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Surface Pro im Test: Microsofts Tablet überzeugt als Notebook

Ein bisschen dicker, ein bisschen schwerer und dafür viel schneller: Das ist Microsofts Surface Pro im Vergleich zum Surface RT. Wir haben das Windows-8 -Gerät auf seine Stärken hin untersucht und stellen fest, dass auch Microsoft Probleme mit einem kleinen Full-HD-Display hat.
/ Andreas Sebayang
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Das Surface Pro hat einen schnelleren Prozessor und einen Stift für Notizen. (Bild: Nina Sebayang/Golem.de)
Das Surface Pro hat einen schnelleren Prozessor und einen Stift für Notizen. Bild: Nina Sebayang/Golem.de

Microsoft ist unter die PC-Hersteller gegangen und hat mit dem Surface Pro ein Tablet auf den Markt gebracht, das als Referenz für zukünftige Hardware gelten soll. Als Gerät außerhalb des Geschäftskundenmarkts, wo Tablet-PCs ihre Nische gefunden haben, hat es kaum Konkurrenz im Windows-Lager. Dabei ist das Surface Pro nicht nur ein Tablet, sondern hat auch Funktionen von Tablet-PCs. Das macht den Rechner für Privatanwender und Firmen interessant. Wir haben uns angesehen, ob Microsoft sein Wissen um Windows 8 gut nutzen und die mangelnde Erfahrung beim Bau von Rechnern ausgleichen kann. In unserem Test werden wir auch auf die Unterschiede zwischen Surface RT und Surface Pro eingehen.

Microsoft Surface Pro - Test
Microsoft Surface Pro - Test (02:46)

Das hier getestete Surface Pro wird mit Windows 8 Professional ausgeliefert. Es bietet also mehr Möglichkeiten als das von uns bereits getestete Surface RT mit Windows RT , das eher zur Heimvariante zu zählen ist.

Surface Pro und Surface RT äußerlich kaum zu unterscheiden

Microsoft fällt es nicht nur schwer, die Unterschiede zwischen Windows 8 und Windows RT zu erklären. Auch Surface RT und Surface Pro voneinander im Geschäft zu unterscheiden, ist nicht einfach. Äußerlich ist im ausgeschalteten Zustand in der Vorderansicht kein Unterschied auszumachen. Beide Geräte haben ein spiegelndes 10,6-Zoll-Display und an derselben Stelle eine Webcam. Die Konstruktion ist bei beiden sehr gut.

Gute Lautsprecher und Unterschiede im Detail

Der Blick von der Seite offenbart einen Unterschied: Das Surface Pro ist mit über 13 mm deutlich dicker als das Surface RT mit seinen 9 mm. Das macht die Pro-Variante weniger handlich.

Vom Surface RT übernimmt Microsoft einige ziemlich clevere Ansätze für mobile Rechner. Dazu gehört etwa der ausklappbare Standfuß auf der Rückseite, mit dem das Tablet zumindest quer stabil aufgestellt werden kann. Wer mutig ist, kann es auch hochkant aufstellen. Bei dem Gewicht würden wir das bei der Pro-Variante aber nicht empfehlen.

Bei den Anschlüssen gibt es Detailunterschiede. So liegt der USB-Anschluss beim Pro-Gerät auf der linken Seite und der Displayausgang etwas ungünstig unterhalb des Stromanschlusses auf der rechten Seite.

Bessere Lautsprecherkonstruktion

Ein Unterschied ist hörbar, und zwar nicht beim selbst bei kurzen Lasten erstaunlich ruhigen Lüfter, sondern bei den Lautsprechern. Während unser Windows-RT-Tablet bei Systemklängen hörbare Vibrationen erzeugt und so den Ton stört, hat das Surface Pro diese Probleme nicht. Musik hören macht mit dem Surface Pro richtig Spaß, während sie beim RT-Gerät etwas blechern klingt. Zudem strahlt der Stereoton über die gesamte Rückseite ab. Dem Anwender passiert es bei der Pro-Variante nicht so leicht, dass er versehentlich den Ton mit dem Finger dämpft. Microsoft hat für die Tonerzeugung im Surface Pro deutlich mehr Volumen als das dünne RT-Tablet, und das hört man auch. Der Klang ist voller.

