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Teamviewer-Alternative PCVisit im Test: Besser fürs Team, schlechter als Viewer

Eine Teamviewer -Alternative für wenig Geld: Mit großem Funktionsumfang und Bedienungsfreundlichkeit eignet sich die Fernwartungssoftware für Admin-Teams. Andere Nutzergruppen haben allerdings das Nachsehen.
/ Oliver Nickel
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PCVisit weist manchmal einen merkwürdigen visuellen Bug auf. (Bild: Oliver Nickel/Golem.de)
PCVisit weist manchmal einen merkwürdigen visuellen Bug auf. Bild: Oliver Nickel/Golem.de

Das deutsche Unternehmen PCVisit vergleicht sein Produkt gern mit der Fernwartungssoftware Teamviewer, die bei Kennern meist als Referenz herangezogen wird. Dank der gut nutzbaren freien Lizenz erfreut sich Teamviewer bei Privatadministratoren großer Beliebtheit, beispielsweise, wenn Großmutter wieder einmal das Internet gelöscht hat oder der Computer des kleinen Bruders von Computerviren befallen ist.

Pcvisit – Test
Pcvisit – Test (02:20)

Die Entwickler versprechen eine ähnlich gute Nutzererfahrung und eine einfache Bedienbarkeit. Der Hersteller wirbt mit in Deutschland stehenden Servern und einer preiswerteren Lizenz. Tatsächlich erweist sich die Software im Test dem Konkurrenten in manchen Punkten sogar als ebenbürtig – allerdings vor allem für Firmenkunden.

Günstiger für Firmenkunden, teurer für Privatnutzer

PCVisit soll sich schon preislich vom Konkurrenten abheben. Das Programm wird über eine monatlich oder jährlich abzahlbarbare Mietlizenz vertrieben. Dadurch spart ein Kunde auf Anhieb Kosten beim Einkauf ein. Teamviewer hingegen gibt es als klassische Dauerlizenz zu kaufen. Schade ist, dass PCVisit keine kostenlose Privatlizenz anbietet, die Teamviewer bei vielen privaten Nutzern so beliebt macht. 50 Euro im Jahr für das günstigste Angebot ist zwar ein guter Probierpeis, dafür dürfen allerdings höchstens 50 Fernwartungen durchgeführt werden, während es bei Teamviewer kostenlos unbegrenzt viele sind.

Uns liegt für diesen Test eine Lizenz zum Profi-Support vor, die 150 Euro im Jahr kostet. Damit lassen sich uneingeschränkt viele Nutzer anlegen und unbegrenzt Wartungen vornehmen. Wie bei Teamviewer werden unsere Remote-Verbindungen und Informationen auf Servern gespeichert, die von PCVisit selbst gehostet werden. Die Server stehen in Deutschland. Wir können für einen zusätzlichen Aufpreis aber auch einen eigenen Fernwartungsserver erstellen, auf dem dann alle unsere Daten gespeichert werden.

Die Erstinstallation ist etwas aufwendiger als bei Teamviewer

Das Setup von PCVisit unterscheidet sich ein wenig vom Konkurrenten. Das Programm teilt sich in drei Untermodule auf, die jeweils einen anderen Zweck erfüllen. Alle Module können auf der Firmenhomepage entweder für Windows oder MacOS heruntergeladen werden. Auch eine webbasierte Nutzung ist möglich.

Es ist aber eindeutig, dass die Zielgruppe eher Windows-Nutzer sind, denn sogar Windows XP wird offiziell unterstützt. Bei MacOS hingegen sind Funktionen der Software eingeschränkt. Teamviewer ist bei den Betriebssystemen besser aufgestellt. Teamviewer gibt es für Windows, Linux, MacOS und mobile Betriebssysteme wie Android, iOS, Blackberry OS, Chrome OS und Windows Phone.

