Tado im Test: Heizkörperthermostate mit effizientem Stalker-Modus

Die Auswahl fürs Smart Home ist riesig. Und die Möglichkeiten, etwas falsch zu machen, auch, wie unser letzter Smart-Home-Test mit Elgatos Eve und Devolos Z-Wave-System zeigte . Mit Tado ist ein weiteres System auf dem Markt, das mit Hilfe einer Internetverbindung den Nutzer regelrecht verfolgt und anhand der Lokalisierung die Heizung steuert. Die Automatik funktioniert ausschließlich App-gesteuert auf Android- oder iOS-Smartphones und der Hersteller konzentriert sich nur auf diese eine Funktion, eine manuelle Nutzung ist aber eingeschränkt möglich.















Wir haben Tado mehrere Wochen einem Test unterzogen und dabei durch Zufall auch ausprobieren können, wie sich das System verhält, wenn die Nutzer auf Reisen gehen. Dabei ist es durchaus ein Unterschied, ob ein Nutzer mit dem Flugzeug verreist oder die Bahn nutzt. Zudem haben wir uns auch die Einrichtung angesehen und mussten uns gezwungenermaßen mehrfach mit der Produktunterstützung auseinandersetzen. Zusätzlich wollen wir in einer grundsätzlichen Betrachtung auf die Risiken des Systems eingehen, denn die Heizkörperthermostate brauchen prinzipbedingt Daten, die nicht jeder unbedingt teilen will.
Unser Testset besteht aus dem Starter-Paket(öffnet im neuen Fenster) . Das heißt, neben der neuen Internet Bridge gibt es noch zwei Heizkörperthermostate. Technisch arbeitet das System mit dem 6LoWPAN-Protokoll, was für IPv6 over Low-Power Wireless Personal Area Networks(öffnet im neuen Fenster) steht, auf das wir nicht im Detail eingehen. Nur soviel: Das verwendete Protokoll ist stromsparend und arbeitet auf dem 868-MHz-Band, was eine gute Reichweite und Durchdringung ermöglicht. Die eingesetzten Primärzellen sind nach drei Monaten immer noch im Betrieb. Wer Sekundärzellen verwenden will, dem empfehlen wir deshalb den Einsatz von LSD-Akkus (Low Self Discharge), die auch eine monatelange Periode ohne Heizen überstehen können, beispielsweise im Sommer oder in gut gedämmten Wohnungen einen lauen Winter. Laut Tado wird der Anwender zwei Wochen vor dem Ausfall der Energieversorgung gewarnt. Das ist ein bisschen wenig, wenn der Winterurlaub etwas länger dauert. Allerdings werden kaum alle Thermostate gleichzeitig ausfallen, es gibt also eine gewisse Redundanz.
Sonderlich viel einzustellen gibt es bei Tado nicht. Die Internet Bridge hat ein paar Knöpfe, die aber nur für die Einrichtung und das Zurücksetzen gebraucht werden. In der Regel geht das ohne. Sie ist zudem angenehm klein und wird per USB mit Energie versorgt (120 mA/5V), was uns sehr gut gefällt. Auch die Thermostate müssen eigentlich nur mit Zellen bestückt werden, den Rest erledigt die App. Dennoch hatten wir bei der Einrichtung ein paar seltsame Probleme.
Wenn die Internet Bridge von Tado nicht kommunizieren will
Nachdem ein Kollege das System zuhause eine Weile ausprobiert hatte, scheiterten unsere ersten Versuche damit zunächst komplett. Das lag zum einen daran, dass die drei Geräte alle fest mit dem Zugang des Kollegen gekoppelt waren. Wir mussten die Geräte erst vom betreffenden Konto lösen, was nur der Support machen kann. Ansonsten verweigerte die App, oder besser gesagt die Webseite, da die App Anfangs noch nicht fertiggestellt war, den Zugriff mit dem Verweis, dass das System bereits mit einem anderen Nutzer verbunden ist. Ärgerlich - die Geräte zu verleihen oder zu verkaufen, ist umständlich. Auf der anderen Seite muss man sich wenig Sorgen machen, dass ein Besucher unberechtigt das System übernimmt.
