Weg mit der guten, funktionierenden Monitoring-Lösung!
Das waren rund 5 bis 10 Euro pro Server im Monat – ein unwesentlicher Bruchteil dessen, was die Firmen für die Server-Verwaltung durch uns bezahlen mussten. Und kostenlos stimmte in Bezug auf Nagios damals schon nicht: Kostenlos war nur das umständliche Nagios Core mit Dinosaurier-GUI, mit dem wir aber nicht auskamen. Zudem ist Nagios recht überladen, unnötig für das, was wir an Basic-Monitoring für unsere zumeist Kleinstkunden mit ihren ein, zwei Servern brauchten.
Aber Protestieren half nichts. Wie viele Stunden in die Einarbeitung, Einrichtung und Wartung geflossen sind – ich weiß es nicht mehr. Egal, Personalkosten sind schließlich keine Kosten, das Personal ist eh da.
Schlimmer geht immer
Nach einem halben Jahr kündigte man mir mit den Worten, IT sei nichts für mich. Machte nichts, ich hatte ohnehin keine Lust mehr, ohne Dokumentation irgendwas zu lösen und damit meine Arbeitszeit zu verbrennen. Eine Personalfirma für IT-Kräfte hatte kurz zuvor versucht, mich abzuwerben. Ohne größere Reflexion über die neue Stelle und Firma sagte ich zu.
Der Job schien auf den ersten Blick attraktiv: große Firma in interessanter Branche, gutes Gehalt, alles sehr strukturiert mit Einarbeitung und vor allem Dokumentation. Bezüglich Struktur war es so ziemlich das Gegenteil meines vorherigen Jobs. Doch schnell wurde mir klar: Der Laden war ein Tummelplatz für toxische Führungskräfte; die ganze Einarbeitung und Dokumentation, all die ISO-, ITIL- und Prince-Zertifizierungen waren nur schöne Fassade.
Die Führungsriege gab ihre fachfremden Vorstellungen über IT-Lösungen nach unten weiter und die mussten umgesetzt werden, egal, ob das jetzt technisch realistisch oder sinnvoll war. "Kann man dieses Touch-Key-Dingens nicht weglassen? Das macht alles kompliziert. Da kann doch niemand mehr produktiv arbeiten." Gemeint war das neu eingeführte 2FA. Die untergeordneten Führungskräfte duckten sich weg oder gaben den Druck noch weiter nach unten.
Etwa der Abteilungsleiter. "Meine Tür steht immer offen", war sein Lieblingsspruch. Er war nur fast nie da. Und mein Teamchef: vollkommen eingenommen von seinen Ideen, niemand durfte bessere Lösungen als er haben. Im Teammeeting mussten wir alle zustimmend nicken. Ich machte mehrmals den Fehler, das nicht zu tun und Alternativen vorzuschlagen.