Das Kundenmodul ist für Nutzer bestimmt, die von Remote-Administratoren betreut werden. Das können Firmenkunden-PCs oder auch Omas Desktopcomputer sein. Das Gute dabei: Nach dem Herunterladen der 8 MByte großen Datei kann diese ohne weitere Installation direkt ausgeführt werden. Damit wird dem Kunden ein Großteil der Arbeit abgenommen. Das Teamviewer-Pendant ist das Quick-Support-Modul, das ebenfalls ohne Installation ausgeführt werden kann.

Das Supportermodul ist für den eigentlichen Administrator gedacht. Hier können andere PCs verwaltet, ferngesteuert und Supportfälle erstellt werden. Das Supportermodul ist ein eigenständiges Programm und muss wie Teamviewer auch installiert und eingerichtet werden.

Für die Fernwartung von unbeaufsichtigten Systemen, etwa von Servern oder dem daheim stehenden Desktop, bietet PCVisit noch den sogenannten Remote Host an. Dieser Dienst läuft im Hintergrund auf dem zu wartenden System. Eine Fernwartung ist damit ohne Genehmigung über ein passwortgeschütztes Login möglich.

Neue Computer werden nicht mit einem Nutzerkonto registriert. Stattdessen stellt PCVisit eine Firmen-ID zur Verfügung, anhand derer die PCVisit-Server Geräte der Lizenz zuordnen können. Registrierte Geräte können im Supportermodul eingesehen und von dort aus erreicht werden. Computer, die nur das Kundenmodul nutzen, müssen also keine eigenen Anmeldedaten eingeben, sondern nur die Firmen-ID ihres Supporters eintragen.

Zu Anfang ist die Auswahl an unterschiedlichen Programmen etwas verwirrend, zumal Konkurrent Teamviewer all diese Programme in ein einzelnes Setup hineinsteckt. Nach Einlesen in die Bedienungsanleitung sind die passenden Module aber schnell zu finden.

Dafür ist die Bedienung von PCVisit umso einfacher, was besonders Einsteiger in Remote-Software erfreuen dürfte. Die Software bleibt trotz des großen Umfangs übersichtlich, was uns sehr gut gefällt. In den Einstellungsmenüs finden wir uns sogar besser zurecht als bei der Konkurrenz.

Selbsterklärende Menüs machen die Arbeit leichter

Bei der Bedienung aller Module legt PCVisit Wert auf selbsterklärende Menüführungen und Symbolik. Auf Anhieb unterscheidet sich die grafische Benutzeroberfläche vom Konkurrenten Teamviewer: Die Oberfläche sieht etwas aufgeräumter aus und Untermenüs sind weniger verschachtelt.

Generell werden Informationen mehr über Tooltips eingeblendet, die die Bedeutungen der vielen Symbole gut erklären. In den Einstellungsoptionen finden wir uns schnell zurecht. PCVisit vermeidet die Nutzung von Fachbegriffen soweit es geht, so dass auch Laien alle Unterpunkte verstehen können.

All-Inclusive-Supporter-Paket für Firmen

Das Programm verfolgt einen etwas anderen Ansatz als Teamviewer. Der Fokus liegt klar auf einem direkt aus der Packung heraus verwendbaren Komplettsystem für IT-Support-Firmen. In das Supportermodul ist dazu ein Ticketsystem integriert. Fernwartungssitzungen lassen sich damit protokollieren und Supportfälle beschreiben. Im entsprechenden Formular können wir unseren Namen, unsere Firma, unsere Adresse und eine Beschreibung des Problems eintragen. Nutzer von Teamviewer müssen stattdessen externe Tools verwenden, die nicht so gut in das Programm integriert sind, oder mindestens eine Teamviewer-Premium-Lizenz für knapp 1.100 Euro kaufen.

Alle erstellten Tickets können in einer Übersicht eingesehen werden. Von dort aus kann direkt auf Remote-Hosts zugegriffen oder der Bildschirm anderen Teilnehmern präsentiert werden. Dieser Arbeitsprozess ist sofort eingängig und ohne viele Umwege umsetzbar – ein produktives System für IT-Admins also. Wir können sogar weitere PCVisit-Supporter einladen, falls ein Experte nicht ausreicht.

