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Tears of the Kingdom im Test: Das neue Zelda ist ein Meisterwerk

Basteln, Kämpfe, Zeitmanipulation und eine prallvolle Welt: Toll umgesetzte Elemente und eine berührende Story machen Tears zum fantastischen Über-Abenteuer.
/ Peter Steinlechner
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Szene aus The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom (Bild: Bild: Nintendo / Screenshot: Golem.de)
Szene aus The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom Bild: Bild: Nintendo / Screenshot: Golem.de

Achtung, Spoiler: Wir schreiben hier über The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom. Zur Handlung machen wir nur grundlegende Aussagen aus der ersten halben Stunde, gehen aber auf Spieleelemente aus späteren Abschnitten ein. Wer nichts vorab wissen möchte, sollte hier aufhören zu lesen.

Langjährigen Fans der Spieleserie The Legend of Zelda mag es wie ein wunderbarer Traum vorkommen: Schon zum Spielstart verfügen wir mit Hauptfigur Link über die voll ausgebaute Gesundheitsleiste – 30 Herzen. Sollen sie nur kommen, die Iwaroks und Moblins und wie sie sonst alle heißen, die Monster im Königreich Hyrule!

Leider geht die Sache anders weiter als erhofft. Ein paar Minuten und einen Bösewicht später bleiben gerade mal drei Herzen übrig. Noch viel schlimmer: Das Master-Schwert ist Schrott, Prinzessin Zelda verschwunden und der rechte Arm von Link ist so schlimm verwundet, dass er durch eine magische Prothese ersetzt werden muss.

Tears of the Kingdom setzt das 2017 veröffentlichte Breath of the Wild ( Test auf Golem.de ) fort. Grundlegendes wie die Optik und die offene Welt, das Kampfsystem und viele Gegner sowie das Klettern mit Ausdauer gibt es wieder.

Tears of the Kingdom fühlt sich dennoch keine Minute wie eine Erweiterung an – im Gegenteil. Die neuen Spielmechaniken und die ganze Anmutung sind komplexer und größer, die Welt bietet durch zusätzliche Gebiete viel mehr Fläche.

Über die Spieldauer der Kampagne können wir keine Aussage treffen. Es gibt vermutlich Wege, schon nach 10 bis 20 Stunden den Abspann zu sehen. Wer es allerdings nicht so eilig hat und sich intensiv mit allen Möglichkeiten auseinandersetzt, dürfte viele Dutzend Stunden in Hyrule eintauchen können.

Die ersten fünf bis 20 Stunden verbringen wir auf schwebenden Himmelsinseln, die unter anderem als Tutorial dienen. Hier lernen wir, was wir mit der sogenannten "Ultra-Hand" (die Prothese) von Link alles anstellen können: vor allem Basteln und Bauen.

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Das ist die Neuerung, die uns am besten gefallen hat – auch, weil sie sehr gut umgesetzt ist. Einfaches Beispiel: Wir können drei herumliegende Baumstämme zu einem Floß verbinden, stecken als Antrieb einen Ventilator darauf und gelangen mit dem Boot über einen See, für dessen Überquerung die reguläre Schwimmausdauer nicht reichen würde.

The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom – Trailer (Gameplay)
The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom – Trailer (Gameplay) (03:54)

Das Tolle ist, dass das Ganze hervorragend funktioniert und Spaß macht. Gelegentlich hakelt mal die Kamera oder ein Objekt bleibt an einem anderen hängen, aber insgesamt klappt Basteln und Bauen viel besser als in den meisten anderen Games.

Wenn etwas wirklich schiefläuft, sind wir oft selbst schuld: Wir waren etwa ein paarmal so doof und haben ein Floß halb am Ufer gebaut. Irgendwann sind die Stämme dann ins Wasser gerutscht und wurden von der Strömung davongetrieben. Wie in Breath of the Wild gibt es ein Physiksystem, das auch bei Baumaterial zum Einsatz kommt.

Bossgegner kegelt uns von der Plattform

Neben Flößen können wir einfache und komplexe Luftschiffe bauen, um damit etwa lange Passagen zu Fuß abzukürzen und Hindernisse bequem zu überbrücken. Vermutlich werden wir in den kommenden Wochen allerlei schräg-komplexe Fahr- und Flugzeuge in Streams auf Youtube und Twitch sehen.

Beim Einsatz der Vehikel kann es Überraschungen geben. Wir hatten etwa keine Lust auf einen Oberboss namens Alpha Block-Konstrukt und wollten über ihn hinweg fliegen.

Was wir nicht erwartet haben: Das Monster schleudert Kisten in unsere Richtung. Ein paar landen auf der schwebenden Plattform, die gerät ins Schwanken – und wir rutschen in die Tiefe. Game Over, also zurück zum letzten (meist fairen) Speicherpunkt.

Beim nächsten Versuch der Vermeidung von Alpha Block-Konstrukt haben wir zwei Ventilatoren auf das Deck geflanscht, so dass wir im Zickzack fliegen und dem Oberboss ausweichen konnten. Das war nicht einfach, ging aber immer noch schneller als der Weg zu Fuß oder der Kampf – und wir haben uns diebisch über unseren Erfolg gefreut!

Übrigens ging es uns oft so, dass wir mit etwas Unlust ans Bauen herangegangen sind, weil das doch ein bisschen kompliziert wirkt. So gut wie immer hat uns das Ganze nach wenigen Minuten aber sehr viel Spaß gemacht, weil wir doch recht bald den Fortschritt gesehen haben.

