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Sysadmin Day 2017: Zum Admin-Sein fehlen mir die Superkräfte

"Na endlich!" heißt es, wenn etwas klappt und wenn nicht, dann geht es dem Systemadministrator an den Kragen. Ich habe den Job total unterschätzt - und musste aufgeben, wo andere zu IT-Superhelden werden.

Ein Erfahrungsbericht von veröffentlicht am
Golem.de-Volontär und Ex-Sysadmin Oliver Nickel
Golem.de-Volontär und Ex-Sysadmin Oliver Nickel (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Olli, welches Notebook ist für mich das Beste? Olli, mein Windows bootet nicht mehr! Olli, Internet geht nicht! Schon meine ersten Erfahrungen als Admin im Familienkreis hätten mir eine Warnung sein sollen. Admins müssen immer und überall verfügbar sein und am besten alles wissen. Doch ich war unbedarft, naiv und voller Freude auf einen richtigen Job. Und so bewarb ich mich für eine Ausbildung als IT-Systemelektroniker bei einem großen Berliner Transportunternehmen. Wie schlimm konnte es schon werden?

Inhalt:
  1. Sysadmin Day 2017: Zum Admin-Sein fehlen mir die Superkräfte
  2. Auf der Suche nach dem Admin, der alles kann
  3. Wenns nicht klappt: Hängt den Admin!

Schließlich ist die Arbeit als Systemadministrator vielfältig, herausfordernd und gut bezahlt. Ein Admin ist der Retter in der Not, wenn wieder das Netzwerk streikt - und bekommt dafür den Dank, den er verdient. Er hat immer mit Menschen zu tun, die technische Probleme haben oder einfach nur informiert werden wollen. Außerdem wird der Job nie langweilig, denn der Admin lernt in der sich ständig wandelnden IT-Branche schnell neue Technologien kennen. Dachte ich.

Große Chancen rechnete ich mir zunächst nicht aus - schließlich war ich doch nur ein Gamer, der ein paar Rechner zusammengeschraubt hatte. Doch ich wurde eingeladen, erst zu einem Bewerbungstest, dann zum Bewerbungsgespräch. In einem kleinen Konferenzraum, der mit grauem Filzteppich ausgelegt war, saßen mir acht Personen an einem U-förmigen Tisch gegenüber. Das machte Angst - ich allein vor so vielen Leuten, unter Leistungsdruck. Die Aufgabe war dann total banal, ein WLAN eines Notebooks einzurichten. IP-Adresse eintragen, Subnetzmaske, Gateway, Bewerbung bestanden. Aber naja, ich stand ja auch noch ganz am Anfang.

Ein IT-Superheld als Ausbilder ...

Zusammen mit meinen drei Mitazubis war ich für die komplette IT-Infrastruktur des Ausbildungszentrums verantwortlich. Erst dachte ich mir: "Was für eine Mammutaufgabe!". Doch wir hatten ja Hilfe von unserem Ausbilder - fast schon ein Admin-Superheld. Er war ein richtiger Nerd, selbst für mich, der von seinem Umfeld schon als Computerfreak bezeichnet wurde. Für jedes technische Problem schien er eine Lösung zu kennen. Er war groß, etwa 1,90 Meter, doch durch seinen gekrümmten Rücken sah er kleiner aus. Die Fehlstellung war ein Tribut seiner Leidenschaft und seines Lebens als Administrator, der zu fast jeder Zeit vor einem Bildschirm sitzt. Er war sehr nach innen gekehrt, redete selten über etwas anderes als die Arbeit oder The Elder Scrolls 5: Skyrim und dessen Mods. Dafür hatte er sich extra ein Gaming-System gebaut, das so laut war, dass er es in einem anderen Raum seiner Wohnung aufgestellt hatte.

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Trotz der Schweigsamkeit hatte er etwas Warmherziges und Freundliches an sich - vielleicht war er zu freundlich. Von seinen Kollegen wurde er viel herumgeschubst, er musste oft Aufgaben in seiner Abteilung übernehmen, weil seine Mitausbilder darauf keine Lust hatten. Er sei komisch und unzugänglich, hieß es aus anderen Abteilungen. Auch die Azubis lachten hinter seinem Rücken - über seinen Gang oder sein ungebügeltes blaues Hemd, das in die Jeans gesteckt war. Den dicken Schlüsselbund konnte jeder schon auf 30 Meter klimpern hören. Dann wurde es immer still im Raum. Trotzdem blieb er meist gelassen, als hätte er von den Schikanen nichts mitbekommen.

... und ein Giftzwerg als Teamchef

Ganz anders war mein eigentlicher Teamchef - ein etwa 1,65 Meter großer Herr mit lauter Stimme und Halbglatze. Eine Situation geht mir bis heute nicht aus dem Kopf. Ich trage schwere Desktopcomputer und Röhrenmonitore im Laufschritt die Treppe hinunter. Mein Chef steht mit einem anderen Ausbilder am Geländer und unterhält sich über Familienprobleme. Als ich hechelnd an ihm vorbeieile, meckert er nur: "Mach mal ein bisschen schneller, du sollst arbeiten!"

Ab diesem Punkt hegte ich einen inneren Hass gegen ihn. Viele Admins haben leider dieses Problem: Ihnen wird vorgeworfen, nicht zu arbeiten und nur vorm Rechner zu sitzen. Dabei bleibt unbeachtet, dass der Admin vor Ort Systeme aufbauen und trotzdem immer erreichbar sein muss, wenn ein anderes System ausfällt. Oft gibt es sogar eine 24-Stunden-Rufbereitschaft, die für schlaflose Nächte sorgt. Trotzdem ist meist das Einzige, was ein Admin bekommt, ein müdes Händeschütteln vom Kunden.

Deutlich wurde das für mich, als ich im First Level Support arbeitete. In der IT-Hotline gingen täglich Hunderte Anrufe von mehr als Zehntausend Mitarbeitern ein, und ich saß am Headset. Oft waren Anrufer total genervt von ihren Problemen und dementsprechend geladen. Als Empfänger musste ich die Ruhe bewahren - und erst einmal verstehen, was überhaupt das Problem war, denn die Beschreibung fiel meist sehr kryptisch aus. Hatte ich ein Problem gelöst, kam der Dank: "Wurde aber auch Zeit!" Oder: "Endlich geht der Mist wieder!"

Auf der Suche nach dem Admin, der alles kann 
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bionade24 31. Dez 2017

Also meiner Meinung nach sind die Anforderungen nicht wirklich hoch, schon mit meinen 15...

Neuro-Chef 03. Dez 2017

Unter anderem deshalb studiere ich jetzt (und nutze die so gewonnene Freizeit auch, um...

iPlayZonTwitch 10. Aug 2017

Es ist nun mal Fakt das 99% aller Menschen auf der Welt nicht mal wissen wie ein CPU...

Kelran 09. Aug 2017

Die Aufstellung unterschreibe ich :-). Als Ergänzung von meiner Seite noch: Methodisches...


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