SXSW 2012: Konzerne unterwandern das Festival der Technik-Hippies

Das SXSW hat sich vom Kulturfestival zur Technikkonferenz entwickelt. Wirkliche Innovationen suchte man in diesem Jahr aber vergeblich. Dafür kamen Google und Microsoft.

Artikel veröffentlicht am , Eike Kühl/Zeit Online
Musiker Bruce Springsteen während einer SXSW-Keynote
Musiker Bruce Springsteen während einer SXSW-Keynote (Bild: Michael Buckner/Getty Images for SXSW)

Für jeweils zehn Tage im März ist das texanische Austin einer der angesagtesten Orte der USA. Dann findet das South by Southwest-Festival (SXSW) statt. Eigentlich ein Film- und Musikfest, hat sich die Veranstaltung zu einem Treffpunkt der Technikbranche entwickelt. SXSW Interactive, die interne Technikkonferenz, verbuchte 2010 erstmals mehr Besucher als das Filmfestival. In den letzten beiden Jahren stiegen die Besucherzahlen um je rund 40 Prozent - ein Rekord, der sich in diesem Jahr fortsetzen dürfte. Auch viele deutsche Startups machen sich inzwischen regelmäßig auf den Weg nach Texas.

Inhalt:
  1. SXSW 2012: Konzerne unterwandern das Festival der Technik-Hippies
  2. Längst nutzen große Firmen das Treffen für ihre PR

Denn das SXSW bietet ein attraktives Versuchsgelände. Nicht nur treffen Tausende junge und vermeintlich technikaffine Besucher zusammen, auch die Ausrichtung des Festivals ist besonders: Da sich viele Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten der Stadt befinden, fordert das SXSW von seinen Besuchern viel Organisation und Vernetzung. Damit fördert es genau die Produkte, die sich dieser Bedürfnisse annehmen. Mobil muss es sein, ortsgebunden und am besten auch noch "social". Dementsprechend waren in den vergangenen Jahren vor allem die Dienste erfolgreich, die sich die Verknüpfung aus Personen- und Ortsdaten zunutze machten.

Am Ende der Woche lässt sich allerdings sagen: Innovationen sucht man dieses Mal vergeblich. Mit Pinterest und Path hatten zwei der beliebtesten Netzwerke der letzten Monate den Sprung vom Geheimtipp zum Erfolg bereits vor dem SXSW geschafft. Was blieb, waren vor allem Dienste, die auf bekannten Ideen basierten.

So auch Highlight, ein Instrument, das nach der Auswertung des Technikblogs Mashable unter den Besuchern am meisten diskutiert wurde. Bei Highlight handelt es sich um einen sogenannten passiven Ortsdienst. Anders als Foursquare, bei dem die Nutzer sich aktiv an bestimmten Plätzen einloggen, findet Highlight automatisch andere Nutzer an gleichen Orten. Auch die Konkurrenten von Sonar, Glancee und Banjo (die beiden letzteren gibt es auch für Android) stellten ähnliche Produkte vor.

Die Funktionsweise dieser umgebungsbasierten ("ambient") sozialen Netzwerke ist nicht neu. Dienste wie Google Latitude basieren auf dem gleichen Prinzip. Neu ist allerdings, dass Highlight und Co. durch die Integration von Facebook- und Twitter-Profilen in der Lage sind, Nutzer mit gleichen Interessen oder aus der gleichen Branche zu finden. Als "einen lustigen Weg, mehr über Menschen zu erfahren" bezeichnet sich Highlight selbst auf seiner Website. Datenschützer der Electronic Frontier Foundation (EFF) fürchten derweil neue Gefahren, die durch diese Art der passiven Informationsfreigabe entstehen.

Andere Unternehmen nutzten die Woche in Austin weniger zur Vorstellung neuer Produkte als für PR-Arbeit. Der Fotodienst Instagram verkündete zur Freude vieler Besucher, bald eine Android-App zu veröffentlichen. Mit rund 27 Millionen iPhone-Nutzern gehört Instagram bereits jetzt zu den größten Foto-Communitys im Netz.

Soweit ist der Musikstreaming-Dienst Rdio noch nicht: Das Unternehmen des Skype-Gründers Janus Friis stellte auf dem SXSW ein komplett neues Interface vor, das nicht nur gut aussieht, sondern auch mehr Fokus auf die sozialen Aspekte des Musikhörens legt. Dennoch dürfte Rdio es weiterhin schwierig gegen die Konkurrenz von Spotify und iTunes haben.

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