T-Mobile Holding: Telekom forciert neuen Hauptsitz im Ausland
Der Chef der Deutschen Telekom, Tim Höttges, lässt ein kleines Team von Spezialisten an einem strategischen Konzernumbau arbeiten. Das Ziel ist weiterhin, die Telekom und deren Tochter T-Mobile US in einer Holding zu vereinen. Die Pläne kommen voran, wie vier Insider sowohl aus dem Konzernumfeld als auch aus der Branche dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) berichtet haben.
Die Anstrengungen hätten zuletzt an Bedeutung gewonnen, weil Elon Musk seinen Techkonzern SpaceX an die Börse brachte. Dessen Satellitennetzwerk Starlink gilt mit Direct-to-Device-Diensten als potenzieller Mega-Konkurrent im Mobilfunkgeschäft.
Direct to Device (auch: Direct to Cell) ist ein Mobilfunkdienst, der es ermöglicht, handelsübliche Standard-Smartphones direkt mit Satelliten im Weltraum zu verbinden. SpaceX hatte zuvor erneut Informationen zu einem eigenen Mobilfunknetz in den USA veröffentlicht: Gwynne Shotwell, President und Chief Operating Officer (COO) des Unternehmens, erklärte bei der Roadshow für den Börsengang, dass die Gruppe die Einführung eines Starlink-Produkts für Endkunden erwäge und ein eigenes terrestrisches Mobilfunknetz in den USA aufbauen könnte.
Starlink könne Netzkapazität bei den Mobilfunkbetreibern einkaufen und als virtueller Mobilfunkbetreiber (Mobile Virtual Network Operator, MVNO) starten, oder tatsächlich ein eigenes Netz aufbauen.
T-Mobile US: Investmentbank erwartet Übernahmeversuch von SpaceX
Analysten der Investmentbank TD Cowen halten es für möglich(öffnet im neuen Fenster), dass SpaceX eine feindliche Übernahme von T-Mobile US versuche, sollte das Unternehmen keine Vereinbarung zur Netzmitnutzung mit US-Mobilfunkbetreibern erzielen. Die Analysten bezeichneten T-Mobile US aufgrund der bestehenden Partnerschaft mit Starlink und der Konzentration auf Mobilfunk als klare Wahl.
AT&T, Verizon und T-Mobile US weigerten sich laut Informationen des Tech-Magazins Wccftech(öffnet im neuen Fenster), eine Vereinbarung als virtueller Mobilfunknetzbetreiber mit SpaceX zu schließen, da sie sich durch die Ambitionen des Satellitenkonzerns massiv bedroht fühlen. Ohne eine MVNO-Vereinbarung mit einem der drei Betreiber hat SpaceX keine einfache Möglichkeit, in großem Stil Zugang zu terrestrischen Frequenzbereichen zu erhalten.
SpaceX könnte sich T-Mobile US locker leisten
Mit einer Marktkapitalisierung von rund zwei Billionen US-Dollar ist SpaceX der Telekom oder deren US-Tochter derzeit überlegen. T-Mobile US kam zuletzt auf einen Börsenwert von knapp 200 Milliarden US-Dollar. Telekom erreicht knapp 130 Milliarden Euro.
"Elon Musk macht uns Sorgen", sagte ein ranghoher Telekom-Manager aus Bonn dem Handelsblatt, der nicht namentlich genannt werden wollte. Ein Sprecher der Telekom wollte sich auf Anfrage nicht äußern. SpaceX war zunächst nicht für ein Statement erreichbar. Für Höttges ist die Kontrolle über T-Mobile US ein Kernbestandteil seines Lebenswerks als CEO, den er nicht hergeben wird.
Nach Informationen aus Branchenkreisen wird intern über ein Modell nachgedacht, dessen neuer Hauptsitz eine gemeinsame Holding in Irland oder der Schweiz sein könnte. Gleichzeitig betonen andere Quellen, dass das operative Zentrum des Unternehmens weiterhin in Bonn verbleiben soll, berichtete das Handelsblatt.
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