Nach erfolgter Befreiung konnten wir dann anfangen. Die Erstellung eines Tado-Kontos ist dazu absolut notwendig. Danach wurden wir aufgefordert, dem System die Seriennummer der Internet Bridge mitzuteilen. Das klappte an sich auch, doch das Tado-Backend wollte partout die Internet Bridge nicht finden. Die Cloud-LED blinkte die ganze Zeit, suggerierend, dass mit der Internetverbindung etwas nicht stimmte. Ein paar Scans ergaben aber, dass die Bridge im lokalen Netzwerk zu sehen war, nur draußen in der Cloud war nichts zu sehen. Auffällig waren nur manche Reaktionen auf Pings. Die waren nämlich alles andere als zuverlässig. Nachdem wir festgestellt hatten, dass in anderen Netzwerken die Bridge funktionierte, bemühten wir abermals die Produktunterstützung des Herstellers.















Der riet uns dazu, die Bridge an einen Switch anzuschließen, was für uns erst einmal überhaupt keinen Sinn ergab. Trotz unseres Wissens über Netzwerke schlossen wir also an den für Tado reservierten Ethernet-Port des Routers einen Switch an und an diesen dann die Internet Bridge. Wir waren uns sicher, dass dies nichts ändern würde, waren dann aber froh, auf den Support gehört zu haben. Denn, siehe da, die Internet Bridge hatte plötzlich eine Verbindung nach draußen und statt zu blinken, leuchtete die Cloud-LED dauerhaft. Was war also passiert?
Probleme mit Apples älteren Airport Extreme Base Stations
Das Problem war offenbar unsere Airport Extreme Base Station (AEBS) - laut Hersteller lag es angeblich an dessen USB-Port zur Stromversorgung. Dieser sagte uns, dass die Bridge 0,7 Watt an Leistung aufnimmt und es gebe wohl ein paar Router, die die Internet Bridge wegen der hohen Leistungsaufnahme nicht versorgen können. Tado empfiehlt einen USB-Anschluss mit einer Stromstärke von 200 mA, was nach unseren Erfahrungen eigentlich kein Problem darstellt.
Ein paar weitere Tests ergaben, dass auch mit unabhängiger Stromversorgung - portabler Akku oder Netzteil - keine Verbindung zustande kommt. Manchmal war die Bridge gar nicht im Netzwerk sichtbar, manchmal gab es hohe Paketverluste. Wir konnten das Problem sowohl mit einer AEBS Gen4 aus dem Jahr 2009 (A1358) als auch mit einer AEBS Gen5 (A1408) nachvollziehen. Beide hatten das aktuelle Sicherheitsupdate vom Dezember 2016 installiert. Zur Umgehung des offenbar sehr speziellen Problems haben wir einfach einen Switch dazwischengeschaltet. Die Tado-Bridge hing an einem Netgear GS110TP, der mit einem HP 1820-24G verbunden war und sich dann über die AEBS mit dem Internet verband. Wir haben keine Erklärung für das Phänomen gefunden, das so eigentlich nicht auftreten kann. Wir haben auch eine mangelnde Stromversorgung durch die AEBS ausschließen können, indem wir die Stromversorgung den Apple-Router übernehmen ließen und ein langes Kabel zum 1820-24G legten. Auch das funktionierte einwandfrei.
Power over Ethernet unterstützt die kleine Bridge übrigens nicht. Das ist zwar ein sehr spezieller Wunsch, den der Großteil der Zielgruppe nicht haben dürfte, aber wir hätten das Gerät schon gerne ohne weiteren Kabelsalat an unserem kleinen 8-Port-PSE-PoE-Switch betrieben. Wozu hat man die Ports schließlich? Stattdessen haben wir eine Mehrfachsteckdose und ein USB-Netzteil zusätzlich verbaut.