Ersteinrichtung und Hardwareausstattung

Unser Surface Pro mussten wir erst einmal aktivieren, was uns etwas wunderte. Eventuell ist das bei den Handelsversionen nicht notwendig. Microsoft installiert auf das Surface Pro Windows 8 Pro in der 64-Bit-Version. Diese lohnt sich auch bei den fest eingebauten 4 GByte RAM. So stehen dem System immerhin 3,9 GByte zur Verfügung.

Unser Muster hat 128 GByte in Form einer mSATA-SSD von Micron (RealSSD C400). Das halten wir für eine vernünftige Größe für ein Windows-Tablet. Nach dem Einschalten standen uns immerhin noch 88 GByte zur Verfügung. Den Rest nimmt Windows ein und fast 8 GByte reserviert Microsoft für die Recovery-Partition. Sinnvoller wäre es, diese auf einem USB-Stick mitzuliefern, statt einen erheblichen Teil des Festspeichers zu belegen. Dass SSD-Speicher nicht gerade billig ist, interessiert die meisten PC-Hersteller nicht. Da ist Microsoft keine Ausnahme.

Full-HD auf einem 10,6-Zoll-Bildschirm

Bei der Ersteinrichtung ist uns gleich aufgefallen, dass die Auflösung erheblich höher ist als beim Surface RT. Statt 1.366 x 768 Pixeln sind es 1.920 x 1.080 Pixel. Diese in der Standardeinstellung mit den Fingern zu treffen, ist bei 10,6 Zoll in der Diagonalen eine Herausforderung. Wer Windows-Touch gewöhnt ist, beherrscht das trotzdem recht schnell. Anstrengend ist die teils pixelgenaue Ansteuerung unter Windows trotzdem. Auch Windows 8 fehlen auf dem Desktop größere Trefferzonen um Bedienungselemente herum, wie etwa Slider, die unter iOS oder Android selbstverständlich sind. Mit der Modern-UI-Oberfläche allein lässt sich nicht vernünftig arbeiten.

Schnelles Patchen

Wie bei jedem Windows-Gerät ist erst einmal eine größere Patchaktion notwendig, anhand derer wir auch gleich einen Akkupraxistest durchgeführt haben. Die Patches lassen sich dank des Core i5-3317U mit seinen zwei Kernen à 1,7 GHz angenehm schnell installieren. Zudem mussten nur 35 Patches eingespielt werden. Microsoft installiert lobenswerterweise ein recht aktuelles Image des Betriebssystems. Bei PC-Herstellern ist das nicht selbstverständlich. Für Unternehmen interessant ist zudem das Surface Pro firmware and driver pack(öffnet im neuen Fenster) , eine Art kumulatives Update-Pack aller vorangegangenen Updates. Das erspart dem Admin bei der Erstellung spezieller Installationen etwas Arbeit. Solche Optionen gibt es seitens der PC-Hersteller, wenn überhaupt, nur bei Geschäftskundenhardware.

Das Surface Pro unterstützt auch USB 3.0. Microsoft verzichtet aber, vermutlich aus Designgründen, auf jeglichen Superspeed-Hinweis. Weder ist der Anschluss blau gefärbt noch gibt es das Superspeed-Logo am Anschluss. Wir haben nur einen kurzen Test (AS SSD und Crystal Disk Mark) mit einem USB-Stick von Sony (Micro Vault Match) gemacht und erreichten lesend die zu erwartenden 190 MByte/s und schreibend 50 MByte/s. Der USB-Anschluss tut also, was er soll. Die interne SSD erreicht 470 beziehungsweise 193 MByte/s, was für ein Tablet ziemlich viel ist. Der USB-Stick kann also die Daten schnell genug zum Tablet bringen, was wir in der Praxis mit einigen Dateitransfers auch bestätigen können.

Die restliche Hardware ist zumindest vom Funktionsumfang genauso wie die des Windows-RT-Geräts. Auch beim Pro-Tablet gibt es Dual-Band-WLAN entsprechend IEEE 802.11a/n (5 GHz) und 802.11b/g/n (2,4 GHz) sowie Bluetooth 4.0. Auch einen Micro-SDXC-Schacht besitzt das Surface Pro. Wir mussten ihn aber erst einmal suchen, da er nicht an derselben Stelle wie beim Surface RT ist. Das Loch dafür liegt oben rechts und hat wie der USB-Anschluss keine Beschriftung. Eine eingesteckte SD-Karte guckt nicht aus dem Gerät raus. Mit der mangelnden Beschriftung treibt es Microsoft sogar noch weiter als Apple, dem sein Minimalismus durchaus vorgeworfen wird.

