Teams 2.0 im Kurztest: Das neue Microsoft Teams ist schlechter
Microsoft Teams ist seit einigen Jahren für viele Unternehmen die Anlaufstelle für Konversationen, Chats und Konferenzen. Menschen haben sich an die Software gewöhnt, sich mit ihr angefreundet oder führen mit ihr eine Zweckbeziehung. Entsprechend könnte es für einige User schwierig werden, sich auf das neue Teams(öffnet im neuen Fenster) einzustellen, das in neuer Optik die bisherige App ersetzen soll.
Die neue Teams-Version befindet sich derzeit in der Public Preview und kann über eine Schaltfläche in der oberen linken Ecke des Fensters aktiviert werden – das gilt für Windows(öffnet im neuen Fenster) und MacOS(öffnet im neuen Fenster) .
Nicht nur optisch ändert sich dabei einiges. Es gibt auch einige neue Funktionen und ein paar fragwürdige Designentscheidungen. Es könnte deshalb bis auf weiteres sinnvoll sein, erst einmal bei der bekannten Teams-Version zu bleiben. Denn das wichtigste neue Feature fehlt zumindest in der deutschsprachigen Version noch: Microsoft 365 Copilot.
Der KI-Assistent kann im neuen Teams als separater Chatpartner in der Chat-Übersicht aufgerufen werden – wie gesagt, bisher aber nicht im deutschsprachigen Raum. Copilot kann Chats, Dateien und Transkripte durchsuchen und auf Basis von Textanfragen passende Ergebnisse ausgeben. Außerdem integriert Microsoft Intelligent Recap.
Dabei werden personalisierte Zusammenfassungen vergangener Meetings erstellt. Recaps können über die Kopfzeile des aktiven Chatraumes neben den Raumdetails und dem Dateiexplorer eingesehen werden. In der aktuellen Testversion sind sie aber noch nicht sichtbar.
Neues Design ändert wenig
Microsoft hat die App dem aktuellen Fluent Design im Windows-11-Stil angepasst. Das sehen wir vor allem bei Konversationen. Wurden Antworten unterhalb einer neuen Unterhaltung bisher auf einem etwas dunkleren Panel angezeigt, sind diese nun im gleichen Farbton gehalten.
Außerdem scheint Microsoft die dünne weiße Kennlinie, die alle aktuellen Nachrichten von den bereits gelesenen Nachrichten trennt, gestrichen zu haben. Stattdessen wird eine besser sichtbare blaue Linie eingeführt, die mit "Zuletzt gelesen" beschriftet ist. Einzelne Konversationen werden stattdessen nur noch durch Abstände voneinander getrennt. Das Antwortfeld enthält nun unser ausgewähltes Accountbild. So erkennen wir stets, mit welchem Account wir gerade antworten.
Wir bevorzugen allerdings die klassische Variante, die nur ein kurzes Antwortfeld integriert. Das Logo mehrere Mal untereinander zu sehen, erscheint uns redundant und überflüssig. Außerdem lassen sich Antworten auf Texte auf den ersten Blick etwas schwerer erkennen, da sie nicht mehr wie beim klassischen Teams zeilenversetzt, sondern direkt unter dem Konversationsanfang positioniert werden.
Neue Beitragsansicht ist Dealbreaker
Der für uns größte Nachteil des neuen Teams ist die Ansicht, in der wir neue Konversation erstellen. Im traditionellen Teams erscheint beim Druck auf den Button "Neue Unterhaltung" ein Textfeld, dessen Inhalt wir mit einem Druck auf Enter abschicken können. Im neuen Teams wird standardmäßig die komplexe Beitragsansicht eingeblendet. Wir können hier also unserem Beitrag eine Überschrift geben, die Nachricht separat eintragen und die Schrift sogar noch formatieren.
