Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Teardown: Google Glass, zerlegt

Scott Torborg und Star Simpson haben die Datenbrille von Google gekauft und dann zerlegt. Ihr Fazit: Google Glass ist überraschend einfach aufgebaut.
/ Jörg Thoma
144 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Die zerlegte Datenbrille Google Glass (Bild: Scott Torborg und Star Simpson)
Die zerlegte Datenbrille Google Glass Bild: Scott Torborg und Star Simpson

Was steckt in Google Glass, der Datenbrille von Google? Scott Torborg und seine Kollegin Star Simpson haben sich eine Brille gekauft und die in ihre Einzelteile zerlegt(öffnet im neuen Fenster) . "Es war überraschend einfach" , schreiben sie in ihrem Blog. Google hat auf Epoxyd-Klebstoff verzichtet. Lediglich eine Schraube war schwierig zu entfernen. Später konnten sie die Datenbrille wieder zusammenbauen, und sie funktionierte wie gewohnt.

Wer die Datenbrille von Google kaufen will, muss sie persönlich abholen. Google Glass ist derzeit nur in den USA und nur für Entwickler erhältlich. Beim Kauf über den Play Store erhält der Käufer einen Termin in einem von zwei sogenannten "Glass Studios", die es in New York und im Google-Hauptquartier in Mountain View im Silicon Valley in der Nähe von San Francisco in Kalifornien gibt.

Schampus und ein Lehrgang

Dort wurden Torborg und Simpson von einem Google-Mitarbeiter begrüßt, der ihnen einen Cocktail aus Champagner und Orangensaft (Mimosa) überreichte. An der Wand hingen die Datenbrillen in fünf verschiedenen Farben: Charcoal (Schwarz), Tangerine (Orange), Shale (Anthrazit), Cotton (Weiß) und Sky (Blau). Nachdem sie sich für eine Farbe entschieden hatten, erklärte ihnen der Google-Experte den Umgang mit Google Glass - eine Dreiviertelstunde lang.

Sie erfuhren, wie sie Google Glass einrichten, wie sie die Datenbrille mit einem Android-Smartphone koppeln, wie sie ihre Google-Konten einrichten. Der Google-Mitarbeiter erklärte auch, wie sie die Datenbrille später mit einem anderen Smartphone verknüpfen können. Dazu muss Google Glass auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt werden. Als Zubehör erhielten Torborg und Simpson klare und getönte Gläser für die Brille, ein Ladegerät, ein USB-Kabel und eine Hülle. Außerdem bekamen sie einen Zugang zum Mirror-API für Google Glass.

Funktioniert nicht gut mit Kassenbrille

Das Gehäuse, in dem die Hardware und das Prisma der Datenbrille stecken, ist mit einer Torx-T5-Schraube(öffnet im neuen Fenster) an dem Brillengestell befestigt. Das Gestell ist aus Titan. Versuchshalber haben die beiden das Gehäuse an einem herkömmlichen Brillengestell befestigt. Google Glass funktionierte dort zwar. Allerdings arbeitete der Umgebungssensor, der den Kopf des Trägers registriert, nicht zuverlässig mit den geschliffenen Gläsern der Brille. Google will Glass später aber auch für optische Brillen anpassen . Jetzt wollten Torborg und Simpson wissen, was in der Datenbrille steckt.

Google Glass, die Innereien

Hinter dem Prisma, in das das Bild der Benutzeroberfläche projiziert wird, befindet sich das Display unter dem Plastikgehäuse der Hardwareeinheit von Google Glass. Direkt dahinter, auf dem Scharnier, auf dem das Display sitzt, entdeckten Torborg und Simpson den Umgebungssensor und einen weiteren, der vermutlich ein Lichtsensor ist.

Die Plastikabdeckung dahinter ließ sich nicht ohne kleine Schäden entfernen. Darin befinden sich die Hauptplatine mit dem SoC Omap 4430 von Texas Instruments , 16 GByte Flash-Speicher von Sandisk und 1 GByte Arbeitsspeicher von Hersteller Elpida. Dort sind auch der Chipsatz WM-BN-BM-04 von der Universal Scientific Industrial Corp. zur Kommunikation mit der Außenwelt, etwa WLAN nach IEEE 802.11b/g und Bluetooth 4.0, sowie das UMTS-Modul untergebracht.

Touchpad für Bewegungseingaben

In dem anderen Teil des Gehäuses ist ein T1320A-Touchpad von Synaptics versteckt, das die Bewegungen des Benutzers in der Nähe von Gesicht und Stirn umsetzt. Alternativ lässt sich Google Glass mit Sprachbefehlen steuern.

Um das Gewicht von Display und Hardware auszugleichen, ist unter einem weiteren Plastikgehäuse hinter dem Ohr der Lithium-Polymer-Akku untergebracht. Er hat eine Leistung von 2,1 Wattstunden - und kann nicht ohne weiteres ausgetauscht werden, wie Torborg und Simpson schreiben. Direkt davor ist der Lautsprecher, der Töne über den Schädelknochen überträgt. Er dient gleichzeitig als druckempfindlicher Schalter.

Display-Winzling

Nachdem die beiden Blogger das Gehäuse zerlegt hatten, sahen sie sich das Display nochmal genauer an. Dort entdeckten sie eine flexible Leiterplatte, die das Display samt Kamera mit der Hauptplatine verbindet. Darauf befindet sich unter anderem der Inertialsensor(öffnet im neuen Fenster) MPU-9150 von Ivensense.

Das winzige rechteckige Display ist in etwa so groß wie eine 1-Cent-Münze. Das Bild wird durch eine Handvoll Spiegel und Prismen in das große Prisma vor dem Auge des Betrachters umgelenkt. Die native Auflösung beträgt 640 x 360 Pixel. Für den Nutzer soll das projizierte Bild dann aussehen, als würde er ein hochauflösendes 25-Zoll-Display aus knapp 2,5 m Abstand betrachten. An dem Display ist auch die Kamera verbaut, die über eine Auflösung von 5 Megapixeln verfügt und Videos in 720p zusammen mit Audio aufnimmt.

Ohne Kratzer lasse sich die Datenbrille von Google nicht auseinandernehmen, resümieren Torborg und Simpson. Es erfordere ein wenig Fingerfertigkeit. Aber es sei ihnen gelungen, sie wieder zusammensetzen und sie freuten sich jetzt darauf, mit ihr zu experimentieren.


Relevante Themen