Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Tausend Segel: Brasilien setzt auf chinesisches Internet aus dem Weltall

Starlink von SpaceX bekommt Konkurrenz auf dem südamerikanischen Kontinent. Brasilien priorisiert einen Satelliteninternet -Anbieter aus China .
/ Patrick Klapetz
8 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Anatel zieht Qianfan aus China dem US-Anbieter Starlink vor. (Bild: CreativeCanvasShop/Pixabay (Montage: Golem))
Anatel zieht Qianfan aus China dem US-Anbieter Starlink vor. Bild: CreativeCanvasShop/Pixabay (Montage: Golem)

Die brasilianische Telekommunikationsbehörde Anatel hat der chinesischen Firma Shanghai Spacesail Technologies die Genehmigung erteilt(öffnet im neuen Fenster) , ihren Satelliteninternetdienst Qianfan (Tausend Segel) im Land anzubieten.

Dies ist ein bedeutender geopolitischer und wirtschaftlicher Schritt, da das Qianfan-Netzwerk als direkter Konkurrent zu Elon Musks Starlink-Satellitennetzwerk anzusehen ist. Damit wird das technische Monopol von Starlink in dieser Region geschwächt.

Geopolitische Weichenstellung

Bereits im November 2024 unterzeichnete Spacesail mit dem staatlichen brasilianischen Telekommunikationsunternehmen Telebras eine Absichtserklärung (MOU: Memorandum of Understanding)  über die Bereitstellung von Satellitenkommunikation und Breitband-Internetdiensten . Dies erfolgte während eines Treffens zwischen den Regierungschefs Xi Jinping (China) und Luiz Inácio Lula da Silva (Brasilien).

Der Schritt ist vor dem Hintergrund der Spannungen zwischen dem Starlink-Anbieter und der brasilianischen Regierung zu sehen. Im Oktober 2024 fror die Regierung die Bankkonten von Starlink im Land vorübergehend ein . Hintergrund war eine Auseinandersetzung zwischen dem Obersten Gerichtshof Brasiliens und Musks Social-Media-Plattform X .

Mit der aktuellen Genehmigung für das Qianfan-Netzwerk ist Brasilien das erste Land in Lateinamerika, das seinen Markt für den chinesischen Anbieter in der niedrigen Erdumlaufbahn (LEO: low earth orbit) öffnet. Besonders abgelegene und unterversorgte Regionen sollen von dem Breitbandinternet profitieren.

Dadurch soll die digitale Inklusion von Schulen und Krankenhäusern vorangetrieben werden. Bis zu 20 Millionen Menschen könnten den Dienst künftig nutzen.

Globale Vernetzung über den Wolken

Der kommerzielle Betrieb für den brasilianischen Markt soll im vierten Quartal 2026 starten. Etwa zur selben Zeit soll Qianfan auch in China damit beginnen, Internet aus dem Weltraum zu liefern.

Ein strategischer Schwerpunkt des chinesischen Unternehmens liegt auf der Luftfahrt(öffnet im neuen Fenster) : Durch eine Allianz zwischen Spacesail, Airbus und der Panasonic Avionics Corporation(öffnet im neuen Fenster) wird das Netzwerk in die Bordsysteme westlicher Flugzeuge integriert. Über das Airbus-System HBCplus sollen Passagiere auch auf Transkontinentalflügen zwischen China und Südamerika nahtlos auf die chinesische Konstellation zugreifen können.

Seit Februar 2026 befinden sich 108 Satelliten der Qianfan-Konstellation im Orbit. Das ist noch weit von den 14.000 geplanten Satelliten der Megakonstellation entfernt. Das Unternehmen hofft, seine Konstellation in diesem Jahr auf 324 Satelliten zu vergrößern. Diese Anzahl wurde für den Betrieb im LEO vorerst genehmigt. Die Genehmigung für den brasilianischen Luftraum gilt bis zum Jahr 2030.

Die chinesischen Startanbieter Landspace und Space Pioneers mit ihren geplanten wiederverwendbaren Trägerraketensystemen Zhuque-3 und Tianlong-3 sollen die Satelliten in die Umlaufbahn befördern. Jedoch handelt es sich um junge kommerzielle Anbieter, was das Risiko für Fehlstarts und damit den Verlust der Satelliten erhöht.

Nach Brasilien und China könnten bald auch Malaysia, Kasachstan und die Türkei den Qianfan-Dienst nutzen. Vereinbarungen dafür wurden 2025 getroffen.


Relevante Themen