Tado im Langzeittest: Am Ende der Heizperiode

Vor drei Monaten haben wir die smarten Heizkörperthermostate von Tado getestet und für gut befunden . Auch wenn der damalige Test auf der Grundlage eines wochenlangen Einsatzes geschrieben wurde, konnten wir nicht alles ausprobieren. Wir haben in unserer Testwohnung aufgrund des Potenzials die Anzahl der Thermostate kurz darauf auf vier verdoppelt und weitere interessante Erfahrungen gemacht.







So hoch die Anfangsinvestition ist, so groß ist auch der Komfort des Systems - wenn Nutzer kein Problem damit haben, die An- oder Abwesenheit in der Wohnung ständig an ein fremdes Unternehmen zu übermitteln. Die Heizkörper lassen sich gruppieren und der Intelligenz des Systems gelingt schon nach wenigen Wochen der Eingewöhnung eine sehr gute Anpassung der Temperatur. Nach dem Einsatz in einer ganzen Heizperiode zeigt sich aber, dass auch dieses System seine Schwächen hat. Nicht für alle kann Tado etwas.
Wohnraum-Luftströme können nicht berücksichtigt werden
Im Laufe der Zeit hat Tado immer wieder das System aktualisiert. So lassen sich mittlerweile Thermostate zwischen den Räumen bewegen. Damit ist die Zuordnung in der App gemeint. Das ging bei unserem Test nur mit Hilfe des Supports. Leider sind solche Fortschritte beim Logging nicht vorhanden. Es ist weiter nicht einfach herauszufinden, wie effizient die eigene Konfiguration der Heizkörper ist, und ob die Intelligenz im richtigen Moment greift. Wir hatten allerdings auch keine Probleme damit. Das System tat, was es sollte, und das weiterhin so, wie wir es wollten. Nur bei größeren Temperaturwechseln war das anders.
Wie schon nach den ersten Einsatzwochen befürchtet, funktioniert die Messung der Temperatur an den Heizkörperthermostaten nicht perfekt. Unser Testaltbau hat nämlich in Abhängigkeit von der Außentemperatur sein eigenes Klima, und es entstehen aufgrund der schlechten Isolierung Luftströme, die nur bei tiefen Temperaturen greifen.
Als es langsam wärmer wurde, also Außentemperaturen von über 10 Grad Celsius erreicht wurden, mussten wir dementsprechend die einstellbare Temperaturkorrektur von 3 Grad Verschiebung auf 2 Grad Verschiebung ändern. Andernfalls wurde die Wohnung viel zu warm - und das, obwohl wir aufgrund eines unangenehm vibrierenden Heizkörpers, bei nahezu geschlossenem Ventil, ein Thermostat nur noch manuell betrieben. Das ist indes kein Problem von Tado. Unser Testequipment hatte einfach einen Ausfall.
Wir können unsere damalige Vermutung also bestätigen: Die Messung der Raumtemperatur am Heizkörper ist keine gute Idee. Zumindest dann nicht, wenn der Heizkörper unter einem Fenster positioniert ist. Wir müssen in einem typischen Winter mit ein paar Wärmeperioden im Laufe der Zeit die Temperaturkorrektur je Jahr etwa zwei bis drei mal umstellen. Das ist weder schön noch entspricht es dem Smart-Gedanken, aber es geht in der App recht fix.
Leider ist es Tado bisher nicht gelungen, die Homekit-Integration zu aktivieren. Damit müsste es theoretisch möglich sein, etwa die Elgato-Eve-Raummessdaten zu verwenden. Ob das Tado irgendwann ermöglichen wird, ist noch nicht bekannt. Auf der langfristigen Roadmap(öffnet im neuen Fenster) finden sich aber andere interessante Punkte. Beeilen braucht sich das Unternehmen jetzt nicht mehr. Zumindest auf der Nordhalbkugel ist der Winter vorbei, und das Wetter so warm, dass nicht mehr geheizt werden muss.