In einem sozialen Netzwerk wie Facebook mag das eine sinnvolle Option zu sein. In Teams wollen wir aber Nachrichten möglichst schnell und mit wenig Aufwand abschicken. Stattdessen müssen wir nun aber nicht nur immer extra in das Nachrichtenfeld klicken, da der Cursor standardmäßig ins Überschriftenfeld springt. Auch müssen wir noch einmal auf den Knopf "Beitrag" klicken, um die Nachricht zu versenden. Die Enter-Taste funktioniert nicht, da sie wie bei einer klassischen E-Mail nur einen Zeilenumbruch durchführt.
Im Arbeitsfluss bei Golem.de, in dem täglich Dutzende neuer Beiträge in Teamkanälen erstellt werden, ist das ein inakzeptabler Mehraufwand. Wir müssen auch keine Überschriften, die Text übrigens einfach nur größer und fett markiert formatieren, oder formatierte Textfelder für eine Art Blog-Post in Teams erstellen.
Tatsächlich haben sich hier bei Golem.de zunächst einige gefragt, wie sie die neue Ansicht überhaupt nutzen sollen. Dabei ist das Feature eigentlich nicht neu. Es handelt sich um die Formatieren-Ansicht, die im alten Teams über das Stift-Symbol in der linken unteren Ecke eingeschaltet werden kann.
Der Unterschied ist, dass wir sie in der neuen Version nicht mehr ausschalten können. Zumindest haben wir eine entsprechende Option nirgends finden können. Ein Golem.de-Kollege ist deshalb bereits direkt zur bekannten Teams-Version zurück gewechselt. Es wäre daher schön, wenn Microsoft die traditionelle Beitragsansicht zumindest als Alternative beibehält.
Schließlich konnte das Unternehmen an anderen Stellen Verbesserungen einführen – beispielsweise bei der Leistung.
36 Prozent weniger RAM
An der klassischen Ansicht, die aus Teamräumen und Einzelchats besteht, ändert sich nicht viel. Interessanterweise funktionieren neue Textnachrichten in Einzel- und Gruppenchats, also außerhalb von Teamräumen, noch genauso wie vorher. Auch behält Microsoft die Menüleiste an der linken Seite bei.
Microsoft hat hier vor allem die Aktivitätsanzeige merklich verändert. Klicken wir nun auf einen Beitrag in dieser Ansicht, wird er in einem isolierten Fenster innerhalb der App angezeigt. Bisher springt die Software stattdessen an die entsprechende Stelle im Kanal und markiert die jeweilige Aktivität hellleuchtend.
Die neue Ansicht halten wir für übersichtlicher, da sie andere Chats und Konversationen seit der angeklickten Aktivität ausblendet und stattdessen nur den zugeordneten Chat anzeigt. Mit einem Klick auf den Knopf "Kanal wechseln" können wir dann zum Pfad der Konversation gelangen, um beispielsweise weiteren Kontext zu erhalten.
Direktantwort im Pop-up
Da wir relativ oft in der Aktivitätsanzeige landen, etwa wenn wir auf neue Pop-ups klicken, sind die Neuerungen nicht unerheblich. Apropos Pop-up: Bekommen wir eine Direktnachricht von einem Teammitglied, können wir innerhalb des Pop-ups mittels eines Eingabefeldes direkt darauf antworten.
Das kann bei kurzen Nachrichten praktisch sein. Allerdings reicht der Platz bei längeren Nachrichten weiterhin nicht aus und wir müssen trotzdem in die App navigieren.
Praktisch: Wir können nun neue Beiträge mit einem simplen Knopfdruck stets von oben nach unten sortieren, so dass neue Nachrichten immer an oberster Stelle in der App stehen. Diese Funktion erreichen wir über die drei Punkte in der Menüleiste.
Ein Blick in die App-Einstellungen offenbart uns zudem einige neue Menüpunkte. So hat Microsoft den Bereich Zugänglichkeit in Darstellung und Barrierefreiheit umbenannt. Dort sortiert Teams nun auch optische Einstellungen wie den dunklen Modus. Allerdings finden wir erweiterte Einstellungen nicht mehr vor. So können wir beispielsweise nicht einfach die GPU-Hardwarebeschleunigung oder Medienprotokolle deaktivieren.