Ein zweites neues System trägt den Namen Synthese. Damit können wir Gegenstände kombinieren und teils ihre Eigenschaften verändern oder erweitern. Beispiel: Wenn wir einen Pilz, der eigentlich die Ausdauer von Link erhöhen soll, mit einer der Waffen verbinden, zerbricht die längst nicht so schnell wie ohne das Gewächs.

Dafür müssen wir aber damit leben, dass unser schickes Schwert einen Pilz an der Spitze trägt – was ziemlich albern aussieht. Wenn wir Holzpfeile mit Monster-Augäpfeln verbinden, erhalten wir zielsuchende Raketen, die weitgehend selbständig das nächste feindliche Objekte ins Visier nehmen.

Wir finden Synthese spannend und gut gemacht. Nur ist uns die Steuerung minimal zu kompliziert, vor allem im Kampf. Und wir haben den Eindruck, dass wir die besten Rezepte noch nicht kennen. Es könnte sein, dass diese erst nach und nach durch die Community ans Licht gefördert werden.

Es gibt noch sehr viele weitere Neuerungen, zwei möchten wir kurz vorstellen: Per Zeitmanipulation kann Link bestimmte Objekte in der Welt zurückspulen, um etwa einen gerade herabgefallenen Felsbrocken als Lift zu einer Plattform zu verwenden.

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Anders als Basteln und Synthese ist das nur bedingt ein Element, das uns ein Plus an Freiheit gewährt. Meist wird die Zeitmanipulation als Teil von Puzzles verwendet.

The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom – Trailer
The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom – Trailer (01:36)

Die zweite der etwas kleineren Neuerungen ist die Möglichkeit, dass Link sich selbst senkrecht nach oben durch die Decke bohrt. Das funktioniert nicht nur in Gebäuden, sondern auch in Höhlen durch meterdickes Gestein. Es ist etwa dann praktisch, wenn wir nach dem Öffnen einer Schatztruhe schnell wieder an die frische Luft möchten.

Die Welt ist zum Großteil das schon bekannte Hyrule. Diesmal gibt es wieder Schreine mit gut gemachten Denksportaufgaben zum Freischalten von Extras – etwa Herzen. Wir können aber auch eine Unterwelt und Himmelsinseln über dem bekannten Königreich erkunden, was sich wie ein neuer Kontinent anfühlt. Reisen ist unter anderem per Teleportation und per Pferd möglich.

Tears of the Kingdom: Verfügbarkeit und Fazit

Technisch hat unsere Testversion einen sehr ausgereiften Eindruck hinterlassen. Anders als damals bei Breath of the Wild hat Nintendo(öffnet im neuen Fenster) die Software nun offenbar im Griff.

Wir hatten selten nicht weiter störende Mini-Ruckler im Dock, und gar nicht im Handheld-Modus. Abstürze, Gameplay-Bugs und andere Probleme sind uns gar nicht aufgefallen.

The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom ist ab dem 12. Mai 2023 für Nintendo Switch verfügbar. Das Spiel kostet rund 70 Euro und belegt 16,3 GByte an Speicher.

Es gibt weder Multiplayer noch Mikrotransaktionen. Die deutsche Sprachausgabe finden wir gelungen, von der USK hat das Programm eine Freigabe ab 12 Jahren erhalten.

Fazit

Es hat eine gewisse Ironie, dass ausgerechnet Link im neuen The Legend of Zelda basteln und bauen darf – und nicht der handwerklich erfahrene Klempner Mario in einem Spiel. Uns soll die interne Arbeitsvergabe von Nintendo aber herzlich egal sein, wenn dabei ein so wunderbares Abenteuer wie Tears of the Kingdom herauskommt.

Schon der Vorgänger war ein Meilenstein für offene Welten, jetzt haben die Entwickler das schier Unmögliche geschafft und abermals neue Maßstäbe gesetzt. Das physikbasierte Bastelsystem bietet etwa auf Flößen oder Luftschiffen noch mehr Freiheit und Herausforderungen.

Das Zusammenfügen von Gegenständen zu allen Arten von größeren Objekten ist klasse gemacht, abgesehen von nebensächlichen Problemchen etwa mit der Kamera funktioniert es hervorragend.

Wir mussten zwar manchmal eine gewisse Hemmschwelle überwinden, uns den Aufgaben zu stellen. Aber wenn wir dann erstmal am Konstruieren und Zusammenfügen waren, hat das immer Spaß gemacht und erstaunlich schnell zum Erfolg geführt.

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Wir könnten noch viele weitere Punkte von Tears of the Kingdom herausgreifen, nichts davon verdient Kritik in größerem Umfang. Nur dass es so viele Elemente gibt, hat uns beim Spielen gelegentlich gestört. Zwar fügt sich das meiste davon meisterlich zu einem großen Ganzen.

Ein paar Funktionen weniger wären vielleicht aber doch mehr gewesen. Exemplarisch sei hier das System zur Beschaffung bestimmter Bauteile (Sonau) genannt. Uns wäre es lieber, wenn die benötigten Komponenten einfach an passender Stelle herumliegen würden – bei anderen Sachen geht das ja schließlich auch.

Die Handlung gefällt uns noch einen Tick besser als in Breath of the Wild. Die Technik finden wir angesichts des Alters der Switch beeindruckend. Das gilt nicht so sehr für die einfache Grafik, sondern für das Physiksystem und die Animationen.

Tears of the Kingdom ist ein hervorragendes Spiel geworden. Dieses Meisterwerk sollte sich kein Zelda-Fan entgehen lassen, und auch Serieneinsteiger dürfen mehr als einen Blick darauf werfen.


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