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Sysadmin Day: "Ned gschimpft isch globt gnug!"

De-Cix sorgt dafür, dass das Internet in Deutschland funktioniert. Eine enorme Aufgabe, die CTO Thomas King mit größtmöglicher Ruhe erfüllt: "Zeitdruck ist der Tod" , sagt er.
/ Daniel Ziegener
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Hauptsache, das Internet funktioniert. (Bild: KI-generiert mit Bing Image Creator/Golem.de)
Hauptsache, das Internet funktioniert. Bild: KI-generiert mit Bing Image Creator/Golem.de

Es ist ein wenig paradox: Als Systemadministrator leistet man dann die beste Arbeit, wenn niemand etwas von dieser Arbeit mitbekommt. Denn das heißt, dass alles so funktioniert, wie es funktionieren soll.

Und das ist gar nicht so schlimm, sagt Thomas King(öffnet im neuen Fenster) . Der CTO bei De-Cix ist mit seinem Team für den Betrieb und die Weiterentwicklung von einigen der größten Internet-Knotenpunkte in Deutschland verantwortlich. "Wenn wir nichts von unseren Kunden hören, wissen wir, dass wir einen guten Job gemacht haben" , sagt er. Denn: Dann funktioniert das Internet.

Über die Internet-Knoten des Frankfurter Unternehmens sind über das letzte Jahr im Durchschnitt(öffnet im neuen Fenster) 11,75 Terabit an Daten pro Sekunde übertragen worden. Und das muss laufen, denn: Das einzige, was sich schlimmer anfühlt als gar keine Internetverbindung, ist eine langsame Internetverbindung .

Bei De-Cix arbeiten weltweit circa 200 festangestellte Mitarbeiter, knapp die Hälfte davon sind in der Technik und Produktentwicklung tätig. Der 24/7-Kundendienst umfasst gerade einmal 20 Angestellte. "Da kommt uns wieder entgegen, dass wir relativ wenige Störfälle haben" , sagt King. Es sei "glücklicherweise nicht so" , dass man in der Rufbereitschaft "mehrmals rausgeklingelt wird."

Wandschränke statt Fritzboxen

Privaten Support muss King nur noch selten leisten. "Im Freundes- und Familienkreis wird man schon öfters mal gefragt, ob man die IT fixen kann" , sagt der CTO und antwortet dann: "Ich kann nur Internet - und da auch nur die großen Kisten. Mit den kleinen Routern kenne ich mich nicht so gut aus."

Als CTO sei er inzwischen so sehr mit Managementtätigkeiten beschäftigt, dass er nicht mehr jeden Tag selbst in die Konfiguration von Routern auf der Konsolenebene einsteigen muss.

Statt mit privaten Fritzboxen arbeitet De-Cix ohnehin mit wandschrankgroßen Routern - zumindest teilweise noch. Momentan ist De-Cix dabei, die vor einem Jahrzehnt eingeführten 7950-XRS-40-Router gegen kleinere und leistungsstärkere Modelle auszutauschen. "Die neuen Geräte schaffen 216 Terabit pro Sekunde, also mehr als das Dreifache an Kapazität" , sagt King.

30 Prozent mehr Traffic pro Jahr

Diese Kapazitäten vorzuhalten, sei auch nötig, denn der Bedarf steigt ständig. "Wir sehen an Internet-Knoten wie Frankfurt ein Wachstum um 20 bis 30 Prozent an Traffic im Jahr" , sagt King. De-Cix laste seine Netze nie zu mehr als 63,5 Prozent aus.

Ein besonderer Anstieg sei während der Coronapandemie festzustellen gewesen. "Ich kann mich noch erinnern, als wir im März 2020 in den Lockdown gegangen sind" , erzählt King. "Damals hatten wir dieses Wachstum von 30 Prozent in einer Woche."

Traffic-Peaks erlebe man nicht nur in Ausnahmesituationen, sondern mehrmals im Jahr, "typischerweise im Frühling und im Herbst" , sagt King. "Im Sommer erzeugen wir alle weniger Traffic, da wir, anstatt ein Video zu streamen, draußen auf der Terrasse mit Freunden grillen."


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Wenn man den Wasserhahn aufdreht, soll Wasser rauskommen

"Wir sind eher risikoavers" , sagt King, da die Geschäftskunden von De-Cix auf die Verfügbarkeit des Dienstes angewiesen sind. Die im Dezember 2022 angekündigte Umstellung auf Peering LAN 2.0 fand im Livebetrieb statt - und wurde von De-Cix in einer Pressemitteilung als "Operation am offenen Herzen" beschrieben.

Die bereits angesprochene Umstellung der Router erfolgt deshalb auch dann, wenn die Kunden am wenigsten davon mitbekommen: nachts. "Es gibt bis zu drei Wartungsfenster pro Woche, in denen wir zwischen 30 und 120 von diesen Glasfaserkabeln umziehen" , erklärt King. 30 bis 120 von Tausenden. "Das schaffen wir natürlich nicht in einer Nacht, das zieht sich über Monate hin."

Dafür braucht sein Team Zeit für eine gute Vorbereitung. "Zeitdruck ist der Tod" , ist King überzeugt, "weil das Team dann die Risiken und Möglichkeiten nicht mehr abwägen kann."

"Natürlich hat auch dies Grenzen." Alle, die in der IT arbeiten, kennen das Paretoprinzip(öffnet im neuen Fenster) : "Die ersten 80 Prozent einer Lösung kosten 20 Prozent der Zeit, die letzten 20 Prozent kosten 80 Prozent der Zeit." Als Management-Team müsse man sehr gut überlegen, "wo genau man ein Risiko für eine kosteneffiziente Lösung akzeptieren möchte."

"Es interessiert Sie einen Kehricht"

King war 2011 selbst Gründer eines Start-ups, die für ihre oft missverstandene ʺmove fast and break thingsʺ-Philosophie verrufen sind . Damals ging es darum, "durch viele Iterationen schnell herauszufinden, was der Kundenbedarf ist."

Bei einem Infrastrukturanbieter sei das anders: "Uns sagt der Kunde ganz genau, was er will" - und das ist die Verfügbarkeit des Interconnection-Services. Bei Infrastruktur gehe es um ein Grundbedürfnis.

"Wenn Sie den Wasserhahn aufmachen, soll da Wasser rauskommen" , sagt King. "Es interessiert Sie einen Kehricht, was das Wasserwerk im Hintergrund alles tun muss, damit es funktioniert. Die Verfügbarkeit steht bei Infrastruktur über allem."

Dass die Arbeit seines Teams nur dann sichtbar wird, wenn etwas schiefgeht, frustriert King dennoch nicht. Wenn man in der Infrastrukturindustrie tätig sei, "dann ist das so" , sagt er. "Im Schwäbischen sagt man: Ned gschimpft isch globt gnug! Das heißt: Wenn der Kunde nicht schimpft, dann ist das genug Lob."


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