Entwickler müssten sich für Azure begeistern

Azure ist zweifellos ein Riesengeschäft, gilt allerdings bei der nächsten Generation von Entwicklern nicht gerade als cool. Und ohne diese bleibt Azure nichts anderes als Top-down-Verkäufe. Tatsächlich nahm die fehlende Popularität von Microsoft unter Entwicklern schon in den 1990er Jahren ihren Anfang: Die Halloween-Dokumente von 1998 zeigten Microsofts feindselige Einstellung gegenüber Linux und Open Source, was dem Unternehmen über Jahrzehnte schadete.

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Microsoft hat diesen Fehler inzwischen eingesehen und holt jetzt die verlorene Zeit wieder auf: Nadella behauptete 2015, dass Microsofts Herz für Linux schlage, und erwarb 2018 Github durch eine sensationelle Übernahme im Wert von 7,5 Milliarden US-Dollar. Außerdem bietet Azure umfassenden Linux-Support (die Hälfte der Azure-Auslastung läuft unter Linux).

Aber die Übernahme von Github allein bedeutet noch nicht, dass sich junge Entwickler sofort für Azure begeistern. Die Aufgabe von Microsoft besteht darin, sich die neu gefundene Zuneigung der Entwickler elegant zunutze zu machen. Zuneigung lässt sich jedoch nicht erzwingen - was man bei Google sieht, das versucht, seinen nichtsahnenden Nutzern das Tool Meet aufzuzwingen. Microsoft braucht einen umfassenderen Support für Betriebsunterstützungssysteme (OSS) und Entwicklertools, bevor es die Nutzer weiter in Richtung Azure bugsiert.

Das heißt, Azure muss organisch eingeführt werden, um das Unternehmen vollständig zu durchdringen. Github verfügt unter Entwicklern über Glaubwürdigkeit, die Hauptnutzung erfolgt jedoch über das zugehörige Befehlszeilentool, wo der Einsatz von Azure unnatürlich wäre. Die Entwicklererfahrung wird in der integrierten Entwicklungsumgebung (IDE) oder am Terminal benötigt, um ein nachgelagertes Cross-Selling der Cloud-Infrastruktur zu erreichen.

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Microsoft setzt jetzt auf ein IDE-Spiel der nächsten Generation mit sogenannten Codespaces, allerdings sind IDEs extrem fragmentiert. Das Thema IDEs komplett aufzurollen, ist attraktiv, da die zugehörigen Unternehmen häufig schwach und eigenständig sind. Das Ganze könnte jedoch die Aufmerksamkeit unter Entwicklern steigern und den Weg für Azure ebnen. Auch die Übernahme von Replit kommt infrage, da das Unternehmen eine starke Position bei jungen, noch formbaren Entwicklern einnimmt.

Daten stärken die Kernprodukte von Microsoft

Tabellenkalkulationsprogramme waren extrem wichtige Anwendungen im Unternehmensbereich, und Microsoft Excel hat diesen Markt im Grunde dominiert. Es hat eine ganze Generation von Datenanalysten und Finanzexperten erschaffen. Über Jahrzehnte war Excel der beste Unternehmensdatenspeicher seiner Klasse.

Durch die Unterstützung des Mittelfeldes verlor Microsoft jedoch die Vorreiterrolle. Die heutige Produktivitätssäule hat die Lücke, die durch die verzögerten Innovationen bei Microsoft Excel entstanden ist, geschlossen.

Fehlende Benutzerfreundlichkeit schuf Platz für Airtable und Asana. Schwache Datengrundlagen schufen Platz für moderne CRUD-basierte Anwendungen. Mangelnde Anpassungen und Integrationen schufen Platz für vertikale Softwareunternehmen. Zu wenig Zusammenarbeit schuf Platz für Google Sheets. Eine schwache Backend-Architektur und Interoperabilität schufen Platz für den modernen Datenstack. Anstatt das Plattformpotenzial umzusetzen, blieb Excel einfach eine hervorragende Anwendung.

Microsoft weist viele Teilbereiche auf, die theoretisch moderne Datenanalysten unterstützen können: Data-Warehousing mit Synapse, Daten-Pipelines über Data Factory, Visualisierung über PowerBI. Moderne Teams entscheiden sich jedoch häufig nicht für Microsoft, sondern eher für den modernen Datenstack aus Fivetran, dbt und Snowflake. Gibt es eine Chance, dass Microsoft diese Teams für sich gewinnen kann?

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Microsoft sollte Geld für die in den jeweiligen Bereichen besten Unternehmen in die Hand nehmen, um die verlorene Zeit im Rennen um die Unternehmensdaten aufzuholen. Ich persönlich würde eine Übernahme für jeden Schritt im ELT-Prozess (Extrahieren, Laden, Transformieren) in Betracht ziehen: Fivetran ist Branchenführer für E und L, dbt im Bereich T. So können drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Microsoft ist in der Position, Daten-Pipelines mit einem führenden Produktpaket zu gewinnen, übernimmt die Verteilung auf Zehntausende hervorragender Datenteams und bugsiert diese in Richtung Azure.

Selbst innerhalb des bestehenden Produktpakets von Microsoft gibt es immense Möglichkeiten für die Nutzung von Kundendaten. Zum einen ist Microsoft eines der am besten positionierten Unternehmen im Wettbewerb mit Salesforce. Das CRM-Produkt Dynamics von Microsoft ist nur ein Hauch dessen, was es sein könnte. Microsoft besitzt das strategisch wichtigste Element im Bereich Vertrieb und Marketing, nämlich Linkedin, sowie die technologische Infrastruktur, um Salesforce zu zerstören.

Microsoft ist auf dem Weg, über Azure zur einzigen Quelle für Kundendaten zu werden, was es entscheidend für jede Unternehmenssoftware macht. Wenn es Microsoft gelingt, die Kunden davon zu überzeugen, ihre Kundendaten in einem Azure-Warehouse (mit zusätzlichen Linkedin-Daten) zu speichern, anstatt ein CRM-Tool zu nutzen, wird die Kundenpflege zu einem einfachen Fenster, über das Unternehmen auf Kundendaten zugreifen können. Andere Unternehmensanwendungen bauen dann auf Azure, nicht auf Salesforce auf. Wenn Microsoft CRM vom aktuellen Kundendatensystem trennt, wird die Ergänzung standardisiert und kann so Salesforce schlagen.

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 Was Microsoft tun könnte, um 10 Billionen Dollar zu erreichenMit mehr Tiefe kann Microsoft neue Märkte gewinnen 
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olma 29. Jun 2022 / Themenstart

Ich frage mich auch, woher der Autor sich das beschriebene "Vertrauen" herzaubert. Ich...

debunix 28. Jun 2022 / Themenstart

Microsoft war lange nicht gut unterwegs, richtig. Seit Nadella beobachte ich, dass die...

ap (Golem.de) 28. Jun 2022 / Themenstart

Guten Morgen, danke für die Hinweise. Deshalb haben wir gleich am Anfang des Artikels...

aassddff 28. Jun 2022 / Themenstart

Hab ich gerade ausprobiert und sehe das Problem nicht. Suchtext eingegeben, Resultate...

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