SXSW: Obama und die Unterwäsche

Mit dem US-Präsidenten als Stargast versucht das SXSW-Festival in Austin, das Misstrauen zwischen Politik und Technikbranche abzubauen. Doch auch Obama enttäuscht.

Artikel von Eike Kühl/Zeit Online veröffentlicht am
Obama auf dem SXSW 2016
Obama auf dem SXSW 2016 (Bild: Neilson Barnard/Getty Images for SXSW)

Auch in Austin war früher nicht alles besser, aber ein bisschen kleiner. Zum Beispiel South by Southwest (SXSW), das im Jahr 1987 als Musikfestival mit 700 Besuchern in der Stadt in Texas begann. Heute, 30 Jahre später, beherbergt es neben einem Film- und Musikfestival eine der wichtigsten und hippsten Technik- und Startup-Konferenzen der Welt, die mittlerweile mehr Besucher anzieht als die anderen beiden Festivalteile.

Inhalt:
  1. SXSW: Obama und die Unterwäsche
  2. Barack Obama ist Stargast

"Der Vibe hat sich komplett verändert", sagt Alan Berg. Er muss es wissen: Der Filmemacher lebt nicht nur in Austin, er hat vor einigen Jahren auch eine Dokumentation gedreht, die sich mit den Anfängen des Festivals beschäftigte. Einer Zeit, in der SXSW noch ein jährliches Treffen für Indie-Musiker und Bohemiens war und nicht "der Ort, an dem Twitter groß wurde", wie es seit 2007 in so ziemlich jedem Bericht über das Festival heißt. Auch, weil seitdem tatsächlich keine auf dem SXSW vorgestellte App mehr einen ähnlichen Erfolg schaffte.

Wer in diesen Tagen durch Downtown Austin läuft, sieht schnell, wer mittlerweile das SXSW dominiert. Unternehmen wie Sony, Samsung und Dell haben ganze Restaurants gekapert und in Werbezonen verwandelt. Neben stylischen jungen Menschen flanieren Anzugträger durch die Straßen und an jeder zweiten Ecke ruft ein Startup eine Happy Hour aus, um seine neueste App zu präsentieren, während in vielen Vorträgen in den Hotels rund um das Kongresszentrum Buzzwords wie Branding, Content und Engagement fallen.

Politik und Technikbranche auf Kuschelkurs

Anders gesagt: Die Unternehmen aus der Internet-, Medien- und Marketingbranche haben das SXSW längst zu ihrer eigenen Spielwiese gemacht. Und nun ist es an der Zeit, neue Freunde zu finden. Bereits in den vergangenen Jahren ließen sich US-Senatoren, Geheimdienstler und Mitarbeiter des Weißen Hauses in Austin blicken. Doch so stark wie in diesem Jahr war die Annäherung zwischen Politik und Technikbranche noch nicht zu spüren.

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Ein ganzer eigener Programmstrang des SXSW widmet sich dem Thema Government and Policy. In den Vorträgen geht es um die großen Themen wie ein angemessenes Urheberrecht für das digitale Zeitalter, Datenschutz und die Verwendung von Big Data. Aber es sind vor allem aktuelle und kommende Technologien, deren Entwicklung maßgeblich von der Politik und Gesetzgebung beeinflusst wird und die auf dem SXSW viel Aufmerksamkeit bekommen.

Vor vollem Haus erklärte etwa Chris Urmson von Google, wie das Unternehmen an seinem selbstfahrenden Auto arbeitet und welche Erfahrungen es dabei gemacht hat. Die Autos könnten, je nach Einschätzung, "in vielleicht drei oder dreißig Jahren auf den Markt kommen", sagt Urmson. Vermutlich stimme beides. Die Technologie selbst sei dabei nur ein Faktor, die Gesetzgebung ein anderer. Schließlich liegt es in deren Macht, die Technik zu erlauben, einzuschränken oder komplett zu verbieten.

Wenig Vertrauen in die Politik

Das Gleiche gilt für zwei weitere Schwerpunkte des diesjährigen South by Southwest: Roboter und das Internet der Dinge. Beide Technologien machen rasante Fortschritte; Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz und neuronaler Netzwerke führen zu immer neuen Anwendungsgebieten und das Internet der Dinge mitsamt seinen Auswirkungen und Angreifbarkeiten ist nicht mehr aufzuhalten, nur noch einzuschränken. Was unweigerlich zu der Frage führt: Können Politiker hier überhaupt noch angemessen entscheiden oder halten ihre Kompetenzen mit der technologischen Entwicklung nicht Schritt?

Geht es nach den Besuchern des SXSW, ist die Antwort klar: In einer Umfrage der Festivalveranstalter sagten 61 Prozent der Befragten, sie hätten mehr Vertrauen in technikbasierte Lösungen als in die Politik, wenn es um gesellschaftliche Probleme geht. Das könnte man mit einer hochnäsigen Einstellung der voll vernetzen und in der Regel besser gestellten SXSW-Besucher erklären. Es könnte aber auch unterstreichen, wie groß der Graben zwischen Politik und Internetszene mittlerweile ist.

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