Surface Arc Mouse im Test: Mehr Designobjekt als Maus

Die Surface Arc Mouse gilt unter Microsoft-Fans als ebenso ungewöhnliche und unergonomische Bluetooth-Maus wie Apples Magic Mouse. Doch ist Microsofts knickbare Maus wirklich so unbenutzbar? Wir haben das mit einem von Microsoft zur Verfügung gestellten Testmuster ausprobiert.
Die Arc Mouse hat zumindest eine eigene Nische, in der sie ihre Stärken zeigt, an anderer Stelle erinnert sie uns aber doch an Apples Magic Mouse – im negativen Sinne . Rein ergonomisch fühlt sich die Arc Mouse zwar nicht wie ein Stück Handseife an, allerdings wissen wir oft nicht, wo wir unsere Finger hier ablegen sollen. Statt eines Korpus wie bei einer klassischen Maus gibt es hier nur freie Fläche und Luft.
Durch ihr an eine kleine Brücke erinnerndes Design sieht die Maus einzigartig aus – und sie kann eingeklappt werden. Sie ist dann 1,4 cm flach und lässt sich etwa in einer Seitentasche im Messenger Bag verstauen. Die Grundfläche der Maus ist mit 13,1 x 5,5 cm ebenfalls ziemlich gering. Die Klappfunktion dient gleichzeitig auch als Power-Schalter.
Mit Knick ausschalten
Benutzen wir die Arc Mouse gerade nicht, können wir sie flach auf dem Tisch ablegen. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn wir die Maus verstauen und keine unbeabsichtigten Klicks möchten.









Ausgeklappt ist die Maus 3,4 cm hoch. Durch den freien Platz zwischen der Maus und dem Tisch gibt es für die meisten Finger nur einen Platz zum Verweilen: die Tischplatte. Wir haben manchmal auch einen ungewöhnlichen Griff angewendet, indem wir die Innenseite der Maus mit dem kleinen und dem Ringfinger umklammerten. Das ist auf Dauer aber unangenehm.
Zum Beispiel fühlt sich das Schieben der Maus dadurch gewöhnungsbedürftig an. Wir empfehlen deswegen, die Mausempfindlichkeit hier etwas höher als gewöhnlich einzustellen. Dazu kommt, dass die Gleitfüße der Arc-Mouse miserabel sind – Magic Mouse lässt grüßen. Auf unserer gummiartigen Mausmatte kratzt die Maus spürbar. Gleiches gilt für Holzoberflächen und andere Materialien. Klassische Mäuse mit Teflon-Füßen funktionieren hier merklich besser.









Dazu kommt, dass die Arc Mouse an der Hinterseite stark abgerundet ist. Sie sieht dadurch schick und modern aus, allerdings kippelt sie merklich, wenn wir das Gewicht unserer Handfläche darauf verlagern. Das fällt vor allem auf, wenn man sie mit schnellen Bewegungen über den Tisch zieht.
Durch die gewölbte Form hat die Arc Mouse ergonomisch dennoch enorme Vorteile gegenüber der Magic Mouse. Und durch die Klappfunktion ist sie vor allem als Reiseutensil interessant.
Bluetooth mit ewiger Akkulaufzeit
In zwei Punkten ähnelt die Surface Arc Mouse der Apple Magic Mouse. Erstens: Auch hier wird Design über Funktion gestellt. Durch die starke Krümmung lässt sich das Microsoft-Produkt allerdings doch besser und länger bedienen, ohne dass die Hand wehtut. Das liegt auch am merklich geringeren Gewicht von 82,5 Gramm.
Zweitens können wir auch bei der Arc Mouse eine integrierte Sensorfläche nutzen. Mit der können wir sowohl vertikal als auch horizontal scrollen. Letzteres ist etwa dann sinnvoll, wenn wir in Paint große Dateien bearbeiten oder in der Zeitleiste in Adobe Premiere scrollen möchten.
Der linke und rechte Klick wird jedoch durch physische Buttons unterhalb des Trackpads realisiert. Die Tasten drücken sich etwas steif durch, was vor allem nach dem Umstieg von einer Gamingmaus anfangs gewöhnungsbedürftig ist. Generell ist die Bedienung aber in Ordnung.
Software nicht besonders umfangreich
Innerhalb der Surface-Software können wir zudem ein paar Einstellungen vornehmen. Eine Geste ist etwa der Dreifingerklick. Drücken wir die Maus mit drei Fingern durch, können wir so etwa die mittlere Maustaste oder ein Makro abrufen. Auch lassen sich die linke und rechte Maustaste vertauschen, jedoch nicht mit Makros belegen. Um diese Einstellungen vornehmen zu können, ist zudem die separate Surface-App erforderlich.









