Fiese Feuerbälle

Richtig sauer macht mich schließlich Welt 3-4: Zum einen empfinde ich die Frequenz, in der die Feuerbälle aus den Lavagruben schießen, als unberechenbar. Zum anderen gerät mein NES gehörig ins Stottern, sobald ich als großer Mario durch den Level hüpfe und dank eines unverhofften Rucklers unverschuldet in einen Abgrund plumpse.

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Das Missgeschick kostet mich zudem mein letztes Leben. Argh, ich muss nun ganz von vorne anfangen! So war das anno 1985 eben. Speicherpunkte oder zumindest Continues, mit denen ich die zuletzt erreichte Welt neu starten darf, gibt es im alten Super Mario Bros. nicht.

Deshalb nutze ich einen weiteren Designkniff des Spiels aus, der mit zu meinen liebsten gehört: die Warp-Zonen.

It's not a Bug, it's a Feature

Die meisten dürften wissen, wovon ich rede: Wer im ersten Untergrundlevel mit Hilfe der schwebenden Plattformen quasi auf die Decke des Levels springt und über den Ausgang hinwegflitzt, der stößt auf drei Geheimröhren, mit denen man direkt zum Start der zweiten, dritten oder vierten Welt reisen darf.

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Allein die Idee dahinter ist genial, weil das Laufen am oberen Bildschirmrand zunächst wie ein Bug anmutet - als ob der Spieler ungewollt die Grenzen des Spieles überschreiten würde. Doch Shigeru Miyamoto machte aus dem vermeintlichen Bug einfach einen legalen Cheat-Modus.

Dank dieses Features springe ich direkt in die dritte Welt, die ich wiederum im zweiten Versuch mit Ach und Krach bewältige. In der vierten Welt überlebe ich erneut nicht lange. Also nutze ich abermals die Warp-Zonen, und erreiche anschließend auf Anhieb die achte und somit letzte Welt des Spiels.

Der Weg dorthin ist eine Mischung aus Faszination - ich meistere instinktiv die abenteuerlichsten Sprünge - und leichter Enttäuschung. Spätestens ab der sechsten Welt merkt man, dass den Designern irgendwann die kreative Puste ausgegangen ist. In einem Abschnitt freue ich mich noch über den besonderen Einfall, dass dieser plötzlich komplett in Weiß gehalten ist.

Und bin dann enttäuscht, weil er doch keinerlei Besonderheiten birgt. Zudem kommen keine weiteren Gegnertypen mehr hinzu: Der letzte Neu-Widersacher ist die fliegende Kanonenkugel, die in der fünften Welt ihr Debüt feiert.

Welt 4-4 und 7-4 ärgern mich mit verschiedenen Wegen, wobei nur einer direkt zum Endgegner führt und die anderen in einer endlosen Dauerschleife ausarten. Es wirkt schon etwas ideenlos, dass man den korrekten Weg lediglich durch stupides Ausprobieren und nicht zum Beispiel durch das Deuten von Hinweisen herausfinden muss.

Ansonsten fällt mir auf, dass die Levels immer größer werden und mir ab der siebten Welt das im Hintergrund tickende Zeitlimit ziemlich zusetzt. Dieses beschleunigt nämlich bei Anbruch der letzten hundert Sekunden die Musikbegleitung, was mich durchaus nervös und leicht panisch macht.

Schlussendlich schwindet meine Motivation, Super Mario Bros. auf dem NES bis zum Ende durchzuspielen. Der Schwierigkeitsgrad der achten Welt ist viel zu hoch - insbesondere im Vergleich mit den Abschnitten davor.

Zudem verrät mir Youtube, dass Welt 8-4 einem völlig konfusen Labyrinth gleicht, bei dem ich gezielt in die richtigen Röhren klettern muss, um zum Ziel zu gelangen. Nein danke, muss nicht sein.

Also beende ich meinen Ausflug ins originale Super Mario Bros. und schaue mir stattdessen noch einmal die aufgehübschte SNES-Version aus Super Mario All-Stars an. Ich bin erfreut, dass die alte Batterie mitsamt meinen alten Speicherständen noch intakt ist. Der wahre NES-Fan mag das anders sehen, aber mir gefällt die grafische Überarbeitung auf dem SNES ungemein gut.

