn wir sie auf einem der beiden löschen.
Die Windows-10-Vorschau ist momentan für die Smartphones Lumia 630, 635, 636, 638, 730 und 830 offiziell verfügbar. Theoretisch ist es recht einfach, Windows 10 auszuprobieren: Im Windows Store muss die App Windows Insider heruntergeladen werden, die das jeweilige Smartphone in die Update-Routine für Windows 10 einbindet. Dafür muss der Nutzer allerdings beim Entwicklerprogramm(öffnet im neuen Fenster) angemeldet sein, was über die entsprechende Microsoft-Internetseite erledigt werden kann.
Die Installation ist einfach, aber nicht immer problemlos
Bei einem anschließenden System-Update wird schließlich Windows 10 auf das Smartphone aufgespielt. So einfach dies in der Theorie klingt – es funktioniert nicht immer. Auf einem Lumia 830 mussten wir uns in der Windows-Insider-App mehrfach mit unserem Entwickler-Konto anmelden, bevor wir eine positive Rückmeldung bekamen.
Auf einem Lumia 630 hingegen konnten wir Windows 10 gar nicht installieren. Als Grund nannte uns Microsoft auf Nachfrage, dass auf dem Lumia 630 bereits das Denim-Update installiert sei und die Installation von Windows 10 über die Insider-App damit nicht funktioniere. Das betrifft demnach auch die Dual-SIM-Version des Lumia 630 und das Lumia 635. Bei Smartphones mit dem Cyan-Update hingegen soll es generell keine Probleme geben.
Fazit
Allgemein läuft die Technical Preview von Windows 10 für Smartphones weitgehend flüssig, wenngleich man dem Build ansieht, dass sie noch längst nicht fertig ist. Häufig holpert es noch, einige Apps schließen sich manchmal unerwartet von selbst und es treten Grafikfehler auf. Die Telefonfunktion konnten wir im Netz von O2 problemlos nutzen, ebenso das mobile Internet – nachdem wir manuell einen APN definiert hatten. Microsoft weist jedoch darauf hin, dass unter anderem das GSM-Netz nicht unterstützt wird, ebenso wenig die Dual-SIM-Option sowie zahlreiche weitere Funktionen.
Gut gefallen haben uns die ersten Anzeichen des neuen Designs, sowohl in den Einstellungen als auch in den System-Apps. Wir empfinden die Bedienung der Apps als deutlich übersichtlicher und bequemer als unter Windows Phone 8.1.
Auch die interaktiven Benachrichtigungen finden wir praktisch: Dass wir bestimmte Apps künftig nicht mehr öffnen müssen, um etwa Nachrichten zu beantworten, gefällt uns gut. Wir sind gespannt, welche Funktionen Microsoft bis zur finalen Version von Windows Phone für Smartphones an dieser Stelle noch einbaut.
Weniger gut ist die Umsetzung der Schnelleinstellungen im Action Center gelungen. Ohne die Möglichkeit, die vier vordersten Einstellungskacheln komplett frei wählen zu können, verbessern die weiteren acht Kacheln die Benutzung nicht ausreichend. Hoffentlich lässt sich Microsoft hier noch etwas einfallen.
Inwieweit die kommenden Technical Previews für Windows 10 auch die Echtzeit-Synchronisationsoptionen zwischen Smartphone und Desktop berücksichtigen werden, ist noch ungewiss. Bei der aktuellen Version konnten wir sie leider noch nicht ausprobieren.
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