Mit ihren verschachtelten Menüs und ihrem veraltet wirkenden UWP-Design kann sie uns nicht überzeugen. Wir müssen die App allerdings zumindest einmalig installieren und nutzen, um den Dreifingerklick einzustellen. Er ist ab Werk deaktiviert.
Abseits vom Dreifingerklick gibt es keine weiteren Gesten. Generell ist das Trackpad nur zum Scrollen auf zwei Achsen gedacht. Pinch-to-Zoom oder Pinch-to-Rotate ist hier nicht möglich. So fühlt sich die Arc Mouse eher wie eine traditionelle Maus an, die nur eine Zusatztaste nutzen kann.
Eine verpasste Chance ist für uns dabei auch der Fakt, dass sich die Maus flach eingeklappt nicht etwa als Presenter in Powerpoint nutzen lässt. Die Maus ist in diesem Modus schlicht deaktiviert.
Im Gegensatz zur Magic Mouse setzt Microsoft bei der Surface Arc Mouse auf austauschbare AAA-Batterien, die auch im Lieferumfang enthalten sind. Entsprechend fehlt hier ein USB-C-Ladeport. Die Maus kann so dünner und kompakter gestaltet werden. Außerdem haben Batterien eine im Vergleich zu ihrer Größe hohe Energiedichte. Kombiniert mit dem Bluetooth-LE-Protokoll ergibt das eine Akkulaufzeit von sechs Monaten nach Microsofts Angaben.









So lange konnten wir die Maus bisher nicht am Stück ausprobieren. Der Youtuber Technikfaultier hat das Gerät allerdings mindestens einen Monat lang ausprobiert und weiterhin viel Akkuladung zu verzeichnen. Das ist ein Vorteil der Kombination aus Batterien und Bluetooth LE. Zudem funktioniert die Maus auch mit anderen Betriebssystemen.
Unter MacOS macht die Maus allerdings, wie viele andere Mäuse, die nicht von Apple direkt stammen, vor allem Probleme beim Scrollen. Hier sind User mit einem Produkt von Apple besser beraten.
Generell funktioniert der optische Sensor der Arc Mouse auf fast allen Oberflächen abseits von Glas gut. Die dpi (dots per inch) lassen sich zudem bis zu 1.200 Punkten anpassen. Das ist für die meisten Arbeitsszenarien völlig ausreichend.
Wenn wir die Arc Mouse nutzen, fühlt sich das für uns nicht sehr komfortabel an. Wir wollen permanent auf unsere merklich angenehmere traditionelle Maus zurückgreifen. Wir haben es hier eher mit einem Fashion Statement als mit einem maximal produktivem Peripheriegerät zu tun. Das ist bei diesem hohen Preis schade. Besser als die Magic Mouse ist die Arc Mouse unserer Meinung nach allemal – was aber für uns auch keine achtbare Leistung ist.
Microsoft Surface Arc Mouse – Verfügbarkeit und Fazit
Microsoft verkauft die Arc Mouse unter anderem im eigenen Onlineshop. Dort kostet das Produkt aber mit 90 Euro deutlich mehr als bei manchen anderen Händlern. Im Preisvergleich gibt es die Maus auch schon für etwa 67 Euro zu kaufen. Dieser Preis scheint für eine primär zum Mitnehmen gedachte Maus angemessener.
Fazit
Microsoft hat mit der Surface Arc Mouse das Konzept eines Designobjekts als Peripherie besser umgesetzt als Apple. Im Vergleich zur Magic Mouse ist das Microsoft-Produkt ergonomisch angenehmer zu nutzen, wiegt weniger, ist günstiger und durch die Knickfunktion schneller im Handgepäck verstaut.
Nun ist die Magic Mouse, die unserer Meinung nach der Ergonomie einer Kernseife nahekommt, kein besonders anspruchsvoller Benchmark. Denn auch die Arc Mouse macht im Vergleich zum klassischen Mausdesign diverse Abstriche.
Sie ist mit einer starken Wölbung zwar besser für größere Hände geeignet. Allerdings fehlt uns die Möglichkeit, die Maus sicher zu greifen und so über den Tisch zu führen. Zudem gleitet die Maus nur sehr schwer über Deskmatten, Mauspads oder andere Oberflächen. So fühlen wir uns durch das modern wirkende Design oft eingeengt und wünschen uns eine klassische Maus zurück.









Da sich die Arc Mouse aber flach einklappen lässt, nimmt sie kaum Platz weg. Wer häufig unterwegs ist, kann die Maus leicht überall mitnehmen – auch wegen des geringen Gewichts von unter 90 Gramm.
Haben wir etwas mehr Platz und können auf den anfänglichen Blickfang-Moment verzichten, würden wir stets eine traditionelle kleine Maus mit Bluetooth LE bevorzugen. Unsere Hand und unsere Geduld werden es uns in der Praxis danken.