Nachdem wir das Problem mit der AEBS beseitigt hatten, funktionierte auch der Rest einwandfrei. Das Backend erkennt die Bridge und anschließend müssen nur noch die Tado-Heizkörperthermostate angekoppelt werden, was ohne weitere Probleme möglich ist. Die Thermostate müssen dafür auch nicht an den Heizkörpern hängen, was die Einrichtung vereinfacht. Erst zum Abschluss müssen sie angebracht werden. Der Einrichtungsprozess funktioniert sehr gut und die bei uns aufgetretenen Probleme dürfte aufgrund des Alters der Router kaum ein Anwender haben. Wir konnten also mit den Praxistests beginnen und den Eigenarten der recht alten Heizungstechnik, wie sie viele Wohnungen noch haben.
Starke, schnelle Motoren
Wer sich mit der Uralttechnik der Heizkörper auseinandergesetzt hat, der weiß, dass der Zufluss des Heizwassers indirekt gesteuert wird, indem ein kleiner Stift nach innen gedrückt wird. Da wir vorher die programmierbaren, aber lästigen Honeywell-Thermostate eingesetzt hatten, war uns das ein Graus. Die sind beim Umstellen nämlich ziemlich laut und brauchen eine Weile. Beim Gucken eines Films kann das schon einmal nerven.
Die Tado-Motoren sind hingegen außergewöhnlich schnell. Sie sind zu hören, aber leiser als die simplen Honeywell-Geräte. Die Konstruktion ist ausgesprochen effizient, denn die Motoren samt der Mechanik stecken geschützt in einem sehr kleinen Gehäuse. Das ist obendrein wirklich schick, da bewusst auf Schnörkel verzichtet wurde. Das erinnert uns ein wenig an das klare Design aus einem Pixar-Film. Eve aus Wall-E zeigt auch nur das, was absolut notwendig ist und wenn es notwendig ist.















Die weißen Thermostate haben eine Anzeige, die durch das weiße Gehäuse durchscheint, ansonsten sind es nur weiße runde Teile, die neben einem nicht ganz frisch lackiertem Altbau-Heizkörper etwas deplatziert aussehen. Die Anzeige kommt erst ins Spiel, wenn sich etwas tut, sei es durch die App induziert oder auch beim manuellen Drehen. Ja, der manuelle Betrieb geht tatsächlich noch. Allerdings nur, wenn Batterien in den Thermostaten stecken, denn eine direkte Übersetzung vom Drehregler mit fühlbaren Stufen zum Motor gibt es nicht. Er wird elektronisch angesteuert.
Sinnvoller ist natürlich die Steuerung per App, da die Thermostate auch gruppiert werden können. Wer mehrere Heizkörper in einem Raum hat, kann diese synchron betreiben. Allerdings wird nur ein Thermostat zur Messung der Raumtemperatur verwendet. Auch die Luftfeuchtigkeit wird gemessen. Da die Messung direkt am Heizkörper stattfindet, lässt sich die Anzeige justieren, um einen Temperaturabfall etwa zur Raummitte auszugleichen. Leider haben wir keinen Weg gefunden, das Eve-System damit zu verbinden. In unserem Altbau würden wir lieber woanders messen. Eine separate Temperaturmessung bietet Tado nur für die größeren Installationen inklusive Zugang zum eigentlichen Heizsystem an, was schade ist.
Mit der App lässt sich also das Heizsystem gut steuern und die Werte lassen sich gut auslesen, doch das geht nicht direkt, da es keine Smartphones mit 6LoWPAN-Protokoll gibt. Selbst die Kommunikation mit der Bridge läuft über das Internet.
Ohne Cloud geht es bei Tado nicht
Ist man durch die Grundinstallation durch, stellt man schnell fest, dass die zuhause angebrachten Geräte eigentlich gar nicht ansprechbar sind, jedenfalls nicht direkt. Ein Webfrontend gibt es bei der Bridge nicht und auch die Heizkörper werden nicht mit dem Smartphone gekoppelt oder sind gar im WLAN sichtbar. Alles läuft über das entfernte Backend von Tado. Fällt der Internetzugang mal aus, passiert dementsprechend gar nichts. Die Heizkörper lassen sich dann aber noch manuell steuern.