Kleinere Probleme durch ein Ersatzgerät
Im Laufe des Winters fiel eines der mittlerweile vier Thermostate aus. Zunächst wunderten wir uns über seltsame Motorengeräusche. Der Motor eines der Thermostate versuchte immer wieder, das Ventil zu stellen, was nicht recht gelang. Ein Neustart behob das Problem zwar, allerdings nicht dauerhaft. Interessanterweise werden die Thermostate von Tado auf ihre Funktion hin überwacht. Wir bekamen ein paar Tage später eine E-Mail von Tado, dass ein Thermostat ausgetauscht werden müsse, weil es sich nicht korrekt verhalte.
Nach ein paar eigenen Experimenten stimmten wir dem Austausch zu. Ein Ersatzgerät kam wenige Tage später. Hier sei allerdings angemerkt, dass Tado vermutlich weiß, dass ein Presseaccount betroffen war. Ob der Austausch bei Endkunden genauso fix passiert, wissen wir nicht.







So ein Ausfall ist während eines längeren Urlaubes nicht gut. Das Ventil bleibt dann offen, was die Heizkosten erhöht. Bei uns passierte das glücklicherweise während einer Anwesenheit. Die App zeigt Probleme mit der Ventilstellung leider nicht an. Es muss ja nicht unbedingt das Thermostat sein, auch das Ventil könnte sich verklemmen. Zu hohe Temperaturen sind nur bei einem genauen Blick auf die App erkennbar. Das ganze System ist aber so komfortabel, dass wir so gut wie nie die App nutzen. Eine Warnung vor außergewöhnlichen Problemen wäre wünschenswert.
Batteriewarnung kommt zu spät
Ähnlich gelagert ist der Fall bei einer Batterie, die sich langsam dem Leerzustand nähert - oder in unserem Fall Akkus. Austauschen mussten wir rein praktisch die Stromgeber eigentlich nur einmal. Das mit den Motorproblemen betroffene Gerät meldete sich irgendwann, aber nicht etwa über die App, wie wir es erwartet hatten, sondern über eine automatisierte E-Mail. Diese empfiehlt einen Austausch der Zellen, die verbleibende Kapazität halte nur noch maximal zwei Wochen. Auch das ist im Urlaubsfall nicht gut. Allerdings scheint es noch eine weitere Reserve zu geben, wie ein weiterer Fall zeigt.
Unser Austauschgerät hat nämlich mit unseren Eneloop-Akkus - das sind Low-Self-Discharge-Akkus, also ideal für Heizkörper - erhebliche Probleme, die Ladekapazität korrekt vorauszusagen. Die frisch aufgeladenen Sekundärzellen lösen schon nach ein bis zwei Wochen eine Batteriewarnung aus. Nach mehrfachem Tauschen und dem Probieren anderer Eneloop-Hardware-Revisionen war uns das irgendwann zu viel, und wir wollten wissen, wann die Akkus wirklich versagen.
Das ist bis heute nicht geschehen. Die Akkuwarnungen sind ärgerlich, aber nicht unbedingt ungewöhnlich. Wir kennen leider einige Geräte, bei denen die Restkapazität der Akkus nicht korrekt erkannt wird. Tado empfiehlt ohnehin Primärzellen, was wir allerdings für Verschwendung halten. Unser Test zeigt: Es ist möglich, mit LSD-Akkus eine Heizperiode durchzuhalten. Zudem kann der Anwender schon im Sommer die Zellen tauschen, da die Selbstentladung bei LSD-Akkus kaum relevant ist. Normale Batterien haben den Vorteil natürlich auch und sind anfangs in der Investition günstiger. In Anbetracht der langen Einsatzdauer empfehlen wir aber LSD-Akkus.
