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Switch-Joysticks austauschen: Mit dem Hall-Effekt gegen Joycon-Drifting

Seit es die Nintendo Switch gibt, kämpfen viele Nutzer mit driftenden Joycons. Wir haben neue Joysticks für eine hoffentlich dauerhafte Lösung eingebaut.
/ Tobias Költzsch
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Die Joycons mit den neuen Joysticks (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
Die Joycons mit den neuen Joysticks Bild: Tobias Költzsch/Golem.de

Wer eine Nintendo Switch besitzt, kennt das Problem vielleicht: Nachdem ein Joystick einer der beiden Joycons im Spiel wieder in die Ruheposition gelangt ist, wird die Bewegung auf dem Bildschirm mitunter weiter fortgeführt. Dieser sogenannte Joycon-Drift besteht seit Einführung der Konsole im Jahr 2017 und wurde bislang von Nintendo nicht gelöst(öffnet im neuen Fenster) .

Über die Jahre haben Nutzer einiges gegen das Driften versucht: Sie haben Kontaktspray in den Joystick gesprüht, an strategischen Stellen im Joycon-Controller Pappe untergelegt oder die Joysticks ausgetauscht - nicht immer gab es dauerhafte Abhilfe. Die Switch des Autors dieses Textes leidet seit einiger Zeit ebenfalls unter dem Joycon-Drift - umso passender, dass es seit Kurzem Ersatz-Joysticks von der chinesischen Firma Gulikit gibt, die das Problem dauerhaft beseitigen sollen.

Die neuen Joysticks verwenden den sogenannten Hall-Effekt, um die Bewegungen zu erfassen, reagieren also auf Veränderungen in einem magnetischen Feld. Mechanische Einwirkungen, die für den Joycon-Drift verantwortlich zu sein scheinen, dürften dadurch ausgeschlossen sein. Hall-Effekt-Schalter werden aufgrund ihrer Zuverlässigkeit bei manchen Tastaturen verwendet. Wir haben uns die Ersatzteile bestellt, sie eingebaut - und sind begeistert.

Joystick-Set kommt mit allen benötigten Werkzeugen

Das bei Amazon(öffnet im neuen Fenster) bestellbare Set von Gulikit besteht aus zwei neuen Joystick-Modulen, zwei Schraubendrehern, passenden Schrauben, einem Plektrum zum Öffnen der Joycon-Gehäuse, einer Kunststoffpinzette sowie zwei feschen Aufsätzen für die Joysticks. Wer kein passendes Werkzeug zu Hause hat, kommt mit den mitgelieferten Teilen prima zurecht. Die Schraubendreher sind für ihren Einsatzzweck gut geeignet und haben eine magnetische Spitze, was praktisch ist.

Der Austausch der Joysticks ist nicht besonders schwer: Nintendo hat die Joycons so konstruiert, dass sie leicht auseinandergenommen werden können. Alle Verbindungen sind mit Hilfe von Flachbandkabeln und ZIF-Steckern gelöst, löten müssen wir beim Austausch der Komponenten nicht. Lediglich mit den dünnen Flachbandkabeln sollte man aufpassen: Sie können bei zu starker Beanspruchung kaputtgehen. Bei normalem Handling sollte aber nichts schiefgehen.

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Eine Bauanleitung ist dem Set nicht beigelegt, das ist aber auch nicht nötig: Dank iFixit(öffnet im neuen Fenster) gibt es eine ausführliche und bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung und auch ein Video. Wer den Erklärungen genau folgt, sollte mit dem Tausch kein Problem haben. Die Bastler-Webseite gibt den Austausch der Joysticks mit dem Schwierigkeitsgrad Mittel an, was wahrscheinlich an der Vielzahl der zu lösenden Kabel liegt. Technisch gesehen ist die Reparatur nicht kompliziert.