Zudem sollte die App auf einem Smartphone installiert sein. Anhand der Lokalisierung berechnet Tado nämlich, ob schon mal geheizt werden kann oder die Heizkörper dynamisch angepasst werden können. Die Richtlinien, die der Anwender einstellt, beispielsweise während der Arbeitszeiten nicht zu heizen, dienen nämlich bei bestimmten Einstellungen nur als grobe Vorgaben und die Tado-Server passen die Werte durchaus im Laufe der Zeit an, wenn das System erstmal einen Rhythmus herausgefunden hat. Je länger Tado im Einsatz ist desto besser wird es unserer Erfahrung nach, es gibt aber auch ein paar Schwächen. Aber darauf gehen wir später in unserem Abschnitt über die Erfahrungen mit reisenden Nutzern ein.















Typischerweise wird Tado bei jedem Haushaltsmitglied installiert. Das stellt schon mal ein kleineres Problem für Familien dar, denn Minderjährige mögen alleine mit Bus und Bahn fahren, aber sie haben nicht unbedingt einen Smartphone-Vertrag mit Internetzugang. In so einem Fall muss man einige Automatiken abschalten, damit die Wohnung nicht zu kalt wird, wenn die Eltern gerade nicht anwesend sind oder dem Babysitter die Rechte für Tado fehlen. Aber immerhin lässt sich Tado dann manuell drehen.
Grundsätzliche Überlegungen zur Sicherheit
Die Nutzung des Systems setzt ein großes Vertrauen gegenüber Tado voraus, das wir in Anbetracht der vielen Hacks der letzten Jahre nicht mehr unbedingt haben. Manchem Endanwender mag das nicht bewusst sein, aber man setzt sich einer gewissen Grundgefahr aus. Denn an das Backend werden Daten gesendet. Die lassen zwar keine direkte Position erkennen - zumindest nicht in der App -, aber die Daten müssen vorhanden sein. Tado geht bei der Einrichtung nicht gerade transparent mit der Problematik um. Ein deutlicher Hinweis wäre unserer Meinung nach Pflicht. Auf Nachfrage machte Tado aber klar: "[das System] weiß nicht, wo Sie sich befinden, sondern rechnet lediglich Entfernungen zu Ihrem Zuhause aus. Diese Daten werden dann anonymisiert ausgewertet und verschlüsselt für die Steuerung der Heizung übertragen. Anschließend werden die Daten sofort gelöscht." . Verwendet wird für die Kommunikation laut Hersteller zwischen der App und den Servern TLS 1.2 mit einem 2048-bit Extended Validation Certificate. Die Tado-Bridge selbst kommuniziert ebenfalls mit TLS 1.2 und sichert das mit elliptischen Kurven (256 Bit) ab. Auf 6LoWPAN-Ebene wird AES-COM verwendet. Wenn Tado alles richtig gemacht hat, dürfte ein Einbruch sehr schwer sein.
Bei Mehrbenutzersystemen ist aber immer klar, dass die anderen erkennen können, ob jemand zuhause ist, allerdings nicht wer. Darauf lässt sich anhand der eingestellten Temperaturen recht schnell schließen.
Da sich die Tado-Systeme zudem entfernungsbasiert umstellen, lässt sich auch erkennen, ob jemand weiter weg ist. Für Diebe, die an die Tado-Daten kommen, ist das praktisch. An solche Daten wird man eher nicht über einen Backend-Einbruch auf Tado-Server kommen. Für Angreifer einfacher wäre ein Phishing-Angriff beim Endnutzer und manche Diebesbanden werden sich sicher bald an die Vorteile der Smart-Home-Welt anpassen. Zu lukrativ ist der Markt für kriminelle Aktivitäten. Das sind aber Worst-Case-Annahmen und das Risiko muss diesbezüglich jeder selbst abschätzen. Wir finden das System praktisch und wenn man auf Reisen geht, ist das System mit kleinen Einschränkungen erheblich besser als die starr programmierten Honeywell-Systeme.
