Chatrooms, Instant Messaging und sogar schon Identitätsschwindel

So entdeckten Nutzer, wie man mit den Anwendungen, den Lessons, mit anderen Nutzern in Kontakt treten konnte. Nach und nach entstanden Lessons, die nichts mehr mit Lerninhalten zu tun hatten und die sich rasant verbreiteten. Noch bevor die PC-Revolution begann, nahm Plato Entwicklungen, wie sie später in Betriebssystemen und noch später in den App Stores auftraten, vorweg.

Schon 1974 waren auf dem Plato-System zahlreiche Funktionen zu finden, die heute zentrale Bestandteile der Onlinekultur sind: Plato enthielt Chatrooms und Instant Messaging (Term-Talk). Es bot Foren wie Plato Notes, dessen Entwickler später übrigens das bis heute erfolgreiche Lotus Notes schuf. Darin kreierten Nutzerinnen sogar komplexe Emojis, indem sie einzelne Buchstaben übereinanderlegten. Es gab auch schon Phänomene wie Phishing und Identitätsschwindel, und an einer Stelle drohte die US-Regierung, das System abzuschalten, weil in einem Forum ein Nutzer die Absetzung von US-Präsident Richard Nixon gefordert hatte.

Ein wichtiger Bestandteil waren zudem Games: Für Plato gab es den ersten Flugsimulator, der mit mehr als einem Nutzer funktionierte. Der Programmierer Silas Warner, der später das Spiel Castle Wolfenstein für den Apple II entwickelte, was den Protoegoshooter Wolfenstein 3D inspirierte, war ein früher Plato-Nutzer. An einer Stelle waren Games so beliebt, dass die Betreiber der Terminals sie nur noch zu bestimmten Tageszeiten erlaubten. "Das Ergebnis war, dass plötzlich Menschen zu Zeiten an die Uni kamen, in denen sonst nur die Hausmeister da waren", sagte Brian Dear während seines Vortrags auf dem SXSW.

"Plato war wie ein Freund, der dich mit warmen orangefarbenen Augen anschaute", schreibt Dear in seinem Buch. Es sei ein "digitales Galapagos" gewesen, das lange Zeit ohne kommerzielle Interessen auskam. Schließlich wurde das Projekt mit öffentlichen Geldern gefördert. Deshalb konnte es von einer Lernplattform zu einer komplexen Onlinecommunity wachsen. Plato war revolutionär - bis es zusammenbrach.

Das ist der tragische Teil der Geschichte. 1976 erwarb die Control Data Corporation (CDC) die Rechte an Plato. Die Verantwortlichen wollten das System als Lernplattform sowohl in Schulen als auch Unternehmen etablieren. Allerdings forderten sie hohe Summen für den Zugriff, so dass viele Interessenten absprangen und mit ihnen auch viele Ingenieure. Die weiteren Versuche, das System Anfang der Achtziger zu vermarkten, scheiterten. Gleichzeitig übernahmen Spielkonsolen und Heimcomputer viele der Funktionen, die Plato lange Zeit einzigartig machten. Ab Mitte der Achtzigerjahre wurden Plato-Systeme zunehmend abgeschaltet und gerieten in der Öffentlichkeit spätestens mit der Erfindung des World Wide Web in Vergessenheit. Heute ist es bis auf wenige Ausnahmen nur noch als Emulation im Browser zu finden - nicht zuletzt dank Enthusiasten wie Brian Dear.

Der hat zum Abschluss seines Vortrags in Austin noch einige mahnende Worte übrig: Plato wäre möglicherweise das geworden, was wir heute als World Wide Web verstehen. Doch die Verantwortlichen der CDC hätten die soziale Komponente und damit das für viele Nutzer wichtigste Feature des Systems ignoriert: "Die Geschichte von Plato ist eine Geschichte, wie man es nicht machen sollte", sagt Dear.

Für die in Austin allgegenwärtigen App-Entwickler, Startup-Gründer und Dienstanbieter heißt das: Hört auf die Bedürfnisse eurer Nutzer und passt eure Produkte an. In Zeiten, in denen selbst Facebook und Youtube in einer Identitätskrise stecken, klingt das ähnlich prophetisch, wie es Platon, Verzeihung, Plato zu seiner Zeit war.

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 SXSW-Konferenz: Aus Plato hätte unser Internet werden können
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ArcherV 14. Mär 2018

Nein aber als Admin schaffe ich in der Zeit dann logischerweise weniger. Ich arbeite ja...

Cyrano_B 14. Mär 2018

Das stimmt, Daemon und Darknet hab ich verschlungen damals :)

0xDEADC0DE 14. Mär 2018

Bunt bedeutet aber mehr als Hintergrundfarbe und Hauptfarbe. ;)



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