Techgenossen: Arbeiten unter Freunden

"What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now!" So dröhnt es auch an diesem Freitag im Juli wieder aus Lautsprechern über den Marienplatz in München. Die Sonne brennt auf die unermüdlichen Demonstranten, unter ihnen Vicky Eichhorn, Stefan Verhey und Robert Curth. "Es ist mir schon fast peinlich, dass es die erste Fridays-for-Future-Demonstration ist, an der ich teilnehme" , sagt Verhey. Anders als viele der anderen Teilnehmer haben er und seine beiden Begleiter keine Dreadlocks, laufen nicht barfuß. Verhey trägt Chino-Hose und Lederschuhe, Vicky Eichhorn schiebt einen Kinderwagen vor sich her. Um sich für den Klimaschutz zu engagieren, haben sie nicht Stift und Schulblock niedergelegt, sondern Remote Desktop und Analysetools.
Für den selbstständigen Programmierer und Softwareentwickler und die Produktmanagerin ist die Demo sinnvoller und wirkmächtiger als die Retrospektive, an der sie eigentlich heute teilnehmen sollten. Den Segen ihrer Kollegen haben sie. Es wurde zuvor abgestimmt und der Termin verschoben. Eichhorn, Verhey und Curth sind Genossen - drei, der insgesamt neun Techgenossen. Vergangenes Jahr haben die Münchener ITler diese gleichberechtigte Kooperation gegründet. Nun sind sie gemeinsam selbstständig, wie sie es nennen. Ihr oberstes Credo: Sie setzen nur noch Digitalprojekte um, die sie für nachhaltig und sinnvoll halten.