Mit einer Micro-SDHC-Karte im UHS-1-Modus haben wir Datenraten von rund 59 MByte/s schreibend und 70 MByte lesend im Lesegerät erreichen können. Gemessen wurde mit einer Sandisk Extreme Pro mit 16 GByte Kapazität.

Kompatibles Zubehör

Das Zubehör der Surface-Geräte ist kompatibel. Das magnetische Netzteil eines Surface Pro funktioniert auch am Surface RT und hat zusätzlich einen USB-Anschluss für das Aufladen von Kleingeräten. Selbst das RT-Netzteil arbeitet entgegen Microsofts Beschreibung am Surface Pro. Da es etwas schwächer ist - laut unseren Messungen zieht es nur 27 Watt aus dem Stromnetz -, lädt es das Surface Pro langsamer auf. Dafür ist es kleiner und handlicher. Mit dem zugehörigen Netzteil lädt das Surface Pro im eingeschalteten Zustand immerhin mit 37 Watt auf. Zum Vergleich: Der Akku des Surface RT wird an beiden Netzteilen bei aktivem Bildschirm mit etwa 25 Watt aufgeladen.

Type- und Touch-Cover unterscheiden sich ebenfalls nicht und können ohne Probleme zwischen Surface Pro und Surface RT gewechselt werden. Type- und Touch-Cover kosten leider extra. Mit jeweils über 100 Euro ist die USB-Tastatur, die wegen des proprietären USB-Anschlusses nur an Surface-Geräten verwendet werden kann, sehr teuer. Derzeit bietet Microsoft nur beim Surface RT als kostenlose Zugabe eines der beiden Cover an .

Das Tippgefühl des Type-Covers gefällt uns besser, auch wenn die Tastatur recht laut ist. An das schön dünne Touch-Cover konnten wir uns nicht so recht gewöhnen. Es lässt sich zwar durchaus damit arbeiten, nervig ist allerdings, dass die F-Tasten-Symbole nicht aufgedruckt sind. Unter Windows RT fehlten sie uns nicht, als wir aber mit dem Dateimanager Total Commander arbeiten wollten, mussten wir die F-Tasten abzählen, um einen neuen Ordner zu erstellen (Fn+F7).

Inkompatibles Zubehör

Zwischen den beiden Microsoft-Tablets gibt es auch Unterschiede. Während das Surface RT auf Micro-HDMI als Anschluss für externe Monitore setzt - analoge Signale sind hier nur auf Umwegen möglich -, nutzt das Surface Pro den Mini-Displayport. Der kann nicht nur per Adapter HDMI- und DVI-D-Signale ausgeben, sondern eben auch jenes analoge VGA-Signal. Für Unternehmenskunden ist dieser Signalweg immer noch wichtig. Viele Projektorinstallationen setzen immer noch auf VGA-Kabel, insbesondere, wenn lange Kabelwege genutzt werden. Das Surface Pro kann also ohne Probleme auch für Präsentationen genutzt werden.

Ebenfalls nur für das Surface Pro ist der beigelegte Digitizer-Stift. Der lässt sich zwar auch am Surface RT befestigen, allerdings ist er da sinnlos, da das RT-Tablet nur einen kapazitiven Touchscreen benutzt. Dafür sind kapazitive Stifte nötig, die bei weitem nicht so präzise wie Digitizer-Stifte sind. Kapazitive Stifte funktionieren prinzipbedingt auch am Surface Pro.

Probleme mit dem Surface Pro

Der Bildschirm ist offensichtlich nicht optimal gefertigt. An der unteren Seite sehen wir sogenanntes Screenbleeding. Die einzelnen Lichtquellen sind sichtbar, die bei dunklen Szenen eine ungleiche Ausleuchtung im unteren Bereich erzeugen. Hier arbeitet die Lichtverteilung nicht ordentlich.

