Suunto Vertical im Test: Garmin-Fenix-Konkurrent ist fit bei Akku und Offlinekarten
Es soll nicht einfach so weitergehen, sondern aufwärts und nach oben: Das ist laut Hersteller der Gedanke hinter dem Namen Vertical, den das finnische Unternehmen Suunto(öffnet im neuen Fenster) seiner neuesten Sportuhr verpasst hat, das eigentlich das Nachfolgemodell der Ende 2022 veröffentlichten 9 Peak Pro ist ( Test auf Golem.de ).
Beim Tragen erweist sich die Vertical als erstaunlich großer Schritt, und zwar nach vorne – bergsteigen waren wir damit nicht.
Eine wichtige Verbesserung ist die sehr gute Akkulaufzeit, dank der sich die Sportuhr auf Augenhöhe und darüber mit den Langläufern Garmin Enduro 2 (gehört zur Fenix-Familie) und der Coros Vertix 2 (g+) bewegt.
Die Stahlversion der Vertical kommt im Smartwatch-Modus auf bis zu 30 Tage, das teurere Modell aus Titan schafft dank Solarlinse bis zu 60 Tage bei Sonnenschein.
Die Solarladefläche ist, ähnlich wie bei der Fenix von Garmin, ein Ring unter dem Zifferblatt, der bei Suunto allerdings wesentlich breiter ausfällt. Das Stahlmodell nutzt diese Fläche nicht.
Die zweite große Neuerung und eine Premiere im Ökosystem von Suunto sind Offlinekarten. Damit können wir beim Laufen oder Wandern direkt auf dem Zifferblatt unsere geplante Strecke einblenden und sie ohne Smartphone oder Wanderkarte ablaufen.
Beim Test hat das auf Anhieb hervorragend geklappt – besser und unkomplizierter als der Einstieg in die Offlinekarten beim wichtigsten Rivalen Garmin Fenix. Die Vertical zeigt von Anfang an einen sinnvollen Kartenausschnitt, ruckelt weniger und die gesamte Bedienung wirkt unkompliziert
| Suunto Vertical | Garmin Enduro 2 | Coros Vertix 2 | |
| Größe | 49 x 49 x 13,6 mm | 51 x 51 x 15,6 mm | 50,3 x 50,3 x 15,7 mm |
| Gewicht mit Silikonband | 74 Gramm (Stahl-Version: 86 Gramm) | 89 Gramm | 89 Gramm |
| Smartwatch-Modus: Akku mit Solar | 60 Tage | 46 Tage | - |
| Smartwatch-Modus: Akku ohne Solar | 30 Tage | 34 Tage | 60 Tage |
| GPS (Basis): Akku mit Solar | 85 Stunden | 150 Stunden | - |
| GPS (Basis): Akku ohne Solar | 60 Stunden | 110 Stunden | 140 Stunden |
| Display-Größe, -Auflösung und -Typ | 1,4 Zoll mit 280 x 280 Pixel (MIP) | 1,4 Zoll mit 280 x 280 Pixel (MIP) | 1,4 Zoll mit 280 x 280 Pixel (MIP) |
| Erscheinungsjahr | 2023 | 2022 | 2021 |
Hinzu kommt, dass wir direkt in der App (iOS und Android) auf vergleichsweise einfache Art unsere Routen anlegen können – sogar mit Heatmaps. Das geht zwar auch bei Garmin, ist dort aber fummeliger.
Über die Offlinekarten könnten wir hier noch viel schreiben, uns sind vor allem zwei Punkte aufgefallen. Erstens: Die Karten von Suunto sind (anders als bei Garmin) nicht routingfähig. Wir sehen im Grunde lediglich eine Bitmap unter den GPX-Streckendaten – was uns in der Praxis aber überhaupt nicht auffällt, Abbiegehinweise gibt es ja trotzdem.
Allerdings ist es nicht möglich, direkt auf der Uhr eine neue Streckenführung anzulegen. Wenn wir uns beim Joggen verlaufen, können wir mit der Suunto nur den exakt gleichen Weg zurücklegen oder eine gerade Linie zum Startpunkt anzeigen lassen.
Bei Garmin könnten wir zusätzlich auf der Uhr eine neue Strecke anlegen – in der Stadt kann das schon praktisch sein. Der Autor dieses Tests hat von dieser Möglichkeit in den vergangenen vier oder fünf Jahren zweimal tatsächlich (also nicht wegen eines Tests) Gebrauch gemacht.