Bei iFixit gibt es eine Anleitung für den linken(öffnet im neuen Fenster) und den rechten Joycon(öffnet im neuen Fenster) - die Unterscheidung ist nötig, da im rechten Controller noch eine Antenne verbaut ist und der Aufbau daher leicht unterschiedlich ist. Wer zuerst den linken Joycon auseinandergenommen hat, wird beim rechten aber auf zahlreiche bekannte Schritte treffen. Wir haben mit dem linken Joycon angefangen.

Joycons lassen sich leicht auseinandernehmen

Nachdem wir mit dem mitgelieferten Dreiflügel-Schraubendreher die vier Schrauben auf der Rückseite gelöst haben, können wir das Gehäuse mit Hilfe des mitgelieferten Plektrums einfach öffnen. Nach dem Aufklappen des Joycon lösen wir den Akkustecker, was mit einem sogenannten Spudger, einem kleinen Spatel aus Kunststoff, sicherlich einfacher ist als mit unserer Kunststoffpinzette. Der Akkustecker ist recht robust, weshalb man ihn gut heraushebeln kann.

Anschließend entfernen wir den Akku und lösen die Schrauben des Mittelgehäuses - dafür verwenden wir den mitgelieferten Kreuzschlitzschraubendreher. Dann müssen wir einige Flachbandkabel lösen, was unproblematisch ist. Bei Flachbandkabeln kann es aber mitunter etwas fummelig sein, sie wieder in die Stecker zu manövrieren, vor allem, da die Kabel in der Regel recht knapp bemessen sind. Beim Herausziehen würden wir, um die Kabel nicht zu beschädigen, eine Kunststoffpinzette nehmen und keine aus Metall mit spitzen Enden.

Konstruktion ist DIY-freundlich

Nach den Flachbandkabeln lösen wir zwei Schrauben vom Joystick-Modul und entfernen dieses. Nintendo mag zwar keine guten Joysticks in der Switch verbaut haben, die Konstruktion der Joycons ist aber sehr nutzerfreundlich: Lediglich der Akku wird mit zwei winzigen Klebepads gehalten, ansonsten gibt es für uns weder Kleber noch Lötstellen zu lösen.

Das neue Joystick-Modul bauen wir einfach an der Stelle des alten ein und folgen der Anleitung rückwärts, um den Controller wieder zusammenzubauen. Beim rechten Joycon folgen wir der zweiten Anleitung und erledigen mehr oder weniger die gleichen Schritte. Vor dem Lösen des Mittelgehäuses entfernen wir aber noch die Antenne, deren Stecker sich einfach mit einer Pinzette lösen lässt.

Der Austausch der Joysticks dauerte bei uns nicht länger als 15 Minuten, wir haben allerdings auch Erfahrung in Bastelprojekten. Wer sich das erste Mal an eine solche Operation wagt, sollte sich ruhig mehr Zeit nehmen. Vor allem bei den Flachbandkabeln lohnt sich eine ruhige Hand und vorsichtiges Vorgehen: Ist ein derartiges Kabel einmal kaputt, ist es für Laien eher nicht mehr zu reparieren.

Wem die Fotos bei iFixit nicht ausreichen, kann während der Auseinanderbauens auch eigene anfertigen. Das kann beispielsweise helfen, den korrekten Sitz der Flachbandkabel zu überprüfen, und es kostet kaum Zeit.

Neue Joysticks müssen kalibriert werden

Unsere verbesserten Joycons haben wir nach der Reparatur wieder auf die Switch geschoben und die Konsole einmal neu gestartet. Wie zu erwarten war, befanden sich die Joysticks anschließend nicht mehr in der Nullstellung; dies lässt sich aber anders als der Joycon-Drift mit Hilfe der Kalibrierungsfunktion in den Einstellungen der Switch beheben.