Erfahrungen bei Reisen
Grundsätzlich passt sich Tado an die Nutzer an. Verlassen sie das Zuhause, schalten die Heizkörper im Balance-Modus ein paar Grad herunter. In unserem Fall von 21 auf 19 Grad, was realistisch den Einstellungen für 20 beziehungsweise 18 Grad in der Raummitte entspricht. Unser Offset beträgt nämlich 2 Grad, was in der App auch so eingestellt ist.
Sind die Nutzer etwa 100 Kilometer entfernt, wird Tado radikaler und versetzt die Heizkörper im Prinzip in den Frostschutzmodus. Die Wohnung kann auf 10 Grad heruntergekühlt werden. In vielen Bauten heißt das, dass die Heizung praktisch aus ist, denn die Nachbarn heizen ja auch und die Dämmung hält die Wärme recht gut. Diese Werte basieren auf dem Dezember, da wir im Januar nicht weit genug weg waren.















Festgestellt haben wir das bei einem kurzen Wochenendtrip nach Helsinki. Bei unserer Ankunft am Flughafen Tegel zeigte das System noch 19 Grad als Zieltemperatur. Da wir nicht direkt flogen, schauten wir in Frankfurt am Main noch einmal nach. Und siehe da: Die Zieltemperatur lag bei 10 Grad. Während unserer Zeit in Helsinki wurde diese Temperatur nicht weiter gesenkt. Es zeigte sich aber, dass der Bau nicht so schnell auskühlt, wie wir dachten. Am vierten Tag zeigte die Messung 14 Grad an und das bei Werten um den Gefrierpunkt.
Der Nachbar heizt mit
Dass die Wohnung nicht kälter wurde, lag zum einen an heizenden Nachbarn, zum anderen daran, dass die Nachbarräume herkömmlich mit programmierten Honeywell-Geräten beheizt wurden, die die Reise nicht erkennen konnten. Der Grund lag aber darin, dass wir Tado nicht so recht vertrauen wollten. Im Winter in eine ausgekühlte Altbauwohnung zu kommen, ist mehr als lästig, weil die Aufwärmphase mitunter Tage dauert. Deswegen ist es, je nach Bau, auch nicht sinnvoll, die Heizungen bei Abwesenheit komplett abzuschalten, weil dann bei Ankunft übertrieben geheizt werden muss. Wer das manuell macht, vergisst die zu hohen Einstellungen nach dem Aufheizen womöglich.
Bei unserem Rückflug waren wir dann gespannt. Wir haben mit einer intelligenten Programmierung gerechnet und freuten uns schon auf tolle Ergebnisse - die dann ausblieben. Eigentlich müsste das System erkannt haben, dass wir uns auf dem Weg nach Helsinki mit extremer Geschwindigkeit wegbewegten. Es wäre also logisch, dass der Heimweg ähnlich ablaufen würde. Beim Rückflug ging es wieder über Frankfurt. Dort angekommen, prüften wir, ob sich etwas tat - leider nicht. Erst bei der Landung auf dem Flughafen Tegel drehten die Heizkörper hoch. Wohl dem, der nach einem Flug nicht vergisst, den Flugmodus wieder einzuschalten.
Nun liegt Tegel direkt in der Stadt und die meisten Einwohner würden dem System 30 bis 90 Minuten Vorlaufzeit geben. Da wir nicht auf Koffer warten mussten, waren es bei uns nur 45 Minuten. Nicht genug Zeit, um die Temperatur von 14 Grad auf 17 Grad - also theoretisch effektiv von 13 auf 16 - zu erhöhen. Bei der Ankunft ging also das Frieren erst einmal los. Und die Heizkörper versuchten zudem nur grob, den Raum aufzuheizen. Dass die Raummitte gerade in einer solchen Situation deutlich kühler als die Messung an den Thermostaten ist, sollte einleuchten. Und hier zeigt sich auch ein prinzipielles Problem des derzeitigen Startersets: Die baulichen Gegebenheiten müssen berücksichtigt werden und das geht ohne Extrasensor nicht.