Die Bewertung dieses Umstandes ist unterschiedlich. Apple wurde für solche Probleme bei iPads teils harsch kritisiert. Bei Windows-Geräten ist das Problem so verbreitet, dass es häufig nicht einmal mehr wahrgenommen wird. Viele Windows-Notebooks, die wir kennen, haben Screenbleeding-Probleme. Bei einem Vorzeigegerät wie dem Surface Pro muss so ein Fehler trotzdem nicht sein, auch wenn er nur in Filmen oder bei dunklen Spielen wahrnehmbar ist.

Zu schwer für ein Tablet

Durch das hohe Gewicht von knapp über 900 Gramm ist das Surface Pro kein Ersatz für typische Tablets. Der Arm lahmt deutlich früher beim Herumtragen und wir würden auch nicht empfehlen, den Standfuß als zusätzliche Stütze beim Tragen zu verwenden, was wir beim Surface RT häufig tun. Dabei positionieren wir einen Teil der Hand zwischen Tablet und den ausgeklappten Standfuß.

Das Surface Pro ist eher ein Ultrabook-Ersatz wie das Tablet Aspire P3 von Acer , das sogar als Ultrabook vermarktet wird. Die Microsoft-Konstruktion ist aber eleganter. Außerdem hat das Surface Pro mit dem Type- oder Touch-Cover auch ein Trackpad. Verglichen mit einem Ultrabook ist das Surface Pro kompakter, aber trotzdem noch auf dem Schoß oder einem kleinen Flugzeugsitz benutzbar.

Über den Magnetanschluss ärgern und freuen wir uns zugleich. Er ist sehr praktisch, da er auch eine Befestigung des Stifts ermöglicht. Doch der Stift und das Stromkabel können nicht gleichzeitig angeschlossen werden. Aufgrund der kurzen Akkulaufzeit muss das Netzteil immer wieder angeschlossen und der Stift abgenommen werden. Das Mindeste wäre ein zweiter Magnetanschluss oder eine weitere Anschlussrückseite am Stromstecker, damit der Stift trotzdem gelagert werden kann. Im Unterschied zu vielen Tablet-PCs fehlen dem Surface Pro ein Schacht für den Stift und eine Befestigungsschnur.

Der Magnetanschluss ist zudem für den Transport unpraktisch. Wann immer wir das Tablet in eine Tasche steckten, löste sich der Stift. In der Praxis benutzten wir ihn deshalb kaum, obwohl wir Digitizer bei anderen Geräten häufig einsetzen. Das ist schade, denn der Stift arbeitet weitgehend präzise und der Parallax-Effekt hält sich in Grenzen. Zudem ist der druckempfindliche Stift zum Beispiel im einfachen Windows-Journal gut. Wegen der glatten Surface-Pro-Oberfläche gleitet er allerdings etwas zu stark. Normalerweise haben Tablet-PCs ein mattes und leicht aufgerautes Display, was beim Zeichnen mehr Halt gibt. Für handschriftliche Notizen funktioniert aber auch ein glattes Display.

Akkulaufzeit, Lüfter und Leistungsaufnahme

Während der Akku des 234 Gramm schweren Netzteils mit etwa 27 Watt aufgeladen wird, hat das 48-Watt-Netzteil auch noch einige Reserven, um den laufenden Betrieb sicherzustellen. Die werden auch gebraucht. Beim Betrieb fiel uns eine erhöhte Leistungsaufnahme beim Anschluss eines externen VGA-Displays (17 Zoll, 1.280 x 1.024 Pixel) auf. Damit maßen wir beim Aufladen Spitzenwerte um die 45 Watt. In der Regel sind es 40 Watt. Sobald das Display abgezogen wird, reduziert sich die Leistungsaufnahme schnell auf 35 Watt.

Bei aufgeladenem Akku bestätigte sich der Unterschied, auch hier nimmt das Tablet 4 bis 5 Watt mehr an Leistung auf. Wer mit dem Tablet Präsentationen halten will, sollte den Mehrverbrauch berücksichtigen. Wer das Tablet per Ausschalter deaktiviert, reduziert die Leistungsaufnahme auf 1,4 Watt. Das Ein- und Ausschalten in den Standby-Modus geht schnell, ist aber etwas langsamer als der vergleichbare Vorgang beim RT-Tablet. Beim Nichtstun holt das Pro-Tablet zwischen 8 und 13 Watt (volle und minimale Helligkeit) aus der Steckdose.

