Tech-Korrektur 2026: Die große Stunde der Schaufelhersteller
Der Tech-Sektor hat in den ersten Februartagen 2026 erhebliche Verluste hinnehmen müssen. Die Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit dem Rückgang von Bitcoin, der als eine Art Leitwährung für risikoreiche Anlagen gilt, und mit den schlechtesten US-Arbeitsmarktdaten außerhalb einer Rezession seit 1939.
Bitcoin hat seit dem Allzeithoch von über 125.000 US-Dollar im Oktober 2025 rund 50 Prozent an Wert verloren und notiert derzeit zwischen 66.000 und 68.000 US-Dollar. Der Absturz vernichtete über eine Billion US-Dollar an Marktkapitalisierung im Kryptobereich.
US-Arbeitsmarkt: So schlecht wie seit 1939 nicht mehr
Die US-Arbeitsmarktdaten, die wegen eines viertägigen Regierungsstillstands verspätet veröffentlicht wurden, zeigen ein besorgniserregendes Bild. Zwar wurden im Januar 130.000 neue Stellen geschaffen, doppelt so viele wie die von Ökonomen erwarteten 55.000 bis 75.000. Doch die jährliche Revision der Vorjahresdaten offenbart das wahre Ausmaß der Schwäche.
Die ursprünglich gemeldete Jahresgesamtzahl an neu geschaffenen Stellen für 2025 wurde von 584.000 auf nur noch 181.000 reduziert, ein Minus von 403.000 Stellen. Zum Vergleich: Im Durchschnitt schaffen die USA in einem guten Monat rund 155.000 neue Stellen. Die 181.000 für das gesamte Jahr 2025 sind damit außergewöhnlich schwach. Es ist das Jahr mit dem geringsten Stellenaufbau außerhalb einer Rezession seit 1939.
Historische Negativrekorde
Mit vier Monaten mit negativen Werten – also Stellenabbau – ist 2025 das schlechteste Jahr seit 2010, als die Konjunkturerholung nach der Finanzkrisen-Rezession begann. Selbst im Pandemiejahr 2020 gab es nur drei negative Monate.
Ein Teil der Schwäche geht auf den sogenannten Doge-Effekt zurück, auf die schlagartige Entlassung tausender Staatsangestellter. Im Oktober waren die Zahlen nicht ganz so drastisch wie ursprünglich gemeldet, doch die Monate davor wurden deutlich nach unten korrigiert. Die Arbeitslosenquote ging zwar leicht von 4,4 auf 4,3 Prozent zurück, was jedoch die strukturelle Schwäche nicht kaschieren kann.
Auswirkungen auf den Aktienmarkt
Die Verluste im Aktienmarkt reichen tief in den Tech-Sektor: Coinbase hat 13 Prozent verloren, Microstrategy 17 Prozent. Auch klassische Softwareunternehmen traf es: Microsoft gab neun Prozent nach, Oracle 19 Prozent und Salesforce elf Prozent. Der Nasdaq-Index ist dadurch für das Jahr für das Jahr ins Minus gerutscht, das heißt, er hat seit dem 1. Januar insgesamt mehr verloren als gewonnen.
Die Restwahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im März ist auf unter acht Prozent gefallen, vor kurzem lag sie noch bei 20 Prozent. Anleger haben die nächste Zinssenkung gedanklich also auf Juli verschoben. Das belastet Wachstumsaktien zusätzlich, da deren Bewertungen besonders zinssensitiv sind.
Die Korrelation zwischen Bitcoin und Tech-Aktien liegt bei etwa 0,5 bis 0,75 zum Nasdaq. Bitcoin wird oft als gehebelte Wette auf Wachstumsaktien betrachtet, was bedeutet, dass es stärker auf Schwankungen in risikoreichen Anlagen reagiert. Der Krypto-Ausverkauf hat ETF-Ausflüsse von 1,49 Milliarden US-Dollar aus Bitcoin-ETFs ausgelöst.
Was spricht für weitere Einbrüche?
Die historisch schwachen Arbeitsmarktdaten dürften für die US-Regierung wenig erfreulich sein. Schließlich ist sie mit dem Anspruch angetreten, die größte Wirtschaftskraft der Geschichte zu entfesseln. Der Bitcoin-Absturz hat bereits 600 Milliarden US-Dollar aus dem Krypto-Markt und 316 Milliarden US-Dollar speziell aus Bitcoin gelöscht. Viele Investoren haben mit geliehenem Geld in Krypto und Tech spekuliert. Der Abbau dieser Positionen führt zu Zwangsverkäufen.
