Eine Zukunft, die so lang ist wie die Menschheitsgeschichte

Zu dieser Zeit hörte Hillis von Steward Brand eine Geschichte über das heute 642 Jahre alte New College von Oxford (das "alte" Oriel College ist 695 Jahre alt). Ende des 19. Jahrhunderts waren die Dachbalken aus Eichenholz morsch und auf der Suche nach ausreichend großen Eichen zum Ersatz der Balken soll sich herausgestellt haben, dass genau zu diesem Zweck eine Reihe von Eichen beim Bau vor 500 Jahren gepflanzt wurde. Ob die Geschichte stimmt, ist fraglich, aber für Hillis war es die Inspiration, über einen neuen Blick auf die Zukunft nachzudenken.

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Er fand: Die Zukunft sollte nicht an runden Jahreszahlen wie 2000, 2050 oder 2100 festgemacht werden. Der Blick sollte stattdessen genauso weit in die Zukunft reichen, wie der Blick zurück in die Geschichte der Menschheit. Diese Perspektive ist das Lange Jetzt der Long Now Foundation. Vor etwa 10.000 Jahren betrieben immer mehr Menschen Ackerbau und lebten in den ersten archäologisch bekannten Städten. Das Lange Jetzt geht daher 10.000 Jahre in die Vergangenheit zurück - und damit auch 10.000 Jahre in die Zukunft.

Die Uhr soll vor allem eine gute Geschichte sein

Die Zukunft soll laut Hillis kein entferntes Datum mehr sein, das jedes Jahr ein Jahr näher rückt, sondern mit dem Verlauf der Zeit Schritt halten. Die Uhr der Long Now Foundation soll 10.000 Jahre laufen und widerspricht damit eigentlich den Vorstellungen, die die Stiftung von der Zukunft hat. Denn 10.000 Jahre sind eine schöne, runde Zahl und das Ende der Laufzeit der Uhr symbolisiert am Ende doch wieder eine feste Jahreszahl: 12050, falls die eigentliche Uhr im Jahr 2050 fertig wird.

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Aber für Hillis ist eine gute Geschichte wichtiger als eine Vision ohne Widersprüche. Ohnehin gibt es schon jetzt Konfusion und Mythenbildung rund um die Uhr. Manche halten die kleinen Vorläufer des Prototyps, die wohl noch bei Disney entstanden sind, für die eigentliche Uhr. Andere glauben, der Prototyp in Texas sei schon die 10.000-Jahre-Uhr, immerhin wird sie in einen Berg eingebaut und für Publikum geöffnet sein. Mit ihm soll der Bau der Technik und der restlichen Konstruktion getestet und verbessert werden, bevor die Uhr in ihrer endgültigen Form gebaut wird. Da alles ein Test ist, steht noch kein Datum für die endgültige Fertigstellung fest. Ein Freund fragte Hillis: Warum überhaupt die Uhr bauen? Reicht es nicht aus, einfach die Geschichte von der Uhr in die Welt zu setzen? Dem stimmte Hillis zu, sagte aber, es sei eine viel bessere Geschichte, wenn die Uhr wirklich gebaut würde.

Die Geschichte wird sich noch besser dadurch verbreiten, dass die Uhr immer wieder von Menschen besucht und aufgezogen werden wird. Dafür wird auch die Long Now Stiftung sorgen, die sich um viel mehr kümmert als nur um die Uhr und eine Bar in San Francisco. Die Bar ist ein Ort der Geschichten. Sie verkauft personalisierte Flaschen mit Gin aus Wacholderbeeren, die zu Füßen der Jahrtausende alten Langlebigen Kiefern wachsen. Regelmäßig werden Gäste zu Vorträgen eingeladen, die zu langfristigem Denken anregen sollen.

Lang laufende Projekte gibt es auch in Deutschland

Das gilt auch für eine Bibliothek aus Büchern, die zusammen eine Anleitung zum Aufbau einer Zivilisation von Grund auf darstellen sollen, für den Fall der Fälle. Die Bibliothek war ein Anliegen von Steward Brand, der mit seinen inzwischen 82 Jahren noch die Anfänge des Silicon Valley erlebt und mitgestaltet hat. Er verlegte von 1968 bis 1971 den Whole Earth Catalogue, der oft als gedrucktes Internet vor dem Internet bezeichnet wird, und war 1985 Mitbegründer von The Well: Whole Earth 'Lectronic Link, einer der frühesten Internet Communities.

Schon vor der Eröffnung der Bar organisierte Steward Brand im Namen der Long Now Foundation Vorträge vor großem Publikum, die Seminars on Longterm Thinking, die es bis heute gibt. Eines dieser Seminare wurde von Neal Stephenson gehalten, als er sein Buch Anathem veröffentlichte. Es wurde von der Uhr der Long Now Stiftung inspiriert, in der eine ganze Kultur um das Konzept lang laufender Uhren entstanden ist, die von Mönchen betrieben werden und in den Mauern der Klöster das Wissen der Welt bewahren.

Mit 10.000 Jahren ist die Long Now Uhr konkurrenzlos in der erhofften Länge des Projekts. Aber auch andere denken die Zukunft weiter als bis zum nächsten runden Jahrzehnt oder Jahrhundert: Mit Longplayer gibt es eine Musikkomposition, die in London seit dem 31. Dezember 1999 gespielt wird und bis Ende 2999 dauern soll.

Und in Deutschland gibt es eine Orgel, die seit 2001 in Halberstadt das Musikstück As Slow as Possible von John Cage aufführt. Es fängt mit einer Pause an, was dem Projekt mehr Zeit gab, die Orgel zu bauen. Die nötigen Pfeifen für die jeweils nächsten Töne werden nach Bedarf eingebaut. Das Stück sollte im Jahr 2000 beginnen, 639 Jahre nach dem Bau der ersten urkundlich bekannten Orgel der Welt in Halberstadt. Der Start verzögerte sich aber um ein Jahr, sodass die letzte Note erst im Jahr 2640 verstummen soll.

Wir bleiben an dem Thema dran. Bis zum nächsten Artikel kann es nur wenige Jahre dauern.

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 Zukunft: Eine Uhr für die nächsten 10.000 Jahre
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LordSiesta 27. Jul 2021

Thread nicht gelesen? ;)

RienSte 21. Jul 2021

oO ... ?

ssmurf 21. Jul 2021

und das hat mit dem bau einer Uhr die 10 000 Jahre laufen soll in etwa soviel zu tun wie...

Arsenal 21. Jul 2021

Kompiliert einfach nicht.



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