Surface Pro 4 im Hands on: Das MS-Tablet mit der Mac-Tastatur

Es fühlt sich irgendwie falsch an: Da können wir bei Microsoft gut eine Stunde lang das neue Surface Pro 4 ausprobieren – und sind dabei nicht vom schnelleren und sparsameren Prozessor und dem überarbeiteten Bildschirm, sondern vor allem vom neuen Keyboard angetan. Natürlich wird in Zeiten von Touch-Displays und Sprachassistenten nicht jeder Leser unsere Begeisterung für das gute, alte und irgendwie archaische Eingabegerät "Tastatur" teilen.

Dennoch, mit dem von Grund auf überarbeiten Type Cover könnten wir uns erstmals vorstellen, auf Reisen ohne Komfortverlust anstelle eines Laptops eben ein Surface Pro 4 mitzunehmen und darauf auch über viele Tage hinweg lange Texte zu tippen. Die beleuchteten Tasten erinnern im Layout, in der Gestaltung und vor allem beim Hub und der benötigten Druckstärke überdeutlich an unser Macbook Air, das wir zufällig mit dabei haben, und dessen Keyboard wir – wie viele andere Nutzer – sehr schätzen.
Übrigens hat sich die Entwicklungsabteilung von Microsoft beim Entwerfen des Type Covers wohl auch sonst mit dem Macbook beschäftigt: Das Touchpad erinnert nun mit seiner größeren Fläche und der geschmeidig-sanften Oberfläche aus dünnem Glas ebenfalls an Apple-Hardware; beim Vorgänger kam noch Kunststoff zum Einsatz, der sich im direkten Vergleich viel schlechter anfühlt.
Ebenfalls besser finden wir, dass das neue Type Cover wesentlich verwindungssteifer ist als das alte. Wenn es schräg – also ohne durchgehende Unterlage – aufgestellt ist, wabbelt es beim Tippen viel weniger. Und überhaupt ist die gesamte Anmutung hochwertiger. So gut uns das neue Keyboard gefällt: Ein bisschen misstrauisch sind wir noch, ob es unsere hohen Ansprüche langfristig erfüllt. Wir sind auf einen echten Test und längere Erfahrungen gespannt, aber das gilt natürlich für alle Eindrücke unseres Hands on.








Am Surface Pro 4 selbst hat sich auf den ersten Blick weniger geändert als am Type Cover. Das aus Magnesium gefertigte Gehäuse ist 0,6 mm dünner geworden, was man selbst im direkten Vergleich kaum spürt; die sonstigen Maße sind unverändert geblieben. Konkret: Das Tablet ist 292,1 x 201,42 x 8,4 mm groß und minimal leichter als der Vorgänger – je nach Ausstattung liegt das Gewicht bei 766 oder 786 Gramm.
Der Bildschirm ist dank dünnerer Ränder trotzdem etwas größer: Er bietet jetzt 12,3 statt 12 Zoll – was nach wenig klingt, sich in der Praxis aber dennoch bemerkbar macht. Er ist nach wie vor im ungewöhnlichen, aber für Vielschreiber und mobile Angestellte durchaus sinnvollen 3-zu-2-Seitenverhältnis gestaltet.
Sparsamer Skylake
Die Auflösung liegt nun bei 2.736 x 1.824 Pixeln (Pro 3: 2.160 x 1.440 Pixel), was eine Pixeldichte von 267 dpi (Pro 3: 216 dpi) ergibt. Dank IPS-Technologie sind die kräftigen Farben auch von der Seite aus brillant und sehr gut zu sehen. Laut Microsoft wurde Abdeckung des Adobe-Farbraums gegenüber dem Vorgänger noch weiter erhöht, konkrete Zahlen haben wir dazu aber nicht.
Im Inneren des Surface Pro 4 arbeitet die Skylake-Generation, während im Vorgänger noch Haswell-Prozessoren gewerkelt haben – Broadwell hat Microsoft also übersprungen. Wahlweise gibt es das Gerät lüfterlos mit einem Core M3, oder mit Lüfter und einem Core i5 oder einem i7; genauere Spezifikationen hat Microsoft nicht genannt.
Bis zu 16 GByte RAM an Speicher
Als GPU kommen natürlich jeweils unterschiedliche Chips von Intel zum Einsatz – von der HD 515 über die HD 520 bis zur Iris 540 mit dem Core i7. Beim RAM kann der Nutzer zwischen 4 GByte, 8 GByte oder 16 GByte wählen. Beim Massenspeicher stehen 128 GByte, 256 GByte oder 512 GByte zur Auswahl.

Windows 10 und einige Anwendungen wie Onenote, ein Bildprogramm und Word sind ohne spürbare Ruckler auf dem Tablet gelaufen, das ganze System hat sich geschmeidig und schnell angefühlt. Das Display verbraucht etwas mehr Energie, die Prozessoren verbrauchen etwas weniger: Nach Angaben von Microsoft führt das zu einer mehr oder weniger unveränderten Akkulaufzeit von rund 9 Stunden.
Neben dem Type Cover hat Microsoft übrigens auch den über Bluetooth gekoppelten Surface Pen von Grund auf überarbeitet. Er verfügt nun über 1.024 statt über 256 Druckstufen. Die Stiftspitze entspricht ungefähr einem Bleistift der Stärke HB, für 10 Euro kann man bei Microsoft auch ein Paket mit härteren oder weicheren Spitzen bestellen. Die Tasten sind etwas anders angeordnet als beim Vorgänger: Radiert wird nun wie bei einem Bleistift mit dem Ende.








Über einen Druck dort lassen sich Funktionen aufrufen. Einmal drücken hat bei unserem Hands on Onenote gestartet, zweimal drücken einen Screenshot angefertigt; wer wie bei einem Kugelschreiber immer wieder nervös an dem Gerät rumspielt, fertigt mit etwas Pech ganze Hundertschaften von Bildschirmfotos an. Surface Pen und Type Cover lassen sich dank Rückwärtskompatibilität auch mit dem Surface Pro 3 betreiben.
Gesicht statt Fingerabdruck
In den USA ist das Typ Cover auf Wunsch mit Fingerabdruckscanner erhältlich, hierzulande nicht. Stattdessen lässt sich das Gerät per Gesichts-Scan entsperren. Dazu ist neben der normalen Kamera auf der Vorderseite des Tablet eine (rot leuchtende) Infrarotkamera angebracht. Nach der in Sekundenschnelle erfolgten Einrichtung hat uns das System zuverlässig erkannt – das geht so schnell, dass es sich fast anfühlt, als sei das Gerät nicht gesichert.
Als wir die Brille weggelassen haben, wurden wir allerdings nicht erkannt. Für diesen Fall haben wir noch eine Version unserer selbst ohne Brille angelegt – ähnlich wie bei einem iPhone den zweiten Fingerabdruck.
In den USA ist das Surface Pro 4 bereits erhältlich, hierzulande wird es ab dem 12. November 2015 so weit sein. Laut Microsoft Store(öffnet im neuen Fenster) ist das Gerät, abhängig von der Ausstattung, zu Preisen zwischen rund 1.000 und 2.500 Euro erhältlich; für das in vier unterschiedlichen Farben verfügbare Type Cover sind rund 150 Euro zusätzlich fällig.
Nachtrag vom 2. November 2015, 9:35 Uhr
Wir haben die Angaben zum Erscheinungstermin im letzten Absatz aktualisiert. In Deutschland wird das Pro 4 ab dem 12. November 2015 erhältich sein, nicht erst im Dezember 2015.