Das Display braucht offenbar sehr viel Energie. Ein Problem, das auch Apple mit seinem iPad 3 und 4 hat, weshalb es einen schweren und großen Akku verbauen musste. Das Surface Pro hat einen ähnlich großen Akku, der laut Microsoft 42 Wattstunden Kapazität hat. Die Werte des Surface Pro sind in etwa 3 bis 5 Watt höher als die elektrische Leistung, die das Surface RT aufnimmt. Das RT-Tablet reagiert nicht so deutlich auf Helligkeitsunterschiede. Microsoft kann dank der niedrigen Auflösung des RT-Tablets eine schwächere und energiesparende Lichtquelle nutzen, die besser durch die groben Pixelstrukturen leuchtet.

Mehr als vier Stunden Akkulaufzeit sind nur mit reduzierter Beleuchtung möglich

Die Akkulaufzeit des Surface Pro ist nicht zuletzt wegen des Core i5 eher mit einem leichten Notebook als mit einem Tablet vergleichbar. Mehr als 4 Stunden haben wir das Tablet im Allgemeinen nicht nutzen können. Im Idle-Test bei geringster Helligkeit und aktivem WLAN kommen wir auf 5:34 Stunden. Den Lastfall haben wir mit Diablo 3 ausprobiert und es einfach in der Full-HD-Auflösung gespielt. Das fordert das Tablet ordentlich, schließlich sind in Kampfsituationen bei den Voreinstellungen nur 13 Bilder pro Sekunde möglich gewesen. Das heißt auch, dass das Surface Pro begrenzt bei geringerer Auflösung zum Spielen geeignet ist. Mit hoher Helligkeit und einer angeschlossenen Maus sowie dem Type-Cover als USB-Tastatur kamen wir auf 1:32 Stunden. Das ist ein guter Wert und bedeutet, dass der Anwender auch mal eine Weile Aufgaben erfüllen kann, die eine hohe Last erzeugen.

Im Powermark von Futuremark kamen wir im Productivity-Test, hier mit 75 Prozent der Helligkeit und ohne Maus in einem hellen Büro, auf 3:45 Stunden mit 15 Prozent Akkureserve. Das deckt sich mit unseren Erfahrungen in der Praxis. Der Wert ist für ein Tablet mit Windows 8 ziemlich gut. Zum Vergleich: Als wir Fujitsus 10-Zoll-Tablet Stylistic Q550 mit Wechselakku und Windows 7 testeten , kamen wir vor zwei Jahren auf 6 bis 7 Stunden Laufzeit, allerdings mit einem sehr lahmen Atom-Prozessor. Der Anwender verbringt auf dem Q550 einen großen Teil seiner Zeit damit, auf den Prozessor zu warten. Es hat sich also viel seitdem getan. Der Wechselakku und der matte Bildschirm des Q550 fehlen dem Surface Pro zwar, aber wir ziehen das neue Gerät wegen der hohen Geschwindigkeit vor. Der Anwender arbeitet produktiver.

Das etwas leichtere und mit Dual-Core-Atom ausgestattete 11,6-Zoll-Tablet Ativ Smart PC erreichte im Test über sieben Stunden. Ein Surface mit einem aktuellen Dual-Core-Atom würde uns daher sehr interessieren, auch wenn diese CPUs derzeit aus dem Embedded-Lager sind. So eine schnelle mSATA-SSD des Surface Pro ist per eMMC derzeit nicht möglich und ein Full-HD mit der Atom-Grafik anzusteuern, ist sicher keine gute Idee.

Im Powermark Entertainment, der auch gelegentliches Spielen und Videos simuliert, kamen wir auf 1:55 Stunden mit 16 Prozent Akkureserve.

Der Akku wird in etwa 2,5 Stunden bis zu 90 Prozent aufgeladen. Für die restlichen 10 Prozent geht das Laden etwas gemächlicher voran. Das ist bei vielen Geräten so, um den Akku etwas zu schonen.