Unter Controller und Sensoren findet sich der Menüpunkt Controller Sticks kalibrieren. Dort ist direkt die Fehlstellung der neuen Joysticks zu erkennen. Die Kalibrierung ist einfach und dauert nur wenige Sekunden; danach sind beide Sticks perfekt ausgerichtet - also können wir sie endlich ausprobieren.

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Wir spielen zunächst eine Runde Bioshock, danach etwas Zelda und Doom und stellen fest: Der Joycon-Drift ist verschwunden. Zugegeben, alles andere wäre nach dem Einbau neuer Joysticks auch verwunderlich gewesen - entscheidend wird sein, ob der Drift tatsächlich nicht mehr auftaucht. Angesichts der Verwendung von Hall-Effekt-Sensoren machen wir uns allerdings keine Sorgen.

Neue Joysticks fühlen sich besser an als die alten

Vom Spielgefühl her bemerken wir verglichen mit unseren alten Joysticks einen Unterschied - und zwar einen positiven: Anders als die alten Sticks haben die neuen von Gulikit kein nennenswertes Spiel. Die Original-Joysticks lassen sich in der Ruhestellung leicht hin- und herbewegen, bei den neuen sitzt die Kappe absolut fest. Entsprechend ist die Steuerung für unseren Geschmack direkter und geschmeidiger, die Deadzone ist sehr klein. Die Joysticks reagieren also bei Bewegungen sehr schnell, sie sind empfindlicher.

Bewegen wir die Joysticks in 360-Grad-Kreisen, fallen uns bei den Originalteilen von Nintendo kleine Unregelmäßigkeiten auf, die die Gulikit-Joysticks nicht haben. Dies dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass bei den neuen Sticks keine mechanische Abtastung der Bewegung erfolgt.

Verfügbarkeit und Fazit: Gulikit-Joysticks für Joycons

Die Joysticks für Nintendos Joycons sind bei Amazon(öffnet im neuen Fenster) erhältlich und kosten knapp 32 Euro. Neben zwei Joysticks sind alle notwendigen Werkzeuge enthalten. Eine bebilderte Anleitung gibt es kostenlos bei iFixit(öffnet im neuen Fenster) .

Fazit

Für uns hat sich der Umbau unserer Joycons auf die Gulikit-Joysticks schon jetzt gelohnt - unabhängig davon, ob das Drift-Problem tatsächlich in Zukunft nicht mehr auftreten wird (was angesichts der Hall-Effekt-Sensoren wahrscheinlich ist). Die Qualität der Joysticks ist nämlich wesentlich höher als die der Nintendo-Originalteile.

Das mag auch damit zusammenhängen, dass unsere Switch nicht mehr die Jüngste ist: Im Laufe der Zeit nutzen sich mechanische Bauteile ab und verdrecken, natürlich auch Joysticks. Natürlich hätten wir auch einfach neue Joycons kaufen können - aus Nachhaltigkeitsgründen ist es aber nicht verkehrt, einfach neue Joysticks in die alten Controller einzubauen, sofern die restlichen Bedienelemente noch gut funktionieren. Zudem sind die Ersatz-Joysticks günstiger als neue Joycons von Nintendo.

Der komplette Austausch der Joysticks dürfte zudem lohnenswerter sein als Reparaturversuche wie das Einsprühen von Kontaktspray in den alten Joystick. Bei einer derartigen Lösung wird zudem eventueller Schmutz nicht beseitigt.

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Die Hall-Effekt-Joysticks von Gulikit dürften vom Abtastmechanismus her wesentlich langlebiger sein als andere, mechanisch arbeitende Ersatzteile - und auch langlebiger als die Joysticks von Drittanbieter-Joycons. Der recht günstige Preis sowie das mitgelieferte Zubehör machen das Gulikit-Set zusätzlich attraktiv.

Nach der ersten Begeisterung müssen sich die Gulikit-Joysticks nun noch längerfristig bewähren. Wir haben ein Auge auf unsere Switch und beobachten, ob der Joycon-Drift wirklich nicht mehr auftritt.


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