Dafür haben wir mehr Auswahl beim Datenschutz. Mit einem Klick auf den entsprechenden Menüpunkt können wir etwa eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei 1:1-Anrufen aktivieren. Außerdem lassen sich Kamera und Mikrofon abschalten, wenn der Bildschirm des Hostgerätes gesperrt wird.
Andererseits hat Microsoft den Reiter App-Berechtigungen komplett entfernt. Wir können nun nicht mehr einfach bestimmen, welche verbundenen Microsoft-Apps Zugriff auf Mikrofon, Kamera und andere Geräte haben dürfen. Das könnte einige Unternehmen sicher verärgern.
Einstellungen neu sortiert
Grundsätzlich wurden die meisten Features einfach nur in andere Menükategorien sortiert. Insgesamt wirken die Einstellungen aufgeräumter und einheitlicher. Ein paar Funktionen sind hinzugekommen. Ein Beispiel: Anrufe können nun für eine automatische Begrüßung mittels Text-to-Speech konfiguriert werden. Auch können Live-Untertitel innerhalb von Besprechungen genutzt werden.
Doch wie sieht es mit der Leistung aus? Microsoft verspricht, dass Teams 2.0 weniger Ressourcen benötigen soll. Das können wir bestätigen. Zum Test lassen wir das traditionelle und das neue Teams auf zwei unterschiedlichen Geräten nebeneinander laufen. Die neue Version benötigt im Betrieb etwa 380 bis 470 MByte RAM. Bei gleicher Last sind es beim alten Teams 630 bis 700 MByte Arbeitsspeicher.
Teams 2.0 benötigt also ungefähr 36 Prozent weniger Arbeitsspeicher. Vor allem bei Office-Systemen, die gerade den Mindestanforderungen von Windows 11 entsprechen, kann das ein enormer Vorteil sein. Schließlich läuft Teams bei den meisten Kunden den ganzen Arbeitstag lang im Hintergrund. Dabei sollte beachtet werden, dass der RAM-Bedarf sich je nach angezeigten Inhalten ändern kann. In einigen Situationen kann Teams 2.0 also mehr, in anderen weniger effizient sein.
Generell hat Microsoft die Videoqualität in Konferenzen verbessert. Die Software kann eingehende Videosignale besser entrauschen, was zu insgesamt schärferen Bildern führt. In den meisten Szenarien sehen wir davon aber nicht viel, da die Videoqualität primär noch immer durch eine stabile Internetverbindung bestimmt wird. Auch das neue Teams kann also zu dunkel ausgeleuchtete oder generell hakelige Kollegen nicht verhindern.
Fazit
Solange wir die Wahl haben, würden wir aktuell noch auf der bekannten Version von Microsoft Teams beharren. Das ist aktuell noch leicht über einen Schalter an der linken oberen Seite der App möglich. Wir können einfach nicht ganz nachvollziehen, warum Microsoft die Formatierungsansicht als Standard für neue Beiträge einführt und dann keine Option für den Wechsel auf die bekannte Beitragsform bietet.
Einige Unternehmen dürften sich auf viele Supportanfragen einstellen, wenn Angestellte durch die neue Ansicht verwirrt werden. Zudem halten wir es für falsch, wichtige Privatsphäre-Optionen aus den Einstellungen zu streichen.
Im Gegenzug liefert Microsoft tatsächlich eine merklich ressourcensparendere Version von Teams ab, die zudem mit einigen interessanten Anpassungen wie der übersichtlicheren Aktivitätenanzeige und der Von-oben-nach-unten-Sortieroption einen Mehrwert bietet. Auch bei der Videoqualität konnte Microsoft etwas nachbessern.
Richtig interessant wird das neue Teams aber erst, wenn Microsoft es auch in Europa für den KI-Assistenten Copilot und andere KI-Tools freischaltet.
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