Das Surface Pro ist auch bei den intensiveren Tests bei 25 Grad Celsius Raumtemperatur meist unhörbar. Nur beim Spielen von Diablo 3 nervte der Lüfter etwas. Das liegt aber auch an der Tondynamik des Spiels. Leise Klänge werden vom Rauschen übertönt. Beim Surfen oder Texteschreiben macht sich der Lüfter gar nicht bemerkbar. Da ist das Mainboard lauter, das an einer Stelle ein hochfrequentes Geräusch abgibt. Aber selbst das hört der Anwender nicht in der Praxis, da er sein Ohr nicht an die Lüfterauslässe drückt. Zudem sind fiepende Komponenten im PC-Bereich nichts Außergewöhnliches.

Fazit und Verfügbarkeit des Surface Pro

Microsoft beginnt in Deutschland mit dem Verkauf des Surface Pro am 31. Mai 2013. In den USA erschien Surface Pro bereits im Februar 2013. Das hier getestete Modell mit einem Cover und 128 GByte Speicher kostet rund 1.100 Euro. Wer mit 64 GByte auskommt und auf das Type- oder Touch-Cover verzichten kann, zahlt 880 Euro. Das Surface Pro kostet also in etwa doppelt so viel wie das Surface RT und ähnlich viel wie andere Windows-7- und Windows-8-Tablets.

Fazit

Uns gefällt das Surface Pro besser als das Surface RT. Das liegt vor allem an der zusätzlichen Leistung und Windows 8 Pro, das deutlich flexibler ist als Windows RT und bei dem wir ohne Probleme unsere Lieblingsanwendungen installieren können. Die deutlich geringere Akkulaufzeit nehmen wir dafür in Kauf. Sie ist im Bereich vieler herkömmlicher Notebooks, aber deutlich geringer als die von Ultrabooks.

Das Surface Pro ist das erste Tablet, auf dem produktives Arbeiten auf einem Niveau möglich ist, das dem eines Notebooks nahekommt. Das Gerät ist schnell, das Type-Cover ist eine praktische, wenn auch zu teure Ergänzung, und dank des integrierten Standfußes ist das Surface Pro schnell aufgestellt. Die Konstruktion ist sogar schoßtauglich. Der Nutzer sollte aber wegen des hohen Gewichts und der lockeren Verbindung zum Tastaturcover doch etwas aufpassen, damit das Surface Pro keinen unschönen Abgang macht. Notebooks sind in aller Regel deutlich stabiler auf dem Schoß.

Kritik haben wir an den Tablet-PC-Eigenschaften. Zwar hat das System einen guten Digitizer, doch dass der Stift nur an der Ladebuchse für das Netzteil befestigt werden kann, ist eine ärgerliche Einschränkung. Wir hätten uns einen Schacht im Gehäuse und eine Möglichkeit zur Anbindung per Schnur gewünscht. Der Stift geht garantiert verloren, wenn er überhaupt mitgenommen wird. In einer Tasche löst er sich sofort von dem Tablet.

Die typischen Aufgaben eines Tablets kann das Surface Pro nicht erfüllen. Es ist zu schwer, um es ständig in der Hand zu halten und die Laufzeit ist so kurz, dass der Anwender zu häufig darüber nachdenken muss. Zudem kann hohe Last die Akkulaufzeit beim Surface Pro deutlich reduzieren. Das gelingt bei ARM-Tablets nicht so einfach.

Für ein Referenzgerät kommt das Surface Pro sehr spät auf den Markt: Schon in der nächsten Woche stellt Intel unter dem Codenamen Haswell seine nächste Generation von Notebookprozessoren vor. Es hätte sicher nicht geschadet, wenn Microsoft das Surface Pro zusammen mit dem Surface RT zum Start von Windows 8 im Oktober 2012 verkauft hätte. Haswell soll für längere Akkulaufzeiten bei gleicher Leistung sorgen, wobei nicht zu vergessen ist, dass das im Surface Pro verbaute hochauflösende Display einen sehr großen Einfluss auf die Akkulaufzeit hat: Der 42-Wattstunden-Akku wird vor allem dafür gebraucht, dass eine starke Lichtquelle durch die feinen Pixelstrukturen durchleuchten kann. Daran würde auch Intels Haswell nichts ändern. Apple hat mit dem iPad 3 und 4 ein ähnliches Problem.


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