Abo
  • Services:

SXSW-Konferenz: Aus Plato hätte unser Internet werden können

Nein, nicht der Philosoph. Plato war ein Computersystem aus den Sechzigern, damals schon mit Touchscreen, Chats und Onlinegames. Revolutionär, aber leider vergessen.

Artikel von Eike Kühl/Zeit Online veröffentlicht am
Ein Plato-Terminal im Jahr 1981
Ein Plato-Terminal im Jahr 1981 (Bild: Mtnman79/Wikipedia/CC BY 3.0)

Wer einen orangerot glühenden Computer aus den späten Sechzigerjahren nennen soll, landet vermutlich im Weltraum. HAL9000, der fiktive Rechner aus Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey, ist bis heute fest im kulturellen Gedächtnis verankert. Dass es etwa zur gleichen Zeit auch einen echten Computer mit orangefarbenem Display gab, wird dagegen meist vergessen. Dabei war Plato so etwas wie der Vorgänger der heutigen Cyberkultur und nahm Entwicklungen wie E-Mail, Onlinegames und sogar Emojis vorweg.

Inhalt:
  1. SXSW-Konferenz: Aus Plato hätte unser Internet werden können
  2. Chatrooms, Instant Messaging und sogar schon Identitätsschwindel

Brian Dear hat die vergangenen 32 Jahre und 1.000 Interviews damit verbracht, die Geschichte von Plato zu dokumentieren. Der Gründer der Veranstaltungswebseite Eventful hat darüber sogar ein Buch geschrieben. Im Herbst erschien The Friendly Orange Glow, das er auf dem South by Southwest Festival (SXSW) in Austin präsentierte. Schon bemerkenswert, geht es auf dem SXSW doch meist um den Blick in die Zukunft. Doch aus dem Schicksal von Plato könnten auch Entwicklerinnen und Entwickler von heute lernen, sagt Dear.

Für ihn ist "Plato eine der wenigen technologischen Entwicklungen, die niemals richtig untersucht wurden". Selbst im Computer History Museum im Silicon Valley wurde das System lange nicht einmal erwähnt, geschweige denn ausgestellt. Während das etwa zur gleichen Zeit entwickelte Arpanet als Vorläufer des heutigen Internets ausreichend dokumentiert sei, sei Plato nichts weiter als eine Fußnote in der Geschichte geblieben - ein System für Nerds und wenige Historiker. Das sei schade, um nicht zu sagen tragisch, sagt Dear.

Touchdisplays? Hatte Plato schon lange

Plato steht für Programmed Logic for Automated Teaching Operation. Es wurde Anfang der Sechzigerjahre an der Universität von Illinois als computergestützte Lernplattform entwickelt. Über Terminals, die aus einer Tastatur und einem Bildschirm bestanden, konnten Studierende unter anderem Kurse in Latein, Chemie, Mathe und Musik absolvieren. Mit einer Programmiersprache namens Tutor ließen sich mit dem entsprechenden Wissen neue Inhalte erstellen. 40 Jahre, ehe die ersten "echten" Onlinekurse im World Wide Web auftraten, konnten sich Studierende in Illinois also bereits Leistungen von Kursen anrechnen lassen, die sie auf einem Computer erreicht hatten.

Stellenmarkt
  1. SP_Data GmbH & Co. KG, Herford
  2. AraCom IT Services AG, Augsburg, München, Stuttgart, Bamberg

Der Durchbruch aber kam im Jahr 1972 mit der Einführung des Plato IV. Das orangefarbene Plasmadisplay wurde eingeführt, das Toucheingaben unterstützte. "Genau genommen unterstützte es sogar Multi-Touch-Eingaben, wie sie später Apple im iPhone verwendete", sagt Dear. Weil diese Eingaben aber zu viel Bandbreite und Rechenleistung verbrauchten, wurde die Funktion letztlich nicht eingesetzt. Dennoch konnten die Nutzerinnen Eingaben direkt über den Bildschirm tätigen und nicht bloß über eine externe Tastatur.

Plato IV kam auch an anderen Standorten in den USA und später in anderen Ländern zum Einsatz. 1975 befanden sich die Systeme an rund 150 Hochschulen und Unternehmen, die teilweise über Großrechner miteinander verbunden waren - Plato war somit eine Art Protointernet.

Den Nutzern blieb das Potenzial dieses miteinander verknüpften Systems nicht verborgen. Wieso dröge Mathekurse absolvieren, wenn man mit Plato doch so viel mehr machen konnte? "Plato war im Kern eine soziale Plattform", sagt Dear, "nur ahnten das weder die Entwickler noch die öffentlichen Geldgeber". Wohl aber die eifrigen Studenten an den Hochschulen, die das System nach und nach für ihre Zwecke "hackten".

Chatrooms, Instant Messaging und sogar schon Identitätsschwindel 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. (-40%) 11,99€
  2. 8,99€
  3. 8,49€
  4. 4,99€

ArcherV 14. Mär 2018

Nein aber als Admin schaffe ich in der Zeit dann logischerweise weniger. Ich arbeite ja...

Cyrano_B 14. Mär 2018

Das stimmt, Daemon und Darknet hab ich verschlungen damals :)

0xDEADC0DE 14. Mär 2018

Bunt bedeutet aber mehr als Hintergrundfarbe und Hauptfarbe. ;)

knallivd 14. Mär 2018

Das Buch dreht sich im Großteil um die Kultur. Es ist wirklich interessant zu lesen, wie...


Folgen Sie uns
       


Parrot Anafi Thermal angesehen

Die Anafi Thermal kann dank Wärmebildsensor Temperaturdaten von -10 bis 400° Celsius messen.

Parrot Anafi Thermal angesehen Video aufrufen
TES Blades im Test: Tolles Tamriel trollt
TES Blades im Test
Tolles Tamriel trollt

In jedem The Elder Scrolls verbringe ich viel Zeit in Tamriel, in TES Blades allerdings am Smartphone statt am PC oder an der Konsole. Mich überzeugen Atmosphäre und Kämpfe des Rollenspiels; der Aufbau der Stadt und der Charakter-Fortschritt aber werden geblockt durch kostspielige Trolle.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Bethesda TES Blades startet in den Early Access
  2. Bethesda The Elder Scrolls 6 erscheint für nächste Konsolengeneration

Days Gone angespielt: Zombies, Bikes und die Sache mit der Benzinpumpe
Days Gone angespielt
Zombies, Bikes und die Sache mit der Benzinpumpe

Mit dem nettesten Biker seit Full Throttle: Das Actionspiel Days Gone schickt uns auf der PS4 ins ebenso große wie offene Abenteuer. Trotz brutaler Elemente ist die Atmosphäre erstaunlich positiv - beim Ausprobieren wären wir am liebsten in der Welt geblieben.
Von Peter Steinlechner


    Elektromobilität: Was hat ein Kanu mit Autos zu tun?
    Elektromobilität
    Was hat ein Kanu mit Autos zu tun?

    Veteranen der deutschen Autoindustrie wollen mit Canoo den Fahrzeugbau und den Vertrieb revolutionieren. Zunächst scheitern die großen Köpfe aber an den kleinen Hürden der Startupwelt.
    Ein Bericht von Dirk Kunde

    1. EU Unfall-Fahrtenschreiber in Autos ab 2022 Pflicht
    2. Verkehrssenatorin Fahrverbot für Autos in Berlin gefordert
    3. Ventomobil Mit dem Windrad auf Rekordjagd

      •  /