Insgesamt vermuten wir, dass das Ergebnis in einem gut gedämmten Neubau besser gewesen wäre. Wir waren jedenfalls froh, dass der Winter bisher recht mild ist. In unserer Testwohnung haben die Heizkörper bei maximalem Wert Probleme, wenn die Temperatur draußen auf -20 Grad Celsius oder tiefer fällt. In dem Fall dauert das Wiederaufheizen mehrere Tage, in diesem Dezember nur einen halben Tag.
Wer auf Reisen ist, der sollte vor seiner Rückkehr lieber per Hand mit der App die Heizung hochfahren und dabei das Wetter und auch die baulichen Gegebenheiten mitbedenken. Schließlich kennt der Bewohner seine eigene Wohnung recht gut. Es sei zudem anzumerken, dass diese Möglichkeit mit manuell programmierten, nicht vernetzten Thermostaten, freilich nicht geht. Allenfalls ein fixes Rückkehrdatum ist bei einigen Systemen möglich, die aber Verspätungen oder gar Verfrühungen nicht berücksichtigen können. Und mit manuellen Reglern kann der Anwender eh wenig regeln. Aus dieser Perspektive ist Tados Angebot ein enormer Komfortgewinn, vor allem weil Tado auch die Wetterberichte bei den Berechnungen berücksichtigt.
In unserer Honeywell-Zeit haben wir jedenfalls früher die manuelle Methode gewählt und die Heizkörper auf 15 bis 16 Grad in den Eco-Mode gesetzt, mit entsprechenden Frierphasen bei der Rückkehr nach einem Winterauslandseinsatz.
Lieber beim Reisen online bleiben
Unser zweites Praxisszenario war der vergangene 33. Chaos Communication Congress , der zum vorerst letzten Mal im CCH in Hamburg stattfand. Hier funktionierte das System besser, da es unterbrechungsfrei wusste, wie weit wir ungefähr entfernt vom Heim waren. Bei der Rückkehr gab es dementsprechend keine Probleme. Auffallend war, dass es offenbar eine Grenze gibt, bei der die Heizkörper auf den 10-Grad-Modus gestellt werden und die liegt bei ungefähr 100 Kilometern.
Bei Bahnreisen funktioniert das System also sehr gut und heizt die Wohnung rechtzeitig auf. Bei Flugreisen und nahem Flughafen reicht die Zeit mitunter nicht, der Anwender sollte also manuell eingreifen, sobald die Ankunftszeit bekannt ist. Wir hoffen aber, dass Tado an den Algorithmen noch etwas feilt. Denn basierend auf den von uns gelieferten Daten, wäre eine klügere Anpassung denkbar. Tado müsste eigentlich eine besonders schnell zurückgelegte Distanz erkennen und bei der Rückkehr anders bewerten. Problematisch wäre nur der direkte Rückflug.
Integration in andere Smart-Home-Systeme und Ausblick
Kurz getestet haben wir auch die Integration mit Amazons Alexa. Damit lässt sich die Heizung unabhängig von der App steuern. Vor allem bei Heizkörpergruppen ist das praktisch oder wenn der Nutzer die ganze Wohnung wärmer bekommen will. Das Verständnis lässt manchmal zu wünschen übrig. Auf die Ansage "Stelle die Heizkörper auf Maximum" wurden die Heizkörper auf Off gestellt.
Später soll Tado auch für Homekit freigeschaltet werden. Die Bridge hat auch schon den Aufkleber dafür. Homekit ist erst mit iOS 10 halbwegs fertig geworden und immer noch fehleranfällig. Unser Interesse daran ist derzeit nicht besonders groß. Tado wartet derzeit auf den Abschluss des Zertifizierungsprozesses. Wann genau das sein wird, weiß Tado nicht. Geplant ist nur grob dieses Jahr.
Spart das Smart Home Energie?
