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Sudden Strike 4 im Test: Zweiter Weltkrieg mit Leertaste

Drei spannend inszenierte Kampagnen, schick animierte Grafik und viel taktische Tiefe, aber auch viel Mikromanagement: Das Echtzeit-Strategiespiel Sudden Strike 4 schickt uns auf Windows-PC, Linux und MacOS sowie auf der Playstation 4 in den Zweiten Weltkrieg.
/ Peter Steinlechner
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Sudden Strike 4 schickt den Spieler vor allen in den Osten von Europa. (Bild: Kalypso Media)
Sudden Strike 4 schickt den Spieler vor allen in den Osten von Europa. Bild: Kalypso Media

Der Zweite Weltkrieg fängt im Mai 1940 mit der Schlacht von Sedan an - jedenfalls in Sudden Strike 4. Als Oberbefehlshaber eines kleinen Verbandes aus vier mittelschweren Panzern, 24 Infanteristen und einem Reparaturvehikel sollen wir eine Brücke an der Maas vor den Franzosen erreichen. Das schafft wegen der Vorgaben des Programms zwar selbst der beste General nicht, aber unseren eigentlichen Job, nämlich den Vorstoß nach Westen, kriegen wir dann doch noch hin.

Sudden Strike 4 - Test
Sudden Strike 4 - Test (02:09)

Der erste Einsatz in dem Echtzeit-Strategiespiel von Kalypso Media(öffnet im neuen Fenster) ist natürlich nur der Auftakt. Mit der Wehrmacht ziehen wir ab der dritten Mission - Operation Barbarossa - gen Osten auf die Schlachtfelder Russlands. Nach der siebten Mission wechseln wir die Seiten und kämpfen uns in der Sowjetkampagne mit der Roten Armee bis nach Berlin, bevor wir dann in einer dritten Kampagne mit den Alliierten an der Normandie landen und das Deutsche Reich in sieben weiteren Missionen endgültig in die Knie zwingen.

Wer mag, kann jede der drei Kampagnen direkt starten. In den Missionen gibt es eine Mischung aus großen Schlachten mit teils Hunderten von Einheiten - neben Panzern scheuchen wir auch Haubitzen, Kanonen und anderes Gerät an die Front. Es gibt aber auch Aufgaben mit nur wenigen Infanteristen: Die groß angelegte Operation Overlord - also den Angriff der Alliierten im Jahr 1944 - etwa beginnen wir als einzelner US-Soldat, der erst einmal ein paar Fallschirmjäger einsammeln muss.

Überhaupt gefällt uns die große Abwechslung in Sudden Strike 4 gut. Mal müssen wir einen Konvoi auf einem zugefrorenen See beschützen - wenn der Feind zu viele unserer Lastwagen versenkt, fängt das Ganze von vorne an. Oder wir müssen uns in einer verwüsteten Stadt im Straßenkampf bewähren. Die Missionen sind stark geskriptet, so gut wie immer weisen uns Markierungen auf der Karte den nächsten Zielort. So etwas wie eine globale spielerische Freiheit haben wir nicht.

Dafür müssen wir uns darum kümmern, unsere Einheiten möglichst unversehrt durch die Schlacht zu bringen. Dazu ist stellenweise viel Mikromanagement nötig: Mit unserer Reparaturbrigade dengeln wir halbzerstörte Panzer wieder in einen gebrauchsfähigen Zustand, wir kümmern uns um den Treibstoff und die Munitionsvorräte, sowie um anderen Kleinkram. Einen Teil dieser Aufgaben erledigt das Programm immerhin halbautomatisch, etwa indem ein LKW auf eigene Faust einen kaputten Tank anführt. Wir müssen uns aber um die Details kümmern und darum, dass der Job erledigt wird - die KI ist generell zwar wirklich gut, aber halt auch nicht perfekt.

Auch im Einsatz ist übrigens viel Liebe zum Detail gefragt - wer auf eine möglichst sinnvolle Platzierung von Kanonen achtet, hat es einfacher. Einige feindliche Panzer etwa sind vorne dicker geschützt als hinten, worauf wir bei der taktischen Ausrichtung unserer Spielzüge achten sollten. Das wird uns im Kampfgetümmel vor allem durch eines erleichtert: die Leertaste. Mit ihr können wir das Geschehen jederzeit pausieren lassen und dabei unseren Truppen per Maus genaue Befehle erteilen, die bei erneutem Druck der Leertaste dann ausgeführt werden.

Was es dafür nicht gibt in Sudden Strike 4 ist irgendeine Form von Basisbau. Wir treten nur mit den vom Programm vorgegebenen Einheiten an. Immerhin gibt es in den meisten größeren Gefechten regelmäßig wieder Nachschub, sodass wir selbst bei starken Verlusten meist ausreichend Einheiten zur Verfügung haben. Flugzeuge und Schiffe sind in einigen Einsätzen übrigens auch auf den Karten unterwegs, über sie haben wir aber keine direkte Kontrolle. Die mit Abstand wichtigste Truppenart sind Panzer, gefolgt von der Infanterie.

Verfügbarkeit und Fazit

Eine Besonderheit sind die Generäle, die für eine Prise Rollenspiel sorgen. Vor jedem Einsatz können wir uns in jeder Kampagne für einen von drei historischen Generälen entscheiden, der unseren Truppen als eine Art Schutzpatron dann ein paar Vorteile verschafft. Wenn wir bei den Russen etwa Georgy Konstantinovich Zhukov wählen, können wir durch das Sammeln von Sternen im Spielverlauf die Kampfkraft vor allem unserer Panzer verbessern. Neben ihm sind auch Fedor von Bock, Bernard Montgomery und George Patton mit im Angebot.

Sudden Strike 4 - Trailer (Ankündigung)
Sudden Strike 4 - Trailer (Ankündigung) (01:33)

Das von dem ungarischen Entwicklerstudio Kite Games(öffnet im neuen Fenster) produzierte Sudden Strike 4 basiert auf der Unity-Engine. Grafisch macht das Programm vor allem wegen der vielen liebevollen Details einen gelungenen Eindruck: Wenn wir etwa eine Pontonbrücke bauen, ist da tatsächlich ein kleiner Montageexperte mit dem Schweißbrenner unterwegs. Derartige Animationen und Extras gibt es viele, sodass der Gesamtendruck trotz der nicht immer schönen Untergrundgrafiken gelungen wirkt. Die Ladezeiten sind sehr schnell, Speichern ist jederzeit möglich. Die Karte kann leicht gekippt werden, aber nicht gedreht oder stärker gezoomt.

Neben der Kampagne gibt es noch einen Multiplayermodus, den wir mangels anderer Spieler aber nicht ausprobiert haben. Bis zu acht Teilnehmer können sowohl zusammen gegen computergesteuerte Einheiten antreten oder sich gegenseitig in Teams bekämpfen. Online gibt es auch ein schnelles Spiel, offline eine Reihe von Scharmützeln.

Sudden Strike 4 ist bei Steam und Gog.com (rund 43 Euro) für Windows-PC, Linux und MacOS erhältlich. Die gleichen Fassungen gibt es im Handel in einer Packung für 50 Euro, dazu kommt noch eine Version für die Playstation 4 für rund 60 Euro; zum Test stand uns nur die PC-Ausgabe zur Verfügung. Eine Umsetzung für die Xbox One oder weitere Plattformen ist derzeit nicht geplant. Von der USK hat das Programm eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.

Fazit

Angesichts der vielen Echtzeit-Strategiespiele im Zweiten Weltkrieg ist es gar nicht so einfach, einen weiteren halbwegs frischen Genrevertreter auf den Bildschirm zu zaubern. Bei Sudden Strike 4 ist das Kunststück gelungen. Uns haben die Missionen vom ersten Schusswechsel an gefallen und vor allem zum Weitermachen bewegt. Die Entwickler erfinden zwar die Panzerkette nicht neu, aber die Mischung aus vielen großen Schlachten und einigen kleineren Einsätzen ist abwechslungsreich und spannend inszeniert. Details wie die freischaltbaren Generalsfähigkeiten motivieren.

Auch Grafik und Aufbereitung wirken gelungen. Wenn da ein paar einsame Tanks durch einen Wald irgendwo in Russland rumpeln oder Dutzende von Einheiten aufeinander feuern: Sudden Strike 4 sieht dank aufwendiger Animationen und liebevoller Details schön aus. Dazu kommen der teils wunderbar bombastische Soundtrack und die gute Sprachausgabe.

Gestört hat uns vor allem das Mikromanagement, das in einigen Missionen ziemlich im Vordergrund steht. Das Aufpassen auf Treibstoff und sonstige Ausrüstung ist zwar von der Bedienung her sauber gelöst, aber auf Dauer etwas monoton. Immerhin artetet das Ganze dank der Pausenfunktion per Leertaste nicht in Hektik aus. Wer das Szenario von Sudden Strike 4 mag, sich nicht an den stark geskripteten Missionen stört und sich vielleicht auch noch für die Mod-Community interessiert, bekommt hier sehr soliden Strategiespaß.


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