Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Sylvox-Outdoor-Fernseher im Praxistest: Das war Nits

Sonne, Wind, Regen und Spinnen machen dem Sylvox-Outdoor-TV nichts aus. Allerdings hat er Technikschwächen, die den Draußeneinsatz erschweren.
/ Dennis Ziesecke
2 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Die spiegelnde Oberfläche des Displays sorgt für Probleme, wenn die Sonne im falschen Winkel draufscheint. (Bild: Dennis Ziesecke)
Die spiegelnde Oberfläche des Displays sorgt für Probleme, wenn die Sonne im falschen Winkel draufscheint. Bild: Dennis Ziesecke

Die meisten Fernseher haben einen festen Platz in den Wohnungen ihrer Besitzer. Manche wollen ihr Gerät aber gelegentlich mit nach draußen nehmen: für eine Fußball-Übertragung auf der grünen Wiese oder Gaming unter freiem Himmel zum Beispiel.

Das Problem: Die meisten handelsüblichen Fernseher finden solche Ausflüge nicht so lustig wie ihre Besitzer. Die Bildqualität ringt mit der Helligkeit, jeder Regenschauer ist eine Bedrohung für die Technik. Und die meisten Beamer sind erst ab der Dämmerung eine brauchbare Alternative.

In dieser Nische arbeitet Sylvox, ein Hersteller von Fernsehern für den mobilen Einsatz und den Outdoor-Bereich. Wir haben einen der neuen Outdoor-Gaming-Fernseher getestet – fest entschlossen, das Gerät maximal zu stressen.

Schlechte Aufbauanleitung

Konkret handelte es sich um ein Modell mit 55 Zoll Diagonale mitsamt eines separat erhältlichen Ständers, der dank robuster Konstruktion und Rollen gut für den Einsatz auf der Terrasse geeignet ist. Dem Fernseher liegt kein Standfuß bei, es muss also immer entweder der Rollwagen oder eine Wandhalterung dazu bestellt werden.

Beim Aufbau des TV-Ständers war die beiliegende Anleitung eher störend als hilfreich. Sie ist nicht nur verwirrend geschrieben, sondern in Details auch schlicht falsch. Erst etwas später erreichte uns eine passende Anleitung als PDF.

Gelungen ist der Aufbau am Ende trotzdem, aber etwas mehr Sorgfalt des Herstellers wäre wünschenswert gewesen.

Klobig und schwer

Zudem ist der Fernseher schwer: Er wiegt mehr als 20 kg ohne den Standfuß. Das Gerät ist jedoch robust konstruiert, der Hersteller sorgt für die versprochene Resistenz gegen Wasser und Staub durch eine klobige Metallverkleidung.

Das führt dazu, dass der Fernseher sehr wuchtig und wenig zeitgemäß aussieht. Der breite Metallrahmen um das Display verströmt den Charme längst vergangener TV-Zeiten. Smart ist das Design jedenfalls nicht.

Anschlüsse sind nur auf der Unterseite vorhanden, die zudem mit einer anzuschraubenden Klappe abgedeckt sind. Spontan neue Signalquellen zu verbinden, ist also nur möglich, wenn auf den IP55-Schutz verzichtet wird.

Hohe Refreshrate für Games

Geboten werden drei HDMI-Anschlüsse, davon zwei HDMI 2.1, der dritte Port bietet nur HDMI 2.0. Für Netzwerkverbindungen gibt es Wi-Fi 5 und RJ45-LAN. USB 3.0 steht ebenso zur Verfügung wie ein TV-Tuner für DVB-S2/T2/C. Ton gibt der Fernseher über seine nach hinten gerichteten Lautsprecher sowie per optischem Ausgang und Klinke aus.

Das Panel löst mit 3.840 x 2.160 Pixeln auf, umgangssprachlich also 4K. Mit einer maximalen Helligkeit von – laut Hersteller – 1.000 Nits soll der Fernseher deutlich heller strahlen als klassische Innenraumgeräte. Hierzu später mehr.

Die Refreshrate – und das macht den Fernseher erst zum Gaming-Modell – liegt bei 120 Hz. Dank Auto Low Latency Mode (ALLM) und einer vergleichsweise geringen Latenz von 8 ms verspricht der Hersteller auch bei flotten Spielen ein flüssiges Erlebnis. Dazu kommt Freesync in Verbindung mit kompatiblen Endgeräten.

Schwache Bildqualität

In der Praxis dauert es nicht lange, den Fernseher auf seinen Rollwagen zu hieven und ihn in Betrieb zu nehmen, erfordert aber idealerweise mindestens zwei Personen. Die ebenfalls wasserdichte und recht klobige Fernbedienung ist keine größere Hilfe als bei anderen Fernsehern auch: Hier wurde ein Standardmodell in eine wasserdichte Hülle gebaut; Sonderfunktionen gibt es keine.

