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Was wird aus dem deutschen Silicon Valley?

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, "muss Deutschland für die klügsten Köpfe der Welt nicht nur ein attraktiver Wirtschaftsstandort, es muss auch als Lebensmittelpunkt hochattraktiv sein", notiert der Verband unter dem Punkt Zuwanderung. Eine Politik, die Menschen in erster Linie nach Herkunft, Religion oder Hautfarbe sortiere, "ist nicht nur inhuman, sie schadet auch unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit".

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Weiter bescheinigt das Papier der AfD, ihre Politik sei "grundsätzlich technologie- und innovationsavers". Die AfD-Forderung nach einem EU-Austritt Deutschlands sei "ökonomisch verheerend, mit negativen Folgen für Wohlstand und Arbeitsplätze". Im Wettbewerb mit den USA, China oder Indien könne Deutschland nur im EU-Verbund bestehen.

Wirtschaftsverbände warnen vor dem Rechtsruck

"Wir stellen fest, dass die Lücken im Arbeitsmarkt nicht allein durch inländische Potenziale gefüllt werden können. Entsprechend sind wir auf Fachkräftezuwanderung angewiesen", sagt Fabian Zacharias, der beim Bitkom den Bereich Public Affairs leitet, im Gespräch mit Golem.de. Gut ausgebildete IT-Fachkräfte, die sich aussuchen könnten, wo sie arbeiten, würden sich gar nicht erst bewerben, wenn ihnen die Voraussetzungen nicht optimal erschienen. "Wir müssen uns als Land, als Standort im internationalen Wettbewerb um sie bewerben", sagt Zacharias. "Diesem Bemühen schaden die Umfragewerte und die Rhetorik der AfD."

Mit dem Papier reiht sich der Digitalverband ein in die Liste der Warnenden: Der Bundesverband der Deutschen Industrie, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, das Institut der Deutschen Wirtschaft, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung – alle haben in den vergangenen Wochen bereits die Folgen eines Rechtsrucks skizziert, sowohl für den gesellschaftlichen Zusammenhalt wie auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

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In Sachsen und Thüringen stufen die jeweiligen Verfassungsschutzbehörden die AfD-Landesverbände als gesichert rechtsextrem ein, in Brandenburg wird die AfD als Verdachtsfall beobachtet. Selbst wenn Regierungsbeteiligungen unwahrscheinlich sind, stellt sich die Frage, ob eine bunte, vielfältige und weltoffene Gesellschaft funktionieren kann, wenn mindestens ein Drittel der Bevölkerung diese Idee ablehnt.

Intel, TSMC, Infineon – alle bauen in Ostdeutschland

Das Erstarken der AfD fällt in eine Zeit, in der sich in Ostdeutschland immer mehr Digitalindustrie ansiedelt und schon überschwänglich von einem deutschen Silicon Valley die Rede ist: Der US-Chiphersteller Intel baut zwei Fabriken bei Magdeburg, die zwischen 3.000 und 4.000 Arbeitsplätze schaffen sollen.

Im Herbst sollen bei Dresden die Bauarbeiten für eine Halbleiterfabrik des taiwanesischen Chipherstellers TSMC beginnen, eines der größten Tech-Unternehmen der Welt. Ab 2027 soll die Fertigung starten, 2.000 Arbeitsplätze sind geplant.

Der Münchner Halbleiterhersteller Infineon erweitert ganz in der Nähe sein bestehendes Werk und schafft 1.000 neue Jobs. Auch das belgische Halbleiter-Forschungsinstitut Imec will in diesem Jahr über eine Niederlassung in Deutschland entscheiden, Dresden ist als Standort in der engeren Auswahl. Der Bedarf an Arbeitskraft und Expertise wird durch einheimische Fachkräfte kaum gedeckt werden können.

  1. Gefahr von rechts trifft auf angespannten Arbeitsmarkt
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