Wie Tech-Leader vom charmanten Nerd zum grässlichen Overlord wurden
Im Folgenden beschreibe ich den Übergang vom hilfsbereiten, besessenen Nerd, der Geld macht, zum Tech-Oligarchen aus der Hölle, über den die Leute scherzen, er sei gar kein Mensch. Ich mache drei Phasen aus – natürlich ist das stark vereinfacht.
Phase 1 (späte 1970er bis 2007): der Firmengründer als charismatisches, geheimnisvolles Nebenprodukt
Die IT-Größen dieser Zeit kamen durchaus in Medien vor, berichtet wurde aber vor allem über die Produkte, die sie entwickelten. Sie umgab ein gewisser Mythos und Fotos mit ihnen zeigten sie vor allem in Garagen, umgeben von funkelnden Maschinen. Sie gaben Keynotes und Interviews, aber alles kreiste um ihre Produkte und Firmen – nicht darum, sich als reiche und einflussreiche Person in den Mittelpunkt zu stellen.
Wir hörten ab und zu von ihnen, manchmal aber auch eine Weile gar nichts, wir fühlten uns nicht von ihnen umzingelt. Sie kamen uns nie richtig nah. Selbst über Bill Gates, den damaligen Bösewicht, der auf jedem Zeitschriften-Cover zu sehen war, wussten wir wenig mehr, als dass er ehrgeizig und belesen war – was für alle CEOs gilt.
Phase 2 (2007 bis 2015): der Gründer als Gleichnis
TED-Talks wurden populär und erwiesen sich als unterhaltsame Art, Neues zu lernen und interessante Vordenkerinnen und Vordenker kennenzulernen. The Social Network war ein kommerzieller Erfolg und der Begriff "Gründer" als Markenzeichen schlich sich langsam in den kulturellen Mainstream ein.
Eine Firma zu gründen war plötzlich eine realistische Karrierechance und die Erzählung vom Gründer als einer Art Hauptdarsteller zog in der ganzen Branche Leute an. Diese Phase war insofern gut, als es um Innovation ging: Gründer und Produkte hingen eng zusammen, nur dass nun die Person mehr in den Mittelpunkt rückte. Aber die Produkte waren immer noch der Grund für unsere Bewunderung und Neugier.
Phase 3 (2015 bis heute): die (be)trügerische Tech-Industrie
2026 werden digitale Güter von Schwindlern entwickelt. Es liegt also nicht an der Branche generell, dass es heutzutage auch ganz normalen Menschen erstrebenswert erscheint, reich zu werden und amoralisch zu handeln. Aber es liegt an uns, dass diese "Galionsfiguren" sich dabei so ins Zeug legen. Elon Musk ist natürlich das krasseste Beispiel, aber er zählt eigentlich nicht, weil er in seiner eigenen Liga spielt, was lächerliche Selbstdarstellung und seine Gier nach Aufmerksamkeit angeht.
Was zählt ist zum Beispiel OpenAI, das TBPN kauft, einen Podcast, in dem es um Gründungen geht. Wir haben hier also einen KI-Konzern, der eine Talkshow kauft.
Außerdem gibt es Founders Fund (US-Risikokapitalunternehmen, Anm. d. Red.), das seinen Marketing-Chef zum Chefredakteur eines eigenen Medienunternehmens machte – und jetzt auch noch zum Gameshow-Host. Firmen wie Founders Fund haben nämlich gelernt, dass es viel einfacher und effizienter ist, selbst Medienunternehmen zu werden, als Werbung bei anderen Medienunternehmen zu schalten, die durch so etwas wie journalistische Grundsätze "gebremst" werden.
Kurzfristig mag das in der Theorie richtig sein, führt aber zu einer massiven Abwertung von Medien. Viele Medienunternehmen sind schon vom Untergang bedroht. Wenn immer mehr ultrareiche und mächtige Tech-Konzerne ihr riesiges Zyklopen-Auge darauf richten, noch mehr Aufmerksamkeit abzugreifen, ist absehbar, dass es mit der Objektivität, die oft heute schon nur mehr eine Illusion ist, weiter bergab gehen wird.
Folglich geht es Gründern in der öffentlichen Wahrnehmung also immer mehr darum, mehr Macht, Geld und Ruhm zu erringen, und weniger um die Arbeit an ihrem scheinbar heiligen Nerd-Kram.
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