System Shock Remake angespielt: Die Kult-KI Shodan kämpft frisch entfesselt
Es gibt ein paar Dinge, die muss man als altgedienter Computerspieler einfach wissen. Etwa, wie Guybrush Threepwood geschrieben wird oder wie die wichtigsten Cheatcodes von Doom lauten.
Ähnlich unverzichtbar: jederzeit sagen können, dass Shodan die Abkürzung für "Sentient Hyper-Optimized Data Access Network" ist – ein allmächtiges KI-System im Klassiker System Shock, den Irrational Games im Jahr 1994 veröffentlicht hat.
Das mit Shodan ist derzeit relevant, weil wir im Remake von System Shock wieder gegen die Superintelligenz antreten können. Und zwar in einer Neuauflage, die auf Basis der Unreal Engine 4 nach mehrjähriger Entwicklungszeit bei dem gerade von Atari gekauften Entwicklerstudio Night Dive(öffnet im neuen Fenster) entstanden ist.
In System Shock – alt wie neu – schlüpfen wir in der Ich-Perspektive in die Rolle eines Hackers, der nach ein paar rasch im Intro abgehandelten Verwicklungen auf der riesigen Raumstation Citadel erwacht. Dort stellen wir fest, dass Shodan die Besatzung und alle Zivilisten entweder getötet oder in willenlose Cyborgs und Mutanten verwandelt hat.
Unsere Aufgabe ist es, uns durch die mehrgeschossige Station zu kämpfen und Shodan abzuschalten. Das klingt wie eine sehr geradlinige Story, im Verlauf der Kampagne kommt dann aber doch einiges anders als erwartet.
Die gelungene Story verfolgen wir fast gar nicht in Zwischensequenzen, sondern puzzeln sie Stück für Stück aus Sprachnachrichten, E-Mails an Rechnern und Notizen zusammen. Das Original von System Shock gilt als ein Spiel, das diese Art des Erzählens entscheidend vorangebracht hat.
Wie im Original finden wir auch im Remake immer bessere Ausrüstung – etwa Waffen, aber auch Implantate und Upgrade-Module mit immer weiter optimierten Fähigkeiten. So werden wir allmählich vom eher harmlosen Hacker zur Herausforderung für Shodan.
Inhaltlich und optisch ist das Remake bemüht, halbwegs nah beim Original zu bleiben. Ein paar Details sind aber doch anders, etwa das Intro: Im System Shock von 1994 läuft das vollständig als pixelige Filmsequenz ab, in der Neuauflage gibt es ein paar interaktive Augenblicke und wir dürfen uns etwa in unserem Apartment in New Atlanta frei bewegen.
Später finden wir dann aber fast immer Gegenstände an den gleichen Stellen wie im Original, verwenden die gleichen Aufzüge und öffnen die gleichen Sicherheitsschleusen – hinter denen uns dann nicht selten der gleiche Mutant wie damals angreift.
Auch der Grafikstil orientiert sich am ersten System Shock. Das sieht längst nicht immer gut aus, im Gegenteil: Die teils merkwürdige Farbgebung des Originals etwa mit türkisen Kacheln im 60er-Jahre-Badezimmer-Look haben die Entwickler im Remake übernommen. Auch das neue System Shock ist kein schönes Spiel.
System Shock Remake: Verfügbarkeit und Fazit nach vier Stunden
Dazu kommt, dass die Modelle und Animationen von Mutanten, Wachdrohnen und anderen Gegnern furchtbar altbacken aussehen. Wir sind beim mehrstündigen Anspielen keinem einzigen Feind begegnet, den wir auch nur ein bisschen angsteinflößend fanden.
So etwas wie eine KI gibt es trotz totaler Kontrolle durch Shodan nicht, die Feinde marschieren immer mehr oder weniger direkt auf uns zu.
Auch die Kämpfe sind in Zeiten von Effektfeuerwerken wie Call of Duty kein Knaller. Nahkampfwaffen haben keine Wucht, das Gunplay von Pistolen und Gewehren hat wenig Wumms, sondern erfüllt halt seinen Zweck.
Dennoch macht das Remake ziemlich viel Spaß – ähnlich wie das Original. System Shock alt wie neu leben vor allem von der intelligenten Verzahnung der Rollenspielsysteme und der Action, vom vorsichtigen Erkunden der Raumstation Citadel. Wir müssen schleichen, einfache Rätsel lösen, Waffen sammeln, kämpfen, die Ausrüstung upgraden und vieles mehr.
Beim Spielen sind uns keine groben Bugs aufgefallen – weder Abstürze noch Ruckler. Wirklich gestört hat uns, dass die Benutzeroberfläche die verwendbaren Schalter und Gegenstände zwar markiert, das aber nicht immer gut zu sehen ist. Außerdem gibt es schlicht zu viel unnützen Krempel.
Die Steuerung mit Maus und Tastatur klappt sehr gut. Gamepads werden vollständig unterstützt, fühlen sich aber beim Durchstreifen der Welt arg nervös an, und der Zugriff auf Inventar und sonstige Menüs ist ein bisschen umständlich ausgefallen.
Das Remake von System Shock erscheint am 30. Mai 2023 für Windows-PC (Steam, Gog.com, Epic Games Store) zum Preis von rund 40 Euro. Es gibt weder Multiplayer noch Mikrotransaktionen.

Die Sprachausgabe erfolgt auf Englisch, dazu kommen zuschaltbare deutsche Untertitel. Später sollen Umsetzungen für Konsolen folgen, Details gibt es aber noch nicht.
Fazit nach rund vier Stunden
Wir müssen nicht lange spielen, um uns zu erinnern, warum wir System Shock damals so geliebt haben: Die Abenteuer in der Raumstation Citadel mit Shodan als Endgegner schaffen von Anfang eine packende klaustrophobische Gruselstimmung.
Die Rollenspiel- und Actionelemente sind vorbildlich verzahnt. Da können sich sehr viele ganz neue Games noch was abschauen. Auch die fragmentarisch erzählte Handlung macht Spaß.
Ganz gut gelöst finden wir die überarbeitete Grafik. Das Remake ist kein schönes Spiel, aber das war das Original auch nicht. Insofern finden wir den neuen Look zwar alles andere als hübsch, aber wenigstens authentisch. Nachhaltig genervt haben uns die angesprochenen Details beim Umgang mit der Umwelt.
Wer damit leben kann und endlich wissen will, was genau mit Shodan los ist und welche Überraschungen sonst noch in der Raumstation Citadel lauern, bekommt mit dem neuen System Shock ein alles in allem gelungenes Remake.
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