• IT-Karriere:
  • Services:

Systemd oder Upstart: Debian diskutiert weiter über Init-Systemd

Nach einer ersten offiziellen Abstimmung über das künftige Init-System in Debian hat das technische Komitee entschieden, weiter zu diskutieren. Diese langwierige Debatte stößt bei einigen Community-Mitgliedern inzwischen auf Unverständnis.

Artikel veröffentlicht am ,
Keine Entscheidung in der Init-System-Diskussion
Keine Entscheidung in der Init-System-Diskussion (Bild: Debian)

Aktuelle Init-Systeme wie Upstart aus Ubuntu oder Systemd stehen zwar seit einiger Zeit in den Quellen von Debian bereit, zurzeit nutzt die Distribution zum Starten des Betriebssystems aber nach wie vor das betagte SysV-Init. Ende Oktober 2013 forderte ein Community-Mitglied das technische Komitee (CTTE) dazu auf, eines der aktuellen Init-Systeme zum Standard zu erklären. Nach dreimonatiger Debatte spricht sich das CTTE nun dafür aus, weiter zu diskutieren.

Keine schnelle Lösung gewollt

Stellenmarkt
  1. Agentur für Innovation in der Cybersicherheit GmbH, Halle (Saale)
  2. evm-Gruppe, Koblenz

Dieser Entscheidung vorangegangen ist der Wahlaufruf des CTTE-Vorstandes Bdale Garbee, zunächst nur über das Standard-Init-System unter Linux abzustimmen. Denn in vielen Beiträgen äußerten sich die Teilnehmer kritisch darüber, Systemd zu verwenden, da dieses nach derzeitiger Meinung nicht ohne weiteres auf den FreeBSD-Kernel portiert werden kann. Eine Variante von Debian nutzt den FreeBSD-Kernel statt Linux als Basis des Systems.

Dem Vorschlag Garbees folgten die CTTE-Mitglieder wohl vor allem deshalb nicht, da Ian Jackson dazu aufrief, für eine weitere Diskussion zu stimmen. Jackson zeigte sich überrascht von dem vermeintlich spontan vorgebrachten ersten Lösungsvorschlag Garbees. Außerdem habe die Zeit gefehlt, über den Text des Wahlvorschlags zu diskutieren und diesen gegebenenfalls zu verändern. Jackson bezeichnete dieses Vorgehen als "gänzlich unangemessen".

Patt-Situation zwischen Systemd und Upstart

Bereits im Vorfeld der nun wenig erfolgreichen Wahl haben die CTTE-Mitglieder einzeln ihre Meinungen zu den Init-Systemen dargelegt - ohne eine Abstimmung. Dabei haben sich je drei deutlich für Systemd respektive Upstart ausgesprochen, Don Armstrong tendiert zur Verwendung von Systemd. Einzig die Aussage von Steve Langasek zu diesem Thema steht noch aus, er ist jedoch der Upstart-Maintainer in Debian.

Damit zeichnet sich ein Gleichstand von je vier Stimmen im CTTE ab. Um in diesem Fall eine Entscheidung zu treffen, wäre die Stimme des Vorstandes Garbee ausschlaggebend. Doch es scheint unwahrscheinlich, dass Garbee bei einer solch knappen Entscheidung dieses Recht wahrnimmt.

Denn bei einer bestimmten Auslegung der Debian-Verfassung reicht eine einfache Mehrheit in dieser Entscheidung wohl nicht aus. Deshalb könnte auch die Gesamtheit der Debian-Entwickler in einer sogenannten General Resolution die Entscheidung des CTTE überstimmen. Dazu ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Doch das CTTE diskutiert derzeit auch, dies zumindest in der Init-System-Diskussion auf eine einfache Mehrheit zu ändern.

Unzufriedene Entwickler

Zwar haben derartige Diskussionen in Debian eine gewisse Tradition, da das Projekt auf Konsensentscheidungen und Mitbestimmung aller bedacht ist. Dennoch zeigen sich einige Projektbeteiligte mittlerweile sehr unzufrieden. So gibt etwa einer der Entwickler der Hurd-Portierung zu bedenken, dass auch das aktuelle SysV-Init eigentlich nicht portierbar sei. Es könne nur deshalb auf anderen Plattformen als Linux genutzt werden, weil diese eine Kompatibilitätsschicht implementieren.

Auf der Debian-Curiosa-Mailing-Liste, die für lustige Begebenheiten innerhalb des Projekts gedacht ist, erschien auch eine eher zynische Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse, die die verfahrene Situation beschreibt.

Ob und wann sich Debian für ein neues Standard-Init-System entscheidet, ist derzeit nicht abzusehen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. (u. a. Shadow Warrior 1 + 2 für je 7,99€, Hotline Miami für 1,99€, Absolver für 6,99€)
  2. 13,29€

Hello_World 31. Jan 2014

Unfug, das Gegenteil ist der Fall: systemd hat wesentlich *weniger* LoC. Zu sysvinit...

Hello_World 31. Jan 2014

Upstart ist gescheitert, weil es massive konzeptionelle Probleme hat, die man nicht lösen...

Hello_World 31. Jan 2014

Kompletter Blödsinn. Ein gutes System für Endanwender kann man nur bauen, wenn die...

Hello_World 31. Jan 2014

Das ist ein Maintenance-Alptraum. Debian-Entwickler wachsen nicht auf Bäumen, und je...

Hello_World 31. Jan 2014

Es geht nicht darum, dass Canonical mit Ubuntu Geld verdienen will, es geht darum, dass...


Folgen Sie uns
       


Linux-Smartphone Pinephone im Test

Das Pinephone ist das erste echte Linux-Smartphone seit rund 5 Jahren und dazu noch von einer Community erstellt. Das ambitionierte Projekt scheitert letztlich aber an der Realität.

Linux-Smartphone Pinephone im Test Video aufrufen
SSD vs. HDD: Die Zeit der Festplatte im Netzwerkspeicher läuft ab
SSD vs. HDD
Die Zeit der Festplatte im Netzwerkspeicher läuft ab

SSDs in NAS-Systemen sind lautlos, energieeffizient und schneller: Golem.de untersucht, ob es eine neue Referenz für Netzwerkspeicher gibt.
Ein Praxistest von Oliver Nickel

  1. Firecuda 120 Seagate bringt 4-TByte-SSD für Spieler

Vivo X51 im Test: Vivos gelungener Deutschland-Start hat eine Gimbal-Kamera
Vivo X51 im Test
Vivos gelungener Deutschland-Start hat eine Gimbal-Kamera

Das Vivo X51 hat eine gute Kamera mit starker Bildstabilisierung und eine vorbildlich zurückhaltende Android-Oberfläche. Der Startpreis in Deutschland könnte aber eine Herausforderung für den Hersteller sein.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Software-Entwicklung Google veröffentlicht Android Studio 4.1
  2. Jetpack Compose Android bekommt neues UI-Framework
  3. Google Android bekommt lokale Sharing-Funktion

Energiewende: Wie die Begrünung der Stahlindustrie scheiterte
Energiewende
Wie die Begrünung der Stahlindustrie scheiterte

Vor einem Jahrzehnt suchte die europäische Stahlindustrie nach Technologien, um ihren hohen Kohlendioxid-Ausstoß zu reduzieren, doch umgesetzt wurde fast nichts.
Eine Recherche von Hanno Böck

  1. Wetter Warum die Klimakrise so deprimierend ist

    •  /