Tech-Firmen investieren Milliarden in künstliche Intelligenz, ohne kurzfristig klare Renditen zu erzielen, etwa Amazons geplante 200 Milliarden US-Dollar für AI-Projekte. Gleichzeitig findet eine Sektor-Rotation statt: Investoren schichten von Technologie zu wertorientierten, stabilen Branchen wie Energie oder Konsumgüter um.
Was spricht gegen weitere Einbrüche?
Der Dow Jones verteidigt dennoch vorerst weiterhin die wichtige 50.000-Punkte-Marke. Damit kann die Rally weitergehen, egal, wie man die aktuellen Arbeitsmarktdaten sieht. Am 6. Februar erholten sich Tech-Aktien: Der Nasdaq legte 1,6 Prozent zu, Bitcoin stieg zurück auf über 70.000 US-Dollar.
Zudem liegt der Relative-Stärke-Index (RSI) für Bitcoin unter 30 – ein Wert, der häufig auf eine Überverkaufssituation hindeutet und einen Boden signalisieren kann. Langfristig prognostizieren einige Analysten Bitcoin bei 150.000 US-Dollar.
Weitere Einbrüche im Tech-Bereich sind möglich, aber nicht zwangsläufig. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 50 bis 60 Prozent(öffnet im neuen Fenster). Der aktuelle Verkaufsdruck wirkt wie eine gesunde Korrektur nach Überbewertung, nicht wie ein systemischer Zusammenbruch.
Sieben interessante Tech-Werte
Microsoft: Korrektur nach Allzeithoch
Microsoft (ISIN: US5949181045) hat nach einem Rückgang von 27 Prozent vom Allzeithoch eine attraktivere Bewertung erreicht. Das Verhältnis Kurs vs. Gewinn liegt bei etwa 30 und damit unter dem Branchendurchschnitt.
Das Unternehmen profitiert von der AI-Integration in Azure und in Office-Produkten. Analysten erwarten ein Umsatzwachstum von 15 bis 20 Prozent(öffnet im neuen Fenster). Microsoft verfügt über erhebliche Cash-Reserven, die Stabilität in volatilen Marktphasen bieten.
Die hohen AI-Investitionen könnten sich langsamer auszahlen als erwartet. Der Wettbewerb im Cloudbereich mit Amazon Web Services und Google Cloud bleibt intensiv. Ein schwacher Arbeitsmarkt könnte die Unternehmensausgaben für Software dämpfen.
Meta Platforms: Werbegeschäft und AI
Meta Platforms (ISIN: US30303M1027) hatte einen Kursrückgang von 17 Prozent. Analysten sehen dennoch ein Aufwärtspotenzial von bis zu 40 Prozent(öffnet im neuen Fenster). Meta profitiert von AI-gestützter Werbung auf Facebook und Instagram. Die Nutzerbasis von mehreren Milliarden Menschen erzeugt Netzwerkeffekte. Die Gewinnmargen sind hoch.
Das Metaverse-Projekt Reality Labs verursacht jedoch erhebliche Verluste. Datenschutzregulierungen könnten das Werbegeschäft beeinträchtigen. Die Abhängigkeit vom Werbemarkt macht Meta anfällig für konjunkturelle Schwankungen. Ein schwacher Arbeitsmarkt könnte die Werbebudgets der Unternehmen reduzieren.
Palantir: Datenanalyse mit AI
Palantir Technologies (ISIN: US69608A1088) erlangte nach einem Rückgang von 36 Prozent wieder Aufmerksamkeit. Die Software wird sowohl von Regierungsbehörden als auch von Unternehmen eingesetzt. Analysten erwarten ein Wachstum von etwa 25 Prozent. Partnerschaften mit Unternehmen wie Amazon stärken die Position im Enterprise-Markt.
Die Bewertung bleibt hoch, einige sagen: zu hoch. Die Abhängigkeit von Regierungsaufträgen birgt politische Risiken, insbesondere angesichts des Doge-Effekts und der Stellenstreichungen im öffentlichen Dienst. Auch hat sich Palantir durch einen Einsatz im Rahmen der ICE-Einsätze vor allem in Europa einen zweifelhaften Ruf erworben.
Invesco QQQ: Diversifikation über ETF
Der Invesco QQQ Trust (ISIN: US46090E1038) bildet den Nasdaq-100 nach und bietet Zugang zu den 100 größten Nicht-Finanzunternehmen an der Nasdaq-Börse.
Der ETF bietet Diversifikation über 100 Aktien, darunter Apple, Nvidia und Microsoft. Das reduziert das Einzelaktienrisiko. Die historische Jahresrendite lag langfristig bei etwa 15 Prozent. Nach dem Kursrückgang erscheint der Einstiegszeitpunkt günstiger.
