Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Superbook im Hands on: Wenn das Notebook mit dem Smartphone anbandelt

MWC 2017
Die Macher des Superbooks haben einen Prototyp ihres Laptops für Android-Smartphones auf dem MWC gezeigt: Die grundlegende Technik funktioniert im Kurztest von Golem.de zwar, die Produktion steckt nach anfänglichen Verzögerungen aber noch im Feintuning.
/ Tobias Költzsch
17 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Das Superbook mit angeschlossenem Galaxy S6 Edge (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Das Superbook mit angeschlossenem Galaxy S6 Edge Bild: Martin Wolf/Golem.de

Der Hersteller des Superbook, eines Laptops für Android-Smartphones, haben im Startup-Bereich des Mobile World Congress (MWC) 2017 einen Prototyp ihres Gerätes gezeigt. Das Superbook ist ein Laptop ohne eigenen Prozessor oder Betriebssystem.

Superbook – Hands on (MWC 2017)
Superbook – Hands on (MWC 2017) (00:59)

Stattdessen wird ein Smartphone per USB-Kabel angeschlossen und dessen Inhalt über eine spezielle App auf das Notebook gespiegelt. Die Benutzeroberfläche ist für Mausbedienung ausgelegt und ermöglicht Multitasking mit einer Taskbar und Programmfenstern. Bei Kickstarter konnte der Hersteller Sentio, der damals noch Andromium hieß, binnen einer Stunde sein Finanzierungsziel erreichen.

Im Startup-Bereich 4YFN (4 Years From Now) des MWC zeigte uns Sentio drei Prototypen des Superbooks, wovon eines auch funktionierte. Äußerlich sieht das Superbook aus wie ein herkömmliches, dünnes Notebook. Die Verarbeitungsqualität ist auf den ersten Blick gut, die uns gezeigten Geräte knarzen aber merklich – es handelt sich um Vorseriengeräte, die finalen Superbooks sollen natürlich besser verarbeitet sein.

Verbindung zu Smartphones unkompliziert

Um auf dem Superbook zu arbeiten, muss auf dem anzuschließenden Smartphone die Andromium-App laufen – diese gibt es kostenlos im App Store, sie hat gerade ein Update erhalten. Läuft die App, wird das Smartphone einfach über ein USB-Kabel mit dem Laptop verbunden; nach wenigen Sekunden erscheint die Desktop-Oberfläche auf dem Display. Dann lassen sich die auf dem Smartphone installierten Apps auf dem Laptop verwenden.

Die Desktop-Oberfläche ist klassisch aufgebaut: Unten befindet sich eine Taskleiste, in der die geöffneten Programme angezeigt werden. Auf dem Desktop selbst können wir Verknüpfungen zu Apps ablegen, außerdem gibt es noch eine Art Startbutton, über den unter anderem die Apps und Einstellungen erreichbar sind.

Software ist noch nicht fertig

Die Bedienung erfolgt über die Tastatur und das eingebaute Touchpad, der Mauszeiger ist in der uns gezeigten Softwareversion riesig – wir hoffen, dass sich das in der finalen Version ändern lässt. Die uns gezeigte Software ist noch in der Entwicklung, was wir ihr stellenweise auch anmerken konnten. So lassen sich die Fenster stellenweise nur schwer verschieben, auch die Scroll-Funktion des Touchpads hat irgendwann gestreikt. Grundsätzlich scheint die Einbindung des Touchpads noch nicht abgeschlossen zu sein, viele der Bedienfehler lassen sich darauf zurückführen.

Die Tastatur ist eine klassische Chiclet-Tastatur mit geringem Widerstand. Texte konnten wir gut darauf tippen, wenngleich es natürlich einen Unterschied zur Tastatur eines höherwertigen Notebooks gibt. Die Tastatur soll vor der Veröffentlichung auch noch weiter überarbeitet werden. So hatten die uns gezeigten Superbooks alle noch das alte Layout mit den Android-Bedientasten im unteren Bereich; beim neuen Layout befinden sich diese oben links bei den F-Tasten.

Smartphone-Display muss aktiviert bleiben

Probleme beim Start von Android-Anwendungen konnten wir nicht beobachten. Die von uns verwendeten Apps wie etwa Netflix oder der Browser haben problemlos funktioniert, wir konnten mit dem Superbook angenehm surfen. Der Browser ist eine der von Sentio bereitgestellten Apps, zu denen unter anderem auch ein Textreader und ein Videoplayer gehören.

Das Display des angeschlossenen Smartphones muss während der Nutzung des Superbooks aktiviert sein. Schalten wir es aus, verschwindet auch die Desktop-Oberfläche. Das ist technisch nicht anders lösbar, wie uns ein Sentio-Mitarbeiter erklärt. Um zu kompensieren, dass das Smartphone während der Verbindung aufgrund des aktiven Displays an Akkustand verliert, wird es vom Superbook aus geladen.

Befindet sich das Superbook an einer Stromquelle, ist das unproblematisch. Verwenden wir die Kombination aber unterwegs – was bei einem Laptop natürlich naheliegend ist – sinkt dadurch die Laufzeit des Superbooks. Wie lange die Laptop-Smartphone-Kombination im Alltag durchhält, wird sich erst in einem Test überprüfen lassen.

Fazit

Insgesamt macht der uns gezeigte funktionsfähige Prototyp des Superbooks einen guten Eindruck, auch wenn wir dem Gerät anmerken, dass es noch nicht fertig entwickelt ist. Das Grundprinzip ist aber vielversprechend, ebenso das Design der Benutzeroberfläche und des Gerätes selbst. Die Tastatur finden wir schon im jetzigen Zustand gut, das Touchpad hat eine gute Größe.

Sentio hat während der Entwicklung des Superbooks die Erfahrung machen müssen, dass Hardwareproduktion sich organisatorisch gänzlich von Softwareherstellung unterscheidet. So kam es beispielsweise zu Verzögerungen durch nicht eingehaltene Preisvereinbarungen mit Zulieferern. Dadurch soll das Superbook erst ab Juni 2017 versendet werden – geplant war eigentlich Anfang 2017.

Die Resonanz auf Kickstarter war sehr groß – jetzt liegt es an Sentio, die Erwartungen zu erfüllen. Ein Markt für ein Smartphone-Laptop-Dock scheint durchaus vorhanden zu sein; jetzt bleibt abzuwarten, ob Sentio diesen Markt bedienen kann.


Relevante Themen