Super Mario 3D All-Stars

Die Definition von zeitlos

Bleibt die abschließende Frage: Lohnt sich Super Mario Bros. aus heutiger Sicht? Ja, auf jeden Fall! Allein die exzellente Steuerung macht das auf den ersten Blick bieder wirkende Jump-and-Run zu einer zeitlosen Killerapplikation.

  • So fing 1985 alles an: Der berühmte Titelbildschirm von Super Mario Bros. nebst kultiger Musik. (Bild: Nintendo / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Wo man in früheren Spielen lediglich über seine Gegner hinweghüpfen durfte, konnte man sie in Super Mario Bros. regelrecht plätten. (Bild: Nintendo / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Mit dem Einzug die schwebende Plattformen steigt der Schwierigkeitsgrad spürbar an. Wer hier daneben hopst, verliert sein Bildschirmleben. (Bild: Nintendo / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Der im Zweispielermodus spielbare Luigi sieht seinem Bruder zum Verwechseln ähnlich. (Bild: Nintendo / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Zwar ist das hier nicht der echte Bowser, jedoch sieht er genauso aus wie Marios Erzfeind. (Bild: Nintendo / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Die Schwimmerei in den Unterwasserwelten war bereits in Super Mario Bros. eher langweilig. (Bild: Nintendo / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Achtung, tieffliegende Fische! In diesem Level muss der Spieler mit ungewohnt viel Chaos zurechtkommen. (Bild: Nintendo / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Jede Festung ist gespickt mit Feuerfallen, die vom Spieler gut getimte Sprünge verlangen. (Bild: Nintendo / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Was anfangs wie ein Glitch aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine gut versteckte Weltenanwahl. (Bild: Nintendo / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Über solche Böden mit einzelnen Lücken kann man einfach hinwegrennen, anstatt mühsam von einem Block zum nächsten zu springen. (Bild: Nintendo / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Spätere Welten fügen zwar keine weiteren Spielelemente mehr hinzu, erhöhen jedoch die Anzahl der Gegner und Gefahren. (Bild: Nintendo / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Am Ende der achten Welt wartet eine Prinzessin. Wem das nicht genug ist, der kann per Knopfdruck große Teile des Spiels in einem erhöhten Schwierigkeitsgrad meistern. (Bild: Nintendo / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Acht Jahre nach der Originalversion für das NES schob Nintendo diese Adaption für das Super Nintendo nach und vereinte sie mit gleich drei Nachfolgern zum Hit-Modul Super Mario All-Stars. (Bild: Nintendo / Screenshot: Medienagentur Plassma)
Achtung, tieffliegende Fische! In diesem Level muss der Spieler mit ungewohnt viel Chaos zurechtkommen. (Bild: Nintendo / Screenshot: Medienagentur Plassma)

Persönlich würde ich Super Mario Bros. nach wie vor nicht als das beste oder wichtigste Spiel aller Zeiten preisen. Doch ich verstehe, warum es so viele tun. Die von mir aufgeführten Mängel sind für ein 35 Jahre altes Spiel Jammern auf sehr hohem Niveau - und abseits der ärgerlichen Ruckelprobleme auch aus heutiger Sicht kein Beinbruch, sofern man über das schlichte Grafikkleid hinwegsehen kann.

Super Mario Bros. zeigt jedenfalls mit Bravour, dass auch ein technisch so veraltetes Computerspiel immer noch großartig funktionieren kann. Und wieso auch nicht? Cineasten schauen sich schließlich ohne Murren Klassiker wie Im Westen nichts Neues, Citizen Kane oder Stanley Kubricks Dr. Seltsam an und beschweren sich nicht, dass die Filme in Schwarzweiß sind.

In diesem Sinne: Happy Birthday, Super Marios Bros.!

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interlingueX 16. Sep 2020

Guter Einwand. Wobei ich bis heute noch nicht weiß, was sich alles dort versteckt, wo...

DLX23 15. Sep 2020

Schaut mal bei google nach kaizo oder grand poo World

ldlx 14. Sep 2020

Probier doch mal Faxanadu aus, falls du es irgendwo bekommst. Erinner mich dran, dass ich...

pythoneer 14. Sep 2020

Ein schönes Video über Welt 4-2 https://www.youtube.com/watch?v=i1AHCaokqhg

LH 14. Sep 2020

Abgesehen von der Steuerung, natürlich ;) Aber mal ernsthaft, GS war und ist ein mäßiger...



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