IT-Branche: "Ostdeutschland ist ein Standortnachteil"
Im Werben um ausländische IT-Fachkräfte ziehen deutsche Firmen häufig den Kürzeren. Ein erfolgreiches Abschneiden der AfD bei den kommenden Wahlen könnte die Anwerbung zusätzlich erschweren.
Eric Osselmann ist begeistert von Dresden. Er schwärmt von der wunderschönen Stadt, der tollen Bevölkerung, vom weltoffenen und modernen Unternehmertum. Er sagt aber auch: "Ostdeutschland ist ein Standortnachteil." Osselmann stammt selbst aus Thüringen und ist Partner bei Scaling Champions mit Hauptsitz in Dresden. Das Unternehmen berät mittelständische IT-Betriebe. Rund 300 inhabergeführte Unternehmen zählen zum Kundenstamm.
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Osselmann erzählt von einem Unternehmer, der zur Hochphase der rechtsextremen Pegida-Demonstrationen Fachkräfte aus Indien oder arabischen Ländern samt ihrer Familien nach Dresden eingeladen und durch die Stadt geführt habe. "Ein CEO mit mehreren hundert Beschäftigten, der die Notwendigkeit sieht, potenziellen Mitarbeitern zu vermitteln: 'Leute, hier passiert euch nichts.' Es ist schlimm, wenn eine Stadt das Image hat, dass Menschen aus dem Ausland hier nicht sicher leben können."
An den Voraussetzungen hat sich wenig geändert, im Gegenteil: Vier Wahlen stehen in diesem Jahr an, auf die Europawahl im Juni folgen im September Landtagswahlen in den ostdeutschen Bundesländern Sachsen, Thüringen und Brandenburg. In allen drei Ländern liegt die AfD in Umfragen (siehe Sonntagsfragen für Sachsen, Brandenburg und Thüringen) mitunter deutlich vorne und könnte als stärkste Partei aus dem Wahltag hervorgehen. Bereits 2019 gewann die AfD bei den drei Landtagswahlen zweistellig hinzu und belegte jeweils den zweiten Platz.
Die Vorbehalte kennt Eric Osselmann auch aus persönlicher Erfahrung. Neben dem Stammsitz in Dresden unterhält Scaling Champions Büros in Hamburg und Berlin. "Ich hatte schon Bewerber, die sehr zurückhaltend auf Dresden reagiert und dies mit dem Image der Stadt begründet haben."
Bitkom sieht Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr
Dabei beschreibt Eric Osselmann die IT-Branche ansonsten als liberal und weltoffen, nicht bloß nach außen, sondern auch hinter geschlossenen Türen. "Die Unternehmen leben das wirklich vor. Bei diesen Unternehmen herrscht die totale Angst vor einem Imageverlust, der sich nicht mehr reparieren lässt."
Die Digitalwirtschaft stehe derzeit an einem Wendepunkt: weg von einzelnen Start-up-Hochburgen wie Berlin, hin zu einer dezentralen Entwicklung, von der auch östliche Bundesländer profitieren könnten. Osselmann befürchtet aber: "Wahlerfolge der AfD würden das Bild von den ausländerfeindlichen Regionen manifestieren" – und damit auch dem IT-Standort nachhaltig schaden.
Der Branchenverband Bitkom hat Anfang der Woche ein Positionspapier zur programmatischen Ausrichtung der AfD veröffentlicht. Unter dem Titel Einordnungen der Positionen der AfD aus Perspektive der digitalen Wirtschaft bewertet es, welche Auswirkungen die Umsetzung der AfD-Politik hätte: Gefährdung der digitalen Infrastruktur, mehr Abhängigkeit vom Import von Schlüsseltechnologien und Software, Belastung der Wettbewerbsfähigkeit.
Die AfD positioniere sich "in ihrer politischen Grundhaltung wie auch in ihren einzelnen Vorschlägen und Forderungen scharf gegen die Interessen der digitalen Wirtschaft und zum Schaden der digitalen Gesellschaft".
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Es hat euch niemand davon abgehalten das selber zu tun. Wieso habt ihr nicht?
Das besorgte Bürgertum will ja auch keine Zuwanderung von wem auch immer. Oder glaubt...
Ausser man verkehrt in diesen Kreisen, dann sollte man sich Scherze über eben diese auch...
Gerade für hochqualifizierte ist die Steuer- und Abgabenquote in Deutschland extrem hoch...
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