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Synthetische Kraftstoffe: E-Fuels im Straßenverkehr wären Politikversagen

Synthetische Kraftstoffe sind auf dem Weg zur CO2-Neutralität unverzichtbar. Ein Einsatz in Pkws käme jedoch dem Scheitern der Energiewende gleich.
/ Mario Petzold
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Das Karlsruher Unternehmen Ineratec zeigt sein E-Fuel-Angebot. (Bild: Getty Images/Mathieu Rabechault)
Das Karlsruher Unternehmen Ineratec zeigt sein E-Fuel-Angebot. Bild: Getty Images/Mathieu Rabechault
Inhalt
  1. Synthetische Kraftstoffe: E-Fuels im Straßenverkehr wären Politikversagen
  2. Stromengpässe und die Frage der Bezahlbarkeit

Der Lobbyverband eFuel Alliance e. V. und die Porsche Consulting GmbH, ein Tochterunternehmen der Porsche AG, haben eine Studie(öffnet im neuen Fenster) zum Marktpotenzial von synthetischen Kraftstoffen veröffentlicht. Von den beiden Akteuren ist natürlich keine vollends neutrale Auswertung zu erwarten, weshalb die Ergebnisse schnell zusammengefasst sind:

Der Bedarf an E-Fuels werde rasant steigen, weil allein die Ziele bei der Reduzierung von CO 2 zur Begrenzung der Erderwärmung deren Verwendung zwingend erfordern. Im globalen Schiffs- und insbesondere Flugverkehr gibt es noch keine realistischen Alternativen zu Energieträgern wie eMethanol, Ammoniak oder synthetischem Kerosin. Akkus sind zu schwer, Wasserstoff benötigt zu viel Platz.

Geht alles schief, fahren wir mit E-Fuels

Hinzu kommt laut der Studie ein hoher Bedarf für den Straßenverkehr, den die Politik nicht einkalkuliert. Während die EU davon ausgehe, dass spätestens 2050 Verbrennungsmotoren aus dem Straßenverkehr verschwunden sein werden, könnte der Gesamtbedarf laut den Berechnungen bei bis zu 200 Milliarden Litern pro Jahr liegen. Das wäre dreimal so viel synthetischer Kraftstoff, wie derzeit von der Politik eingeplant wird.

Damit dieser enorme Anstieg beim E-Fuel-Bedarf tatsächlich eintritt, müsste eine Vielzahl an Prognosen falsch liegen.

Das beginnt bei den Zulassungszahlen von batteriebetriebenen Fahrzeugen, die laut Studie bis 2030 unrealistisch schnell steigen müssten. Zahlen des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung(öffnet im neuen Fenster) zeigen aber etwas anderes: Demnach haben sich die weltweiten Neuzulassungen batterieelektrischer Fahrzeuge allein zwischen 2020 und 2025 versechsfacht. Das war in der Realität deutlich mehr als die Studie überhaupt fordert, um den E-Fuels-Verbrauch zu begrenzen.

Zu wenige Akkus, zu wenig Strom

Ähnlich düster soll es für die Batterieproduktion aussehen. Vor allem bei Nickel und Kobalt sehen die Studienautoren Engpässe voraus. Zugleich rechnen sie mit einer starken Erhöhung der Batteriekapazität pro Fahrzeug, so dass der Gesamtbedarf an Akkumulatoren noch schneller ansteigen würde. Gepaart mit einem zu langsamen Anstieg der Produktionskapazitäten wird es demnach nicht genügend Batterien für alle benötigten Neuwagen geben.

Voraussetzung für dieses Szenario ist jedoch weiterhin, dass Autos im Durchschnitt immer größer werden, immer mehr Energie benötigen, mehr Leistung und mehr Reichweite aufweisen werden. Das deckt sich leider mit den Beobachtungen der vergangenen Jahrzehnte, in denen der Verbrauch pro Kilometer immer weiter anstieg, obwohl die Motoren an sich effizienter geworden sind.


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