Suchtmittelkonsum: Tech-Mitarbeiter greifen zum Nikotinbeutel

Nikotinbeutel(öffnet im neuen Fenster) haben sich in mehreren US-Tech-Unternehmen zum festen Bestandteil der Büroausstattung entwickelt. Firmen wie Palantir Technologies installieren Automaten, gefüllt mit diesen Produkten.
Die Beutel gibt es in Geschmacksrichtungen von Mango bis Espresso – und sie werden in manchen Start-ups kostenlos an Mitarbeiter ausgegeben, wie das Wall Street Journal berichtet(öffnet im neuen Fenster) .
Palantirs Büros in Washington D.C. verfügen dem Bericht nach über Automaten von zwei Nikotinfirmen, Lucy Nicotine und Sesh, die kostenlos Beutel an Mitarbeiter und Besucher über 21 Jahren ausgeben. Palantir übernehme die Kosten für die Bestückung dieser Spender.
Gesundheitsexperten äußern Bedenken
Forscher erkennen an, dass Nikotinbeutel weniger schädlich als Rauchen sind, da sie nicht direkt Krebs oder Lungenerkrankungen verursachen. Dr. Michael Fiore vom Center for Tobacco Research and Intervention der Universität Wisconsin warnt jedoch, dass sie neue Süchte erzeugen könnten.
"Ich vermute, dass die meisten dieser Tech-Mitarbeiter noch keine Konsumenten sind, so dass es in einer Bevölkerung, die es derzeit nicht nutzt, eine Abhängigkeit verursachen könnte" , sagte Fiore. Die Beutel könnten auch als Einstieg zu schädlicheren Nikotinprodukten wie Zigaretten dienen.
Nikotin selbst birgt Risiken(öffnet im neuen Fenster) , darunter erhöhter Blutdruck, der die Wahrscheinlichkeit von Herzinfarkten und Schlaganfällen steigern kann. Menschen, die süchtig würden und später versuchten, wieder mit dem Konsum aufzuhören, könnten laut Fiore unter Anhedonie(öffnet im neuen Fenster) leiden – der Unfähigkeit, Freude zu empfinden.
Silicon Valley zieht Nikotin-Start-ups an
Auch Risikokapital floss in die Nikotinbeutel-Industrie. Sesh sammelte im September 40 Millionen USD von 8VC ein, einer Firma, die von Palantirs Joe Lonsdale mitgegründet wurde. Jake Medwell von 8VC sagte, sein Interesse sei geweckt worden, nachdem Philip Morris 2023 den Zyn-Hersteller Swedish Match für 16 Milliarden US-Dollar übernommen habe.
Die Unternehmen berichten von zahlreichen Anfragen von Tech-Gründern über die Installation von Nikotinautomaten in ihren Büros. Coogan sagte, Diskussionen über Nikotin in Tech-Kreisen konzentrierten sich stark auf wissenschaftliche Details wie Halbwertszeit und Stoffwechsel.
Verbot in Deutschland und anderen Ländern
Zack Ganieany, ein weiterer Tech-Gründer, der Beutel in seinen Start-up-Büros anbietet, nannte die lange Halbwertszeit von Koffein als Grund, warum er in diesem Jahr auf Nikotin umgestiegen sei. Die US-Lebensmittelbehörde ließ zu(öffnet im neuen Fenster) , dass diese Beutel vermarktet werden dürfen, betont aber, dass dies nicht bedeute, dass sie sicher seien.
In Deutschland sind die Nikotinbeutel weder lebensmittelrechtlich noch tabakrechtlich zugelassen, in den Niederlanden ebenso wenig. Frankreich verbietet die Beutel seit dem ersten Quartal 2026.