Andererseits ist der ETF stark auf den Tech-Sektor konzentriert. Bei einer anhaltenden Tech-Schwäche, etwa durch Rezessionsängste oder weitere Arbeitsmarktschwäche, würde der gesamte ETF leiden.
Schaufelhersteller: Die andere Seite der AI-Entwicklung
Während Softwareaktien sich unter der Frage entwickeln, welches AI-Modell sich durchsetzen wird, gibt es eine Kategorie von Unternehmen, die unabhängig davon profitiert: die sogenannten Schaufelhersteller. Diese Firmen bauen die physische Infrastruktur, ohne die kein AI-Rechenzentrum funktioniert.
Vertiv Holdings (ISIN: US92537N1081)
Vertiv baut Stromversorgung, Rack-Kühlung und Liquid-Cooling-Systeme für AI-Rechenzentren; sie haben eine Partnerschaft mit Nvidia für die Kühlung der nächsten GPU-Generationen. Der Auftragsbestand liegt bei 9,5 Milliarden US-Dollar, das Book-to-Bill, das die neu eingegangenen Aufträge mit den ausgelieferten und abgerechneten Umsätzen vergleicht, bei 1,4x und das erwartete EPS-Wachstum bei 20 Prozent jährlich bis 2026.
Monolithic Power Systems (ISIN: US6098391054)
MPWR liefert Power-Management-Chips, die die Strom- und Hitzebelastung von Nvidia-GPUs in AI-Servern managen. Diese haben eine starke Position bei Nvidia, das Management prognostiziert 20 Prozent Wachstum für 2026.
Super Micro Computer (ISIN: US86800U3023)
Super Micro baut maßgeschneiderte AI-Server-Racks für Nvidia-GPUs. Das Management prognostiziert für das Fiskaljahr 2026 mindestens 40 Milliarden US-Dollar Umsatz (plus 64 Prozent). Der Forward-KGV liegt bei nur etwa 10, das ist günstig für das Wachstum.
Risiken, Bewertung und Fazit
Konjunkturelle Risiken
Alle sieben Investments sind anfällig für konjunkturelle Schwankungen. Die historisch schwachen US-Arbeitsmarktdaten für 2025 könnten ein Vorbote für eine Rezession für das Jahr 2026 sein. Eine Rezession würde Unternehmensgewinne und Anlegerverhalten beeinflussen.
Fed im Dilemma
Die Federal Reserve steht vor einem Dilemma: Einerseits signalisiert der schwache Arbeitsmarkt die Notwendigkeit von Zinssenkungen. Andererseits könnte die hartnäckige Inflation den Spielraum einschränken. Die nächste Zinssenkung erwarten die Märkte erst im Juli, das belastet zinssensitive Wachstumsaktien.
Unterschiedliche Risikoprofile
Die sieben Titel haben unterschiedliche Risikoprofile: Microsoft und der QQQ-ETF bieten relative Stabilität, während Super Micro und Palantir höhere Volatilität aufweisen. Die drei Schaufelhersteller sind weniger abhängig davon, welches AI-Modell sich durchsetzt, aber stärker vom Tempo des Rechenzentrums-Ausbaus.
Zeitlicher Horizont
Für Investments in diesen Bereich sollte ein Anlagehorizont von drei bis fünf Jahren eingeplant werden. Kurzfristige Schwankungen sind wahrscheinlich, können aber auch als Einstiegschancen genutzt werden.
Fazit
Der Tech-Sektor hat Anfang Februar 2026 eine deutliche Korrektur erfahren, die sieben vorgestellten Investments erscheinen nach dem Rückgang interessanter bewertet. Die klassischen Tech-Aktien bieten unterschiedliche Stärken: Microsoft punktet mit Stabilität und AI-Wachstum, Meta profitiert von Netzwerkeffekten, Palantir adressiert den wachsenden Markt für Datenanalyse und der QQQ-ETF ermöglicht breite Streuung.
Die drei AI-Infrastruktur-Aktien folgen einer anderen Logik: Die verdienen an der physischen Infrastruktur und sind weniger abhängig davon, welches AI-Modell sich durchsetzt. Vertiv liefert die Kühlung, Monolithic Power Systems die Strommanagement-Chips, Super Micro die Server-Racks.
Die Risiken bleiben jedoch erheblich. Die kommenden Wirtschaftsdaten werden zeigen, ob die Korrektur abgeschlossen ist oder sich fortsetzt.
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