Das hängt indes auch vom eigenen Heizverhalten ab. Je feiner die Konfiguration, desto mehr Motorbewegungen braucht es. Unsere Konfiguration reicht in der Praxis offenbar nicht, um Laufzeitunterschiede zwischen Akkus und Batterien zu zeigen. Der Motor ist anscheinend der einzige echte Energiefresser. Die Funkverbindung hat keine Auswirkungen. Das verwendete 6LoWPAN-Protokoll ist für solche Einsätze ideal.
Probleme mit der Hausanlage und Fazit
Ein Fall, den wir nicht erwartet hatten, war ein Defekt der Hausanlage. Das ist nicht unbedingt ein Testszenario, das wir in einem Mietshaus absichtlich herbeiführen würden, es passierte aber ohne unser Zutun: Das Heizungswasser kam nur noch lauwarm an. In der Situation konnte das System natürlich nur die Ventile öffnen. Wir selbst haben das nicht sofort bemerkt, sondern erst, als es unangenehm kalt wurde, und die abstrahlende Wärme des Interieurs der Wohnung auch nicht mehr half. Wir würden uns wünschen, dass das Tado-System solche Unregelmäßigkeiten erkennt und eine Warnung ausgibt.
Die Heizkörper könnten dann blinken, die App eine Benachrichtigung aussenden oder die Server selbst reagieren. Das würde dem Smart-Gedanken entsprechen und sollte gut funktionieren, weil die Temperaturmessung direkt am Heizkörper erfolgt. Hier gibt es noch Verbesserungspotenzial.
Zumindest kamen die Ausgleichsmechanismen zum Einsatz: Es wurde länger mit dem lauwarmen Wasser geheizt. Kalt wurde uns aber trotzdem. Nach der Reparatur der Anlage kam dann ungewohnt heißes Wasser an. Auch das meisterte die Tado-Anlage den Erwartungen entsprechend.
Einige Wünsche haben wir zusätzlich im Bereich der Intelligenz, denn es bleiben grundsätzliche Probleme. Es muss jeder im Haushalt verbunden sein, der selbst die Wohnung betritt oder verlässt. Kleine Kinder kommen meist mit den Eltern nach Hause. Beim Mittelstufenalter sind sie aber so selbstständig, dass sie im Prinzip auch ein Smartphone und die App benötigen. Eine Verbindung mit einem Bewegungssensor könnte helfen.
Fazit
Der Langzeiteinsatz zeigt: Ganz ohne Probleme ist auch das durchdachte Tado-System nicht. Ein Thermostat mag unsere Akkus nicht, ein anderes ist mit Motorschaden ausgefallen, und in unserem Altbau ist alle paar Monate eine Nachjustierung der Temperaturmessmethode notwendig. Letzteres wäre mit einem externen Temperaturmesser kein Problem. Leider bietet Tado diesen, genauso wie einen Bewegungsmelder, nicht an und die Homekit-Aktivierung, die zumindest Apple-Nutzern potenziell helfen könnte, lässt auf sich warten.
Nichtsdestotrotz: Die Thermostate werkeln vor sich hin, und der Nutzer macht wochenlang nichts. Im Vergleich zur manuellen Methode ist das ein Komfortgewinn. Und selbst verglichen mit programmierbaren, nicht vernetzten Thermostaten ist der Komfort höher. Wir wollen unsere alten Honeywell-Thermostate jedenfalls nicht mehr einsetzen.
Die Programmierung der Alt-Systeme ist zwar nicht kompliziert, aber nervig, insbesondere bei vielen Heizkörpern. Das gilt vor allem für Thermostate, die bei einem Batterietausch ihre Konfiguration vergessen. Das Tado-System nimmt den Nutzern solche Sorgen ab. Ein bisschen Mitdenken empfiehlt sich aber trotzdem. Tados System ist nicht so smart, dass es alle Szenarien abdecken kann. Jetzt hat der Hersteller aber erst einmal ein halbes Jahr Zeit, wenn die Geräte in die Sommerpause gehen.



