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Super Mario Bros. 3: Das beste NES-Spiel aller Zeiten!

Super Mario Bros. 3 zählt zu den größten Hits der Spielegeschichte. Wie schlägt sich das Kult-Jump-and-Run heute?
/ Andreas Altenheimer
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Mario im Nintendo Store Tokyo (Bild: Photo by Behrouz Mehri/AFP via Getty Images)
Mario im Nintendo Store Tokyo Bild: Photo by Behrouz Mehri/AFP via Getty Images

Es ist schon faszinierend: Viele Filmfans stöhnen gelangweilt auf, wenn wieder ein Film mit Indiana Jones oder gar der hundertste Fluch der Karibik angekündigt wird. Doch der versierte Computerspieler giert regelrecht nach Fortsetzungen - und jammert, wenn sein persönliches Lieblingsspiel keine weiteren Sequels erhält.

Mit ein Grund dafür dürfte die Erfolgsgeschichte von Nintendo sein: Das japanische Unternehmen ist seit Beginn der 1970er-Jahre erfolgreich im Spielegeschäft unterwegs und bekannt für seine herausragenden Serien.

Oft stecken in einem Zelda, Metroid oder Mario Dutzende neuer Ideen, die viele andere Entwickler auf deutlich mehr Spiele verteilen würden. Zudem profitierten die älteren Nintendo-Werke von sichtbaren Techniksprüngen, die durch die Konsolengenerationen zustande kamen.

Sprich: Selbst ein Laie erkennt auf den ersten Blick die Unterschiede zwischen The Legend of Zelda (1986) für das Nintendo Entertainment System, A Link to the Past (1991) für das Super Nintendo und Ocarina of Time (1998) für das Nintendo 64 - obwohl zwischen diesen drei Highlights gerade einmal zwölf Jahre liegen!

Super Mario Bros. von 1985 hat eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie Zelda hinter sich, auch wenn das Grundprinzip seit dem Quasi-Vorläufer Donkey Kong (1981) gleich geblieben ist: Man steuert den berühmten italienischen Klempner über einen Parcours voller Plattformen und wird mit allerlei garstig-putzig aussehenden Gegnern konfrontiert.

Meist endet ein Level mit dem Erreichen eines Zielpfahls oder dem Einsammeln eines Sterns. Bereits in Super Mario Bros. wimmelte es nur so vor Geheimnissen und alternativen Wegen, die für einen hohen Wiederspielwert sorgten.

Super Mario Bros 3 - Gameplay
Super Mario Bros 3 - Gameplay (11:59)

Die japanische Version von Super Mario Bros. 2 (1988) verzichtete bewusst auf Experimente und frustrierte dafür mit einem harschen Schwierigkeitsgrad. Nintendo of America war mit dieser Ausrichtung unzufrieden und entschied sich gegen eine Veröffentlichung.

Stattdessen modifizierte man das arabisch angehauchte Yume Kojo Doki Doki Panic(öffnet im neuen Fenster) (1987) und tauschte seine Spielfiguren gegen die Protagonisten aus Mario aus. Das Ergebnis erschien 1988 in den USA sowie ein Jahr später in Europa. Es war beileibe kein schlechter Titel, fühlte sich aber natürlich nicht wirklich wie ein Mario-Game an.

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Nintendo gelobte Besserung und gab sich für den dritten Teil sichtlich mehr Mühe. Super Mario Bros. 3 kam 1988 in Japan auf den Markt und hob die Messlatte für liebevolle Fortsetzungen stark an. Gemeinerweise dauerte es satte drei Jahre, bis auch wir in Europa den Geniestreich von Shigeru Miyamoto erleben durften.

SNES Classic Mini vs Original-SNES (SuperFX und mehr)
SNES Classic Mini vs Original-SNES (SuperFX und mehr) (05:29)

Ich selbst habe diesen Veröffentlichungswirrwarr nur am Rande mitbekommen, weil ich erst 1992 mit Sega Mega Drive und Super Nintendo in die Welt der Konsolen einstieg. Zwar besorgte ich mir rückwirkend ein Nintendo Entertainment System, konzentrierte mich dort jedoch auf die Top-Titel von Konami - allen voran Castlevania (1986), Probotector (1988) und Bucky O'Hare (1992).

Natürlich war ich auch an Super Mario Bros. 3 interessiert, allein weil es von meinem damaligen Lieblingsmagazin Power Play eine immens hohe Wertung von 95 Prozentpunkten(öffnet im neuen Fenster) erhielt. Allerdings übersprang ich die NES-Version und stürzte mich gleich auf Super Mario All-Stars (1993) für das Super Nintendo.

In dieser Sammlung waren alle 8-Bit-Serienteile vereint und in puncto Grafik sowie Sound verbessert worden. Zudem konnte man jederzeit speichern - eine Funktion, die viele Spieler bei dem enorm umfangreichen Originalmodul vermisst hatten.

Auf der NES Classic Mini läuft Super Mario Bros. 3 super!

Erinnere ich mich heute an den Klassiker, kommen mir erstaunlich wenige Bilder in den Sinn. Primär denke ich an den enorm großen Abwechslungsreichtum des Spiels. Doch ob dieser allein auch 35 Jahre später noch punkten kann?

Perfekter Einstieg

Für diesen Artikel möchte ich mich einerseits der Originalversion für das NES widmen und andererseits nicht auf die komfortable Speicheroption verzichten. Ergo hole ich Nintendos erste, 2016 veröffentlichte Minikonsole NES Classic Mini aus dem Schrank.

Auf ihr wird Super Mario Bros. 3 nahezu einwandfrei emuliert, während ich jederzeit meinen aktuellen Fortschritt sichern kann. Zudem ist der Controller dem Original-Joypad für das NES nachempfunden und spiegelt somit das bestmögliche Retro-Feeling wider.

Das Tolle an vielen alten Spielen ist mal wieder der schnelle Einstieg: Bereits nach einem Druck auf den Start-Knopf steuere ich Mario über eine kleine Oberwelt, die an ein klassisches Spielbrett erinnert. Die meisten Felder sind mit Nummern versehen, hinter denen sich jeweils ein Level verbirgt.

Diverse Abzweigungen und Kreuzungen suggerieren mir ein Gefühl der Freiheit: Ich kann entweder sämtliche Felder der Reihe nach abklappern und mich somit allen Herausforderungen stellen oder ich suche mir den kürzesten Weg.

So oder so komme ich nicht um das Bekämpfen zweier Minibosse herum, die sich entweder in einem der Schlösser oder auf einem Luftschiff aufhalten.

Der erste Level ist noch harmlos; er erinnert vom Aufbau her an das Startgebiet des ersten Super Mario Bros. Gleichzeitig stolpere ich über eines der wichtigsten Features, die sich Nintendo eigens für dieses Spiel ausgedacht hat: Beim Anspringen eines Fragezeichenblocks schwebt mir ein braunes Blatt entgegen.

Nehme ich es auf, bekommt Mario ein paar Waschbär-Ohren und einen Waschbär-Pummelschwanz verpasst. Damit kann ich nach einem Sprung deutlich langsamer gen Boden fallen und mit genügend Anlauf gar durch den ganzen Level fliegen.

Insgesamt gefällt mir die erste Welt aufgrund ihrer Leichtigkeit, die perfekt für den Einstieg ist. Sogar die automatisch scrollenden Levels, die mich zwangsweise vorantreiben und im schlimmsten Fall in einen Abgrund schieben, fühlen sich angenehm ruhig an und bereiten mich behutsam auf das vor, was mich noch so alles erwartet.

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Dafür stört mich die Grafik des Spiels: Sie mag ihren Zweck erfüllen, allerdings wirkt die Farbpalette sehr matt. Das gesamte Spiel sieht viel zu hell aus, was gerade im Vergleich zu den knallbunten Nachfolgern für Super Nintendo, Nintendo 64 oder Switch auffällt. Und warum sehen die braunen Gumbas eigentlich so deformiert aus, als ob Mario bereits ein paar Mal auf ihre Köpfe gesprungen wäre?

Super Mario Bros Movie - Trailer (deutsche Version)
Super Mario Bros Movie - Trailer (deutsche Version) (02:08)

Mein erstes Bildschirmleben verliere ich im ersten Schlossabschnitt, wo ich von einer sich senkenden Decke inklusive Stacheln erdrückt werde. Umso erfreuter bin ich, dass ich bereits bei meinem zweiten Anlauf den Boom-Boom-Zwischenboss überstehe und ihn geschickt mit drei Hüpfern auf seinen Schädel bezwinge.

Für mich ist diese Designphilosophie genau der richtige Ansatz, weil ich Kämpfe gegen Bosse mit einer hohen Ausdauer nicht ausstehen kann.

Im zweiten Schloss einer jeden Welt wartet immer das gleiche Spiel auf Held Mario: Der König vor Ort wird in ein Tier verwandelt und man muss das Luftschiff eines bösen Koopalings verfolgen und bewältigen.

Was fühlt sich da minimal träge an?

Hier entpuppt sich das automatische Scrolling erstmals als eine Herausforderung, weil es ständig abrupte Richtungswechsel vornimmt und ich mich gleichzeitig vor den zahlreichen, fliegenden Kanonenkugeln in Acht nehmen muss.

Deshalb halte ich mich möglichst oft im Bildschirmzentrum auf - und besiege den ersten Koopaling auf Anhieb, woraufhin die nächste Welt auf dem Programm steht. Läuft doch!

Wüstentrip mit Verzögerungsproblemen

Die zweite Welt von Super Mario Bros. 3 schickt mich im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste. Ich muss pyramidenförmige Gebäude erklimmen und mich sogar gegen eine grimmig dreinblickende Sonne wehren. Sie schwebt nicht nur bedrohlich böse am Himmel, sondern huscht alle paar Sekunden zu mir und versucht, mich zu rammen.

Auch sonst zieht der Schwierigkeitsgrad gehörig an. Ich verliere nun regelmäßig eines meiner Bildschirmleben. Wie gesagt: Zum Glück kann ich die Minikonsole jederzeit pausieren und meinen aktuellen Spielstand speichern.

Doch irgendwie fühlt sich das Jump-and-Run nun viel zu fordernd und stressig an. Zudem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Steuerung leicht verzögert reagiert. Oder bilde ich mir das nur ein?

Ja und nein: Mit dem Spiel an sich ist alles in Ordnung, nur unterschätze ich das Programm Open Broadcaster Software, mit dem ich Bilder für diesen Artikel erstelle. Es sorgt nämlich für eine leichte Latenz bei der Bildübertragung. Die Steuerung von Super Mario Bros. 3 ist derart präzise, dass mir jede Veränderung gegenüber dem Original doppelt und dreifach auffällt.

Zum Glück kann ich das Spiel direkt über meinen Fernseher laufen lassen, ohne die Aufzeichnung zu pausieren. Daraufhin fühlt sich Super Mario Bros. 3 derart fluffig und natürlich an, dass die meisten anderen 8-Bit-Spiele im direkten Vergleich verblassen dürften. Parallel dazu steigt mein persönlicher Spielspaß stark an, weil er nun auch noch von einer astreinen Spielbarkeit profitiert.

Fortan kann ich das Jump-and-Run einfach genießen und brauche auch nicht mehr lange, bis ich die legendäre vierte Welt - die sogenannte Rieseninsel - erreiche. Darin stoße ich auf Blöcke und Widersacher, die im Vergleich zu den vorherigen Levels doppelt so groß sind.

Es ist eine simple Veränderung, die dem Leveldesign eine weitere besondere Note verleiht und die Einmaligkeit des Spiels abermals unterstreicht. Ich beende auch diese Welt und nehme mir vor, die übrigen der insgesamt 90 Levels - verteilt auf acht Welten - bald noch zu absolvieren.

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Fazit: Zeitlos genialer Klassiker

Genau solche großartigen Ideen wie die vierte Welt des Spiels führen mich damals wie heute zum gleichen Fazit: Super Mario Bros. 3 hat seine astronomisch hohen Wertungen und seinen Kultstatus verdient!

Der genialische Ideenreichtum von Shigeru Miyamoto und seinem Zögling Takashi Tezuka, die für das Spieldesign verantwortlich gewesen sind, hätte problemlos für drei bis vier Titel ausgereicht.

Auch heute noch wirkt der Klassiker kreativ und anspruchsvoll. Er strotzt nur so vor Abwechslung und Geheimnissen und spielt sich derart wunderbar, dass nur wenige Konkurrenzprodukte mithalten können.

Man schaue sich im direkten Vergleich einfach mal das erste Sonic the Hedgehog (1991) für das Sega Mega Drive an: Das erste Spiel rund um den Igel mit dem Turnschuh mag bereits kunterbunt und pfeilschnell gewesen sein, konnte jedoch nicht ansatzweise mit der spielerischen Tiefe von Super Mario Bros. 3 mithalten.

Ergo kann ich Nintendos Meisterwerk auch heute noch bedenkenlos empfehlen. So mancher könnte die Grafik kritisieren, die schon damals nicht spitze war. Doch ansonsten spürt man nach wie vor die unglaubliche Liebe zum Detail und die Ambitionen der Entwickler, ein schweres, aber jederzeit faires und vor allem unterhaltsames Spiel zu gestalten.

Mitarbeit: Benedikt Plass-Fleßenkämper


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