Das Sparpotenzial zu bewerten ist schwierig. Für einen richtigen Test bräuchte es zwei bis drei Heizperioden, die sich idealerweise ähneln und die Heizung müsste regelmäßig abgelesen werden. Dass es ein Sparpotenzial gibt, lässt sich aber nicht von der Hand weisen. Da wir die Honeywell-Geräte parallel in anderen Zimmern im Einsatz und unsere Heizkörper Geräusche hatten, zeigte sich sehr schnell, wie oft die Tado-Thermostate den Heizkörper vom Wasserfluss trennten, während die starr programmierten Honeywell-Regler munter weiter heizten. Und von den Honeywell-Reglern, die wir seit Jahren einsetzen, kennen wir das Sparpotenzial verglichen mit manuellen Reglern - und die lohnten sich bereits. Tado selbst gibt an, dass sich sein Produkt nach einem Jahr rechnen soll. Das ist aber mit Vorsicht zu genießen, hängt es doch von viel zu vielen Gegebenheiten ab und dazu gehört auch die Wohnung und das subjektive Befinden. Wir sehen Tado in erster Linie als Komfortgewinn und wenn sich das System selbst nach ein paar Jahren rentiert: umso besser.
Da liegt aber auch ein gewisses Problem. Normalerweise halten Heizkörperregler mehrere Jahrzehnte. Die smarten Heizkörpersysteme sind ohne Backend aber nicht vernünftig nutzbar. Zu Plänen, die Serverdienstleistung auszulagern, gab es auf Nachfrage leider keine positive Antwort. Es gibt zumindest keine Pläne und kategorisch ausgeschlossen wurde es ebenfalls nicht. Basierend auf dem Wachstum des Unternehmens, soll die Zukunft aber gesichert sein. Das sehen wir kritisch, denn Unternehmenspleiten gibt es immer wieder und dann wäre das Tado-Smarthome nur noch manuell und nach einem Reset gar nicht mehr nutzbar.
Die Entwicklung ist aber noch nicht abgeschlossen. Der Hersteller plant etwa die Anzeige eines Logs. Das ist für technisch Interessierte praktisch. So kann nachvollzogen werden, wann die Heizkörper justiert werden. Der Endanwender bekommt auf der Smartphone-Oberfläche nur wenige Informationen angezeigt.
Verfügbarkeit und Fazit
Tados Smarte Heizkörpersysteme werden bereits verkauft. Unser Starterset mit zwei Reglern und der Bridge kostet rund 200 Euro. Prinzipiell können die Geräte auch über einen Mindestzeitraum von 12 Monaten gemietet werden. Dann kostet das Starterset 4 Euro pro Monat im ersten Jahr und 6 Euro ab dem zweiten Jahr. Ein einzelner Regler kostet einmalig 80 Euro oder 3 Euro pro Monat. Es gibt derzeit allerdings Lieferschwierigkeiten, weswegen aktuelle Auslieferungen auf den März 2017 verschoben wurden.
Fazit
Wer die heftige Anfangsinvestition wagt und kein Problem damit hat, dass der Anwender seine Entfernung zur Wohnung ständig an ein fremdes Unternehmen übermittelt, der bekommt mit den intelligenten Heizkörperreglern von Tado ein sehr gutes System. Der Komfortgewinn im Vergleich zu starr programmierten, nicht vernetzten Heizkörperthermostaten, ist enorm. Die Heizkörper lassen sich gruppieren und der Intelligenz des Systems gelingt schon nach wenigen Wochen der Eingewöhnung eine sehr gute Anpassung der Temperatur.
Insbesondere bei nicht planbaren Abwesenheiten ist das Sparpotenzial definitiv vorhanden. Wer im Schichtdienst arbeitet, braucht seinen Dienstplan nicht einzuprogrammieren und auch wer feste Arbeitszeiten hat, braucht kaum etwas einrichten. Tado macht das alles selbst.
Dazu kommt der Komfortgewinn. Die Heizung kann der Anwender in vielen Fällen einfach vergessen. Nur bei Flugreisen sollte der Anwender vor der Rückreise manuell die Heizkörperregler anweisen, die Temperatur zu erhöhen. Aber selbst wenn der Nutzer das vergisst, ist das Ergebnis immer noch besser, als bei den nicht vernetzten Systemen. Eine vollständig ausgekühlte Wohnung nach längerer Abwesenheit wird mit Tado jedenfalls sehr viel seltener.
Nachtrag vom 19. September 2017, 15:22 Uhr
Wir haben den Test zwischenzeitlich um Langzeiterfahrungen ergänzt .



