Zukunft: Eine Uhr für die nächsten 10.000 Jahre

Was ist ein Jahr, Jahrzehnt, Jahrhundert oder Jahrtausend? Die Longnow Foundation baut eine Uhr, die so lange laufen soll, wie die Geschichte der menschlichen Zivilisation zurück reicht.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Das Uhrwerk wird in den Schaft mit einer Wendeltreppe am Rand herabgelassen.
Das Uhrwerk wird in den Schaft mit einer Wendeltreppe am Rand herabgelassen. (Bild: Long Now / Screenshot: Golem.de)

"Das Thema ist nicht so dringend, Benjamin, den Artikel können wir auch später noch bringen." Wenn ich mich richtig erinnere, sagte ich das unserem Chefredakteur so oder so ähnlich vor ungefähr fünf Jahren. Aber im Grunde ist das nur ein Augenblick für die Long Now Foundation, zu Deutsch Stiftung des Langen Jetzt, die im Jahr 01996 (die Null gehört dazu!) von Danny Hillis und Steward Brand gegründet wurde.

Inhalt:
  1. Zukunft: Eine Uhr für die nächsten 10.000 Jahre
  2. Eine Zukunft, die so lang ist wie die Menschheitsgeschichte

Bekannt geworden ist die Stiftung für ihren Plan, eine Uhr zu bauen, die 10.000 Jahre lang laufen soll - der Prototyp ist in Arbeit. Aber sie organisiert auch Vorträge und betreibt eine Bar mit einer Bibliothek in San Francisco. Das Ziel ist, eine neue Perspektive für langfristigeres Nachdenken über die Zukunft zu eröffnen.

Der Name der Stiftung kommt vom Musiker Brian Eno, der bemerkte, dass das Wort "jetzt" alles mögliche bedeuten kann. In einem Autorennen kann "jetzt" der Bruchteil einer Sekunde sein oder in der Rennstrategie eine ganze Minute. Wer "jetzt" in einem Meeting ist, ist das vielleicht für eine halbe Stunde. Die meisten Unternehmen denken in Quartalen, die Energiewende passiert "jetzt" und dauert dennoch Jahrzehnte, genauso wie einst die Industrielle Revolution. Die Long Now Foundation denkt bei ihrem "Jetzt" an die Vergangenheit, seit die Menschheit anfing, in Städten zu leben, und den gleichen Zeitraum in die Zukunft - oder versucht es zumindest.

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Die Idee zu der Stiftung entstand 1995, als der Computerwissenschaftler und Firmengründer Danny Hillis einen Essay im Wired Magazine darüber veröffentlichte, dass man eine Uhr bauen sollte, die nur einmal im Jahr tickt. Einmal alle 100 Jahre bewegt sich ein Zeiger, alle 1.000 Jahre kommt ein Kuckuck heraus und die Uhr läuft 10.000 Jahre. Das Konzept hat sich seitdem verändert. Die Uhr tickt jeden Tag und statt des Kuckucks gibt es ein Glockenwerk. Bei den 10.000 Jahren ist es aber geblieben. Und: Sie ist echt, oder zumindest im Bau, in einem senkrechten Tunnelschaft in einem Berg in Texas. Zumindest das Uhrwerk wurde schon eingebaut.

Die Uhr wird durch Sonnenlicht gestellt

Die endgültige Uhr soll in einem anderen Berg in Arizona gebaut werden, wo Jahrtausende alte Langlebige Kiefern (Pinus longaeva) wachsen. Aber zuvor wird der Bau der Anlage anderswo geprobt. Der Standort im Westen von Texas, weit abgelegen und mehrere Autostunden Fahrt vom nächsten Flughafen entfernt, auf einer Ranch von Jeff Bezos, der den Bau des Prototyps finanziert. Dabei soll die Abgelegenheit nicht dafür sorgen, Menschen von der Uhr fernzuhalten. Ganz im Gegenteil.

Um wirklich zu funktionieren, muss die Uhr durch Menschen von Hand aufgezogen werden. Nur dadurch zeigt sie Datum, Jahr und Himmelskonstellationen an. Der Mechanismus betreibt auch das Glockenspiel aus zehn Glocken, die jeden Tag in einer anderen Reihenfolge gespielt werden. Erst nach 9.935 Tagen wiederholen sich die Töne. Alle Teile bewegen sich in keramischen Lagern, um möglichst lange zu halten. Aber eine Uhr, die von Menschen aufgezogen werden muss, kann auch von Menschen gewartet und repariert werden.

Während die Uhr ohne Menschen keine Zeit anzeigen kann, läuft das Uhrwerk dank eines großen Gewichts auch ohne Menschen für Jahre weiter, solange die Komplikationen des Uhrwerks keine zusätzliche Energie verbrauchen. Um nicht die falsche Zeit anzuzeigen, konzentriert eine Quarzlinse im Sommer während des höchsten Sonnenstandes am Mittag Sonnenlicht auf einem Bauteil des Uhrwerks, das sich durch die Hitze ausdehnt und damit die Uhr stellt. Das ist völlig ausreichend für eine Uhr, die nur auf den Tag genau laufen soll.

Disney machte die Entwicklung möglich

Die ersten Prototypen der Mechanismen entstanden zur gleichen Zeit der Veröffentlichung des Essays, als Danny Hillis für einige Zeit bei Disney arbeitete. Zuvor hatte er mit seiner Firma Thinking Machines die ersten Parallelcomputer entwickelt und mit ihnen einige der schnellsten Supercomputer ihrer Zeit. Lange blieb er nicht bei Disney. In einem Interview beschrieb Hillis eine Firmenkultur, die sich auf beiden Seiten der Grenze zur Korruption bewege und nur minimale Änderungen im Geschäft ermögliche.

Dennoch brachte das Umfeld viele Möglichkeiten mit sich. Den Mitarbeitern der Führungsebene wurden Wünsche fast von den Lippen abgelesen und während andere Mitarbeiter gemahnt wurden, keine unnötigen Reisen und Blumenstraußbestellungen auf Firmenkosten mehr zu unternehmen, hatte Hillis Zeit, seine Ideen von einer lang laufenden Uhr im Namen von Disney zu verfolgen. Er lebte auf einem Weinberg, wo er darüber nachdachte, dass während seines ganzen Lebens das Jahr 2000 für die Zukunft gestanden hatte und dieses jedes Jahr ein Jahr näher rückte. Es war 1995 und die Zukunft nur noch fünf Jahre entfernt.

Aber auch in der kalifornischen Kultur des Silicon Valley, die ganz wesentlich von den Hippies der 1960er Jahre geprägt wurde, fand sich reichlich Inspiration.

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Eine Zukunft, die so lang ist wie die Menschheitsgeschichte 
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cruse 18:04 / Themenstart

stonehenge regelt

RienSte 21. Jul 2021 / Themenstart

oO ... ?

ssmurf 21. Jul 2021 / Themenstart

und das hat mit dem bau einer Uhr die 10 000 Jahre laufen soll in etwa soviel zu tun wie...

Arsenal 21. Jul 2021 / Themenstart

Kompiliert einfach nicht.

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