Google TV als Smart-Dienst ist trotzdem schnell eingerichtet. Ein Blick auf die Bildqualität zeigt jedoch schnell: Der Kaufpreis von 2.299 Euro (mit Rollwagen 2.498 Euro) wird nicht wegen des erstklassigen Bilds fällig, sondern eher wegen der IP55-Einstufung.

Tatsächlich offenbaren ein paar zum Test abgespielte Videos und Bilder den größten Schwachpunkt des Fernsehers – und der ist der Fernseher selbst. Die Bildqualität ist dem hohen Preis nicht angemessen.

Probleme mit Gegenlicht

Es handelt sich um ein einfaches LCD-Panel ohne QLED oder Dimming. Die Hintergrundbeleuchtung strahlt zwar hell – wie versprochen -, sie offenbart aber massives Clouding über den gesamten Bildschirm.

Die Farbwiedergabe ist ebenfalls auf eher durchschnittlichem Niveau. Im Menü des Fernsehers lassen sich verschiedene Farbprofile auswählen, die für ein subjektiv besseres Ergebnis sorgen als die Werkseinstellung.

Tests ergaben bei der maximalen Helligkeit aber nicht die versprochenen 1.000 Nits, sondern nur maximal gut 600. Das reicht für die meisten Outdoor-Anwendungszwecke zwar aus, ist aber deutlich weniger als angegeben. Das Display spiegelt zudem stark, was es bei Gegenlicht fast unbrauchbar macht.

Hörbare Belüftung

Die 12-Watt-Lautsprecher klingen kräftig und bieten sogar hörbaren Bass, sie verzerren in höheren Lautstärken aber. Am meisten hat man vom Ton, wenn man sich direkt hinter dem TV befindet: Die Lautsprecheröffnungen im Fernsehergehäuse sind nach hinten gerichtet.

Im Sommer wird es schnell warm, das merkt auch der Fernseher. Da er in einer massiven Metallhülle steckt, sorgt ein integrierter Lüfter dafür, dass die Technik nicht zu schnell überhitzt. An sehr heißen Tagen kann das trotzdem passieren – und an den meisten anderen ist der Lüfter etwas zu aufdringlich zu hören. Tests bei Minustemperaturen konnte der Autor noch nicht durchführen.

Outdoor-Gaming-Selbstversuch

Auch wenn der Fernseher wetterfest ist: Die restliche Gaming-Hardware – egal ob PS5, Xbox oder PC – ist es meistens nicht. Das hinderte uns aber nicht daran, es trotzdem auszuprobieren – im hintersten Teil des Gartens.

Im Gaming-Modus mit deaktivierten Bildoptimierern für Filme bietet der Sylvox-Fernseher tatsächlich ein latenzfreies Spielerlebnis mit vollen 120 Hz. Dank Freesync und Low-Latency-Modus verhält sich das Gerät dann nicht anders als ein großer Monitor.

Doch das spiegelnde Display erschwert bei Sonnenschein die Erkennung von Freund und Feind im Shooter deutlich. Bei Regen spielt es sich generell nicht so gut, auch der angeschlossene PC mag herbstliches Wetter nicht. Der ist jedoch schnell eingepackt und in Sicherheit gebracht – und der Fernseher bleibt draußen.

Wetterfest auch im tiefsten Herbst

Und das klappt gut. Inzwischen hat das Gerät fast drei Monate im Freien verbracht, wurde zwischenzeitlich von Spinnen bevölkert, wieder bereinigt und wieder bevölkert. Probleme gibt es trotz herbstlicher Stürme und heftiger Regenschauer bislang keine.

Der Fernseher trotzt den Elementen, wie es der Hersteller verspricht. Dank des hohen Gewichts von TV und Rollwagen konnte auch der Wind keinen Schaden anrichten.

Fazit

So verlockend es ist, einen Fernseher im Garten stehen zu haben, so zwiegespalten sind wir bei der Bewertung des Geräts. Was die Outdoor-Fähigkeiten angeht, erledigt der Fernseher seinen Job hervorragend. Der Schutz vor Feuchtigkeit ist dem Hersteller gut gelungen – bis hin zur wasserdichten Fernbedienung.

Bei einem Preis von über 2.000 Euro sollte aber auch eine angemessene Bildqualität dazugehören, und hier schwächelt der Sylvox. Das Panel ist bestenfalls untere Mittelklasse, bietet kein Dimming, kein QLED oder gar OLED. Features, die andere Fernseher selbst im niedrigen dreistelligen Preissegment bieten.

Für Biergärten oder die Außengastronomie ist der Fernseher gut geeignet, allerdings wäre da wohl trotzdem ein Modell mit besserem Bild vorzuziehen – auch unter Verzicht auf 120 Hz, da in diesen Locations meist nicht gezockt wird. Privatnutzer sollten sich hingegen genau überlegen, ob die Investition gerechtfertigt ist.


Relevante Themen