Wie bei der Konkurrenz ist es möglich, als Supporter innerhalb des Moduls mehrere Remote-Sitzungen gleichzeitig laufen zu lassen. Dazu wird im Programm einfach das aktive Fenster umgeschaltet. Dadurch muss zum Beispiel unsere Serversitzung nicht beendet werden, wenn wir einem Kunden aus der Ferne helfen – praktisch. Wir sollten die PCVisit-Server aber nicht zu sehr mit parallelen Fernwartungen belasten. Diese liefern spürbar weniger Bilder pro Sekunde als etwa die Server von Teamviewer.

Übertragung reicht für unbewegte Bilder aus

Natürlich heißen weniger Bilder pro Sekunde nicht, dass Fernwartungen mit PCVisit unmöglich sind. Für normale Aufgaben reicht die Leistung der Server völlig aus. Wir können in Windows Fenster ziehen, Programme öffnen oder Listen scrollen, allerdings mit spürbarer Verzögerung. Bewegte Bilder sind es, die PCVisit Probleme bereiten. Videos oder einfach nur animierte Präsentationsfolien ruckeln so stark, dass wir sie praktisch nicht benutzen können.

Im direkten Vergleich sind die Server von Teamviewer spürbar performanter. Zwar ruckeln Videos etwas nach, sind aber dennoch flüssig genug. Animierte Präsentationen sind für den Zuschauer wesentlich angenehmer anzuschauen. Wir nutzen den Präsentationsmodus von PCVisit daher nur sehr ungern und zeigen unsere Bildschirminhalte lieber über die kostenlose Version von Teamviewer oder ein spezialisiertes Desktop-Streaming-Programm wie zum Beispiel Splashtop.

Was den Servern an Leistung fehlt, macht die Software an Funktionsumfang aber wieder wett.

Werkzeugkasten für Supporter

Während einer Sitzung gibt uns die PCVisit-Software viele nützliche Tools an die Hand, die das produktive Arbeiten erleichtern. Positiv ist uns der Dateimanager aufgefallen. Die Software hat einen Filezilla-Client integriert. Dieser öffnet sich bei einem Klick auf das entsprechende Symbol und trägt automatisch die benötigten FTP-Pfade ein. Per Drag-and-Drop können damit Dateien auf den Remote-Host verschoben oder von diesem kopiert werden. Die Übertragungsgeschwindigkeit ist in unserem Test nur durch die Uploadgeschwindigkeit begrenzt. Teamviewer verfolgt einen ähnlichen Ansatz und integriert einen eigenen Dateimanager, der zwar schlanker, aber weniger funktional ist. So können wir in Filezilla auch während einer Fernwartung etwa auf einen FTP-Server zugreifen.

Andere Funktionen des Fernwartungsclients orientieren sich an der Konkurrenz. Nutzer können wie in Teamviewer Sitzungen aufzeichnen, zwischen Bildschirmen wechseln, den Task-Manager öffnen oder einen simplen Textchat aufrufen. Sie haben auch die Möglichkeit, aus der Ferne ein benötigtes PCVisit-Modul direkt herunterzuladen und zu installieren oder sogar den Remote-Host neu zu starten. Über eine Schnellstartleiste können sie auf wichtige Windows-Funktionen wie etwa den Windows Explorer, die Systemsteuerung oder die Windows-Eingabeaufforderung zugreifen.

Designfehler führen zu inkonsistentem Verhalten

Bei all den Funktionen haben wir im Test ein paar Ungereimtheiten gefunden. So können wir eine Sitzung direkt auf dem Remote Host terminieren, indem wir das Kundenmodul dort schließen. Beim Administrator wird die Fernwartung aber noch als aktiv angezeigt. Aus diesem Grund ist beispielsweise Teamviewer-Software auf dem Remote-Host immer ausgegraut und nicht nutzbar. Das würde wahrscheinlich auch bei PCVisit einige Inkonsistenzen verhindern.

