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Suchmaschinen: Initiative will Google mit freiem Webindex angreifen

Eine Initiative findet die marktbeherrschende Stellung von Googles Suchmaschine ein "Unding". Darum setzt sie sich für einen freien Webindex ein. Damit könnten eine Vielzahl neuer Suchmaschinen entstehen.

Artikel von Susanne Ehlerding veröffentlicht am
Das Google-Logo
Das Google-Logo (Bild: AFP/Getty Images)

Eine Gruppe von deutschen Akademikern und Suchmaschinenexperten will die Macht von Google brechen. Ihre Idee: Ein staatlich finanzierter freier Webindex soll Basis für Google-Konkurrenten werden. Gemeint ist ein Abbild des Internets, wie es auch Google in seinen Rechenzentren rund um die Welt abgelegt hat. Auf der Basis dieses Spiegelbildes könnten alternative Suchmaschinen ihre Dienste aufbauen.

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Die Initiative geht von Dirk Lewandowski von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg aus. Ein Team von Gleichgesinnten unterstützt den Experten für Informationsbeschaffung. Sie kommen von der Deutschen Nationalbibliothek, der Gesellