Tech-Branche: Vom sympathischen Nerd zum grässlichen Overlord
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Dieser Text ist eine Übersetzung. Das Original ist hier zu finden(öffnet im neuen Fenster).
Ich bin mit einigen der umsichtigsten, genialsten, neugierigsten, exzentrischsten und aufrichtigsten Menschen befreundet, denen man in der IT-Branche begegnen kann. Viele meiner engsten Freunde sind ehemalige Kolleginnen und Kollegen. Ich habe im Job aber auch sehr egozentrische, fast wahnhafte und sehr nervige Menschen kennengelernt.
In der IT finden sich einfach alle Arten von Menschen – wie überall. Allerdings spielen sich die Egomanen mittlerweile nicht mehr nur "im echten Leben" permanent in den Vordergrund und stellen sich – ob als "Founding Engineer" oder generell Gründer/CEO/CTO/ETC oder auch "GTM-Entwickler" – als die einflussreichste Spitzenkraft ihres jeweiligen Unternehmens dar. Sie reden auch online unablässig über sich selbst.
Das ist für niemanden gut.
Dieser Blogeintrag ist ziemlich lang, deswegen hier erstmal die Kurzversion: Die Tech-Branche hat sich über 40 Jahre Vertrauen erarbeitet, eine ganz spezielle Art von Vertrauen, und hatte überwiegend langweilige Motive für ihre Arbeit. Das ließ uns vertrauenswürdig erscheinen und als diejenigen, die auf der guten Seite stehen.
In den vergangenen zehn Jahren erkannten diverse Firmenchefs aber, dass Vertrauen auch gern ausgelöscht und in ein anderes Gut überführt werden könnte: Aufmerksamkeit. Sie versprachen sich davon hohe Gewinne.
Das Problem bei so etwas wie Vertrauen ist aber, dass man seinen Preis erst kennt, wenn man versucht, es zurückzukaufen. Die Founder's-Fund-Mafia-Videoreihe ist dafür das krasseste Beispiel. Sollte es unter den Lesern Gründer geben, die überlegen, ihr eigenes Mafia-Video zu machen: Lasst es bitte.
Konzentriert euch lieber auf die ursprünglichen Nerd-Werte: die Liebe zum Lernen, Neugier, leidenschaftliches Interesse für das eigene Fachgebiet und etwas Demut, etwa dabei, wie man sich anderen gegenüber verhält und über die eigene Arbeit spricht.
Der Effekt wird sich langsamer zeigen und man wird damit auch nicht viral gehen – aber es wird sich am Ende auszahlen, wenn Menschen sich irgendwann in großer Zahl von den sich als Reality-Stars inszenierenden Tech-Größen abwenden werden. Und das werden sie.
Der charmante und visionäre Nerd-Begriff
Vor zehn Jahren wurde die Vorstellung eines ITlers vor allem durch Jobs und Wozniak verkörpert. Jobs hatte seine Fehler, jeder wusste das, es war normal für die Zeit. Er war extrem ehrgeizig, selbst in kleinsten Details kompromisslos und manchmal arrogant (nicht immer, aus meiner Sicht, manchmal lag er eben einfach richtig).
Er wurde von vielen bewundert, weil seine Produkte gut funktionierten und geschmackvoller, feinsinniger und schöner waren als alle, die es davor gab. Wenn Jobs ungemütlich wurde, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung, ging es um so etwas wie Kerning(öffnet im neuen Fenster) beispielsweise. Dabei ließ er es aber so wirken, als wäre sein Eifer stets in unserem Sinne – im Sinne der Kunden! Man kann sich ihn als einen Mann vorstellen, der die Nutzererfahrung und auch sein Vermächtnis perfektionieren wollte – genau so sollten CEOs sein.
Dann gab es noch Woz, den Schutzheiligen der Informatik: zurückhaltend, großzügig, bescheiden, öffentlichkeitsscheu und zufrieden mit dem Geld, das er hatte – sicher eine beachtliche Summe, aber eben keine absurd hohe, die ihn wie einen Bösewicht wirken ließ.
Er gab schon früh Apple-Aktien an Kollegen, weil er es seltsam fand, so viel davon zu haben und unterrichtete ehrenamtlich. Woz war das Paradebeispiel für jemanden, der im Mittelpunkt der wichtigsten industriellen Transformation des Jahrhunderts stand – und trotzdem nicht nach Aufmerksamkeit gierte. Er machte einfach, was er liebte, verdiente viel Geld damit und teilte sein Wissen mit anderen.
Ihre Geschichte ist im Kern diese: Die Menschen, die hier die Zukunft mitgestalten, sind, negativ gesehen, perfektionistische Idioten, oder, positiver ausgedrückt, freundliche Besessene. Jedenfalls richtet sich ihre Aufmerksamkeit auf ihre Arbeit und nicht auf "die Welt" mit ihren glamourösen Sünden.
Wie sie am Ende wirklich waren, ist eigentlich egal. Sie wurden so gesehen. Wir haben ihnen vertraut, weil sie offenbar nicht auf unsere Aufmerksamkeit aus waren. Sie waren Nerds mit Geld, die sich in erster Linie mit ihren Projekten beschäftigen wollten. Deshalb fanden wir es gerechtfertigt, dass sie für die Ausgestaltung unseres digitalen Lebens verantwortlich waren.
Davon sind wir mittlerweile ziemlich weit weg.
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