Außerdem zeigt das Programm in seltenen Fällen Stabilitätsprobleme. Uns ist es beispielsweise während des Testens passiert, dass PCVisit direkt beim Start abstürzte. In einem anderen Szenario konnten wir eine Fernwartung auf einen Computer einleiten, der Bildschirminhalt wurde jedoch nicht angezeigt. Sehr selten kam es vor, dass die Verbindung zu den PCVisit-Servern nicht hergestellt werden konnte, wodurch keine Fernwartung möglich war.

Ein sehr merkwürdiger, wenn auch nur kosmetischer Fehler ist uns aufgefallen, wenn sich ein Gerät mit PCVisit-Software länger im Idle-Betrieb befindet. Nach einer gewissen Zeit tauchen in der Windows-Taskleiste mehrere PCVisit-Symbole nebeneinander auf. Wenn wir mit der Maus über diese zusätzlichen Symbole fahren, verschwinden sie einfach – ein komisches Verhalten.

Verfügbarkeit und Fazit

PCVisit ist über das Onlineportal des Unternehmens abonnierbar. Dort ist auch der Funktionsumfang der drei unterschiedlichen Lizenzen dargestellt. Die günstigste Lizenz Basicsupport kostet 50 Euro im Jahr. Dafür gibt es Zugriff auf maximal 50 Fernwartungen pro Monat auf maximal fünf Remote Hosts. Für 100 Euro pro Jahr im Easysupport können 200 Fernwartungen auf maximal 20 Remote Hosts im Monat durchgeführt werden.

Unbegrenzte Fernwartung auf unbegrenzten Rechnern erhalten Kunden nur im Profisupport, der 150 Euro im Jahr kostet. In dieser Lizenz sind auch Berichterstattungen zu getätigten Fernwartungen und der Zugriff auf mehrere Hosts gleichzeitig inbegriffen. Im Profisupport gibt PCVisit die Option frei, die Software auf einem eigenen Server zu betreiben. Das kann zu Datenschutzzwecken sinnvoll sein.

Fazit

PCVisit ist eine umfangreiche Fernwartungssoftware, die uns gerade mit ihrer Bedienfreundlichkeit überzeugt. Anhand der gelungenen grafischen Benutzeroberfläche und den selbsterklärenden Symbolen finden sich auch Laien sofort zurecht. Schade, dass es für Privatnutzer keine kostenlose Variante gibt wie beim Konkurrenten Teamviewer!

Für Firmenkunden ist PCVisit allerdings aufgrund seines Abomodells günstiger als die Konkurrenz. Gerade Supportteams ist die Software für die Betreuung ihrer Kunden zu empfehlen. Für die Fernwartung enthält sie viele Funktionen, der Filezilla-Dateimanager ist erfreulich schlicht, Schnellzugriffsflächen auf wichtige Windows-Funktionen erleichtern die Wartungsarbeit zusätzlich.

PCVisit ist ein Komplettpaket für den produktiven Supportprozess innerhalb von Firmen. Das integrierte Ticketsystem reduziert sich auf alle notwendigen Funktionen und ist für IT-Supporter eine große Hilfe. Dass mehrere Hosts gleichzeitig ferngewartet werden können, ist in manchen Situationen wirklich praktisch.

Etwas störend sind ein paar kleine Unstimmigkeiten im Softwaredesign, die visuelle Fehler bis hin zu Programmabstürzen oder sich nicht öffnenden Fernwartungsfenstern verursachen.

Die größten Schwächen von PCVisit liegen jedoch in der Verbindungsqualität. Die Server liefern genug Bandbreite, um einfache Wartungsarbeiten an ferngesteuerten Computern vorzunehmen. Sobald jedoch viele bewegte Bilder, wie etwa animierte Präsentationen oder Videos, angezeigt werden müssen, reicht die Leistung nicht mehr aus. Im direkten Vergleich schafft es Teamviewer, wesentlich mehr Bilder pro Sekunde zu übertragen. Teamviewer ist also nicht nur für Privatnutzer die erste Wahl, sondern auch für Teams, die Fernwartungssoftware eher zum Präsentieren von Produkten verwenden.


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