Der zweite wichtige Punkt: Bei Garmin können wir das Kartenmaterial von ganz Europa auf einmal in den Speicher laden, bei Suunto klappt das so nicht. Stattdessen müssen wir einzelne Gebiete – Brandenburg oder Niederbayern – downloaden. Das geht nur über WLAN, in den meisten Hotels drohen Probleme mit Anmeldeseiten und Ähnlichem.
Zwar kann man nach und nach die Gebiete von Deutschland (rund 7 GByte) in den 32 GByte großen Speicher übertragen, das ist aber ziemlich umständlich. Sprich: Wer viel verreist oder ständig Sport an anderen Orten macht, muss im Voraus planen.
Suunto Vertical: Verfügbarkeit und Fazit
Von den Karten und dem Akku abgesehen, fällt bei der Suunto noch ein besseres Display als beim Vorgängermodell auf. Es ist in nahezu allen Fällen gut ablesbar, setzt allerdings weiterhin auf die MIP-Technologie. Sprich: Bei Sonnenlicht ist es super, bei Dunkelheit muss man die Hintergrundbeleuchtung aktivieren.
Die Bedienung erfolgt per Touch und mit drei Tasten an der rechten Seite. Das klappt mittelprächtig, weil die Vertical oft unangenehm ruckelt und Menüebenen spür- und sichtbar lange laden. Hier wünschen wir uns dringend weitere Optimierungen.
Eine dezidierte Zurück-Taste gibt es nicht, so dass man entweder wieder nach oben scrollen, per Touch-Bewegungen oder mit einem langen Drücken der mittleren Taste in die Ebene davor oder ins Hauptmenü gelangt.
Noch mehr Verbesserungsbedarf gibt es bei der optischen Herzfrequenzmessung. Beim Laufen hat sie bei uns gut funktioniert, praktisch immer haben wir die gleichen Werte wie mit dem alternativen Brustgurt.
Ganz anders beim Radfahren: Hier hat die Vertical meist über Kilometer hinweg viel zu niedrige Herzfrequenzwerte angezeigt – etwa um die 60 bei einer Fahrt mit Gegenwind, bei dem die andere Pulsmessung auf über 130 Schläge kam. Immerhin: Wer mag, kann einen externen Herzfrequenzsensor koppeln.
Die Erfassung von Routen und Positionsdaten gefällt uns sehr gut: Im leistungsstärksten GPS-Modus mit Multifrequenz und Multiband findet das Wearable fast immer sofort die Satellitensignale, das Tracking hat erstklassig funktioniert – auch unter dichtem Laubwerk.
Neben 95 Sportprofilen und Trainingsberatern gibt es auf der Vertical einen Schrittzähler, eine Schätzung des Kalorienverbrauchs, eine Schlafanalyse und weitere typische Funktionen von Sportuhren.
Höhenmesser, Barometer und Kompass sind eingebaut. Die Vertical wird wie der Vorgänger mit erneuerbarer Energie bei Suunto in Finnland produziert.
Die Suunto Vertical kostet mit Gehäuse aus Stahl und ohne Solar rund 600 Euro. Die Titanversion mit Solarladelinse ist für 800 Euro zu haben. Die Uhren sind laut Hersteller bis 100 Meter wasserdicht. Beide Modelle gibt es mit Armbändern in unterschiedlichen Farben.
Fazit
Mit der sehr guten Akkulaufzeit haben wir natürlich wegen des Datenblatts schon vor dem Tragen der Suunto Vertical gerechnet. Die neue Navigation hat uns dann aber überrascht: Die Offlinekarten sind sehr gut abzulesen und mit sinnvollen Abbiegehinweisen und sonstigen Funktionen versehen, das Erstellen der Routen per App funktioniert prima.
Auch wenn die Offlinekarten bei Garmin aus technischer Sicht besser sind und es mehr Optionen gibt: Wer einfach mit wenigen Klicks eine Strecke erstellen und ohne Smartphone und Mobildaten losrennen will, kommt mit Suunto schneller ans Ziel.
GPS und die schon angesprochene Akkulaufzeit sind klasse, bei der Herzfrequenzmessung und bei den teils echt nervigen Rucklern hoffen wir sehr auf Nachbesserung. Das Display der Vertical gewinnt keinen Schönheitspreis, erfüllt aber seinen Zweck. Die Verarbeitung wirkt hochwertig.
Wir wünschen uns von Suunto noch ein grundlegendes Aufräumen und Aufhübschen der Menüs und Optionen. Die Bedienung per Touch mit drei Tasten und dem umständlichen Zurück klappt nach Eingewöhnung zwar ordentlich, aber Spaß im engeren Sinne macht das nur bedingt. Wer so ein tolles Navi fürs Handgelenk herbeizaubert, sollte auch den Rest (noch) besser hinkriegen!
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