Totale Unterbesetzung, viele Altlasten und Druck

Allerdings herrscht auch bei Teamviewer nicht immer Partylaune. 2017 verließen binnen eines Jahres drei Manager aus der Chefetage das Unternehmen, darunter der Geschäftsführer Andreas König. Auf Anfrage von Zeit Online will keiner von ihnen seinen Weggang kommentieren. Nur: Dass gleich so viele Führungskräfte auf einmal gehen, spricht nicht gerade für Harmonie.

Kaum hatte der neue Geschäftsführer Oliver Steil die Arbeit aufgenommen, geriet auch er in die Kritik. 2018 bemängelte er in einer E-Mail den Krankenstand in der Firma. Sieben bis neun Krankheitstage im Jahr seien pro Mitarbeiter "ziemlich ungewöhnlich", hieß es darin. Man wolle "von nun an Abwesenheiten wegen Krankheit genau kontrollieren".

Misstrauen gegen die eigenen Mitarbeiter - das ist keine gute Arbeitsgrundlage. Das Portal Gründerszene bekam die Mail zugespielt und veröffentlichte sie. Auf der Arbeitgeberbewertungsplattform kununu beschwerten sich damals Menschen über den Ton in der E-Mail. Das Managementteam habe eine "hohe Zustimmung", das habe die letzte Mitarbeiterbefragung gezeigt, sagt eine der Sprecherinnen.

Doch auf kununu werden auch andere Kritikpunkte laut, die weit über Steils Nachricht hinausgehen. Immer wieder finden sich zwei Kritikpunkte: hoher Druck und hohe Arbeitsbelastung. "Wer bei Teamviewer nicht ordentlich funktioniert und immer ans Leistungslimit geht, wird motiviert, zu gehen", heißt es dort. Oder: "Es gibt durch totale Unterbesetzung, fehlende oder schlechte Prozesse, viele Altlasten und vor allem den Druck, weil einfach alles immer sehr hohe Priorität hat und vorgestern fertig sein soll, eine zu hohe Arbeitslast."

Diese Belastung wird auch auf den Eigentümer Permira zurückgeführt. Auf kununu beschweren sich Menschen anonym, dass die Firma "komplett vom Investor gesteuert" sei oder der Investor sich zu stark in die Firma einmische. Das ist erst einmal nicht verwunderlich. Wie jeder Investor will auch die Private-Equity-Gesellschaft ihr investiertes Geld vermehren.

Beim Börsengang deutet sich allerdings an, was daran möglicherweise problematisch sein könnte. Der komplette Erlös aus den verkauften Anteilen geht an Permira - rund zwei Milliarden Euro. Normalerweise sind Börsengänge für ein Unternehmen ein Weg, um neues Kapital für weiteres Wachstum zu sichern. Teamviewer geht dagegen leer aus. Dabei hätte die Firma das Geld nötig - sie war im ersten Halbjahr 2019 mit mehr als 726 Millionen Euro verschuldet.

Von Teamviewer heißt es, dass man nicht auf die Erlöse aus dem Börsengang angewiesen sei. "Wir haben bereits in Vorbereitung auf unseren Börsengang damit begonnen, unsere Finanzverbindlichkeiten konsequent zu reduzieren", sagte Firmenchef Steil in einem Interview mit Börse Online. Man sei auf einem "sehr guten Weg".

Größe auf den zweiten Blick

Ob das gelingt, wird man sehen. Der nächste Wachstumsschritt steht jedenfalls schon an: Bald wird die ehemalige Sparkassenfiliale zu klein sein für Teamviewer, das Unternehmen baut daher an einem neuen Gebäude mitten in Göppingen. Schon jetzt kreisen die Kräne über der Stadt.

Wechselt man die Perspektive, dann wirkt übrigens auch die Göppinger Firmenzentrale von Teamviewer ganz anders. Plötzlich ist er nicht mehr zu übersehen - der dicke Teamviewer-Schriftzug, der auf die ehemalige Sparkassenfiliale montiert ist. Was ganz gut zur Geschichte von Teamviewer passt: Größe, die man erst auf den zweiten Blick erkennt.

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 In dieser Kleinstadt haben wir ein Einhorn versteckt
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bombinho 13. Okt 2019

Jupp, ich hatte gelegentlich bei Freunden und Familie immer mal nach dem Rechten...

nasenweis 04. Okt 2019

Gibts. Such mal genauer. Ich hab sie zumindest.

Golressy 03. Okt 2019

Ohje. Ich war mal in so eine Firma öfters zu Besuch. Ziemlich gross und sehr bekannt...

quasides 29. Sep 2019

oh die realität ist wirklich schlimm. es kommt noch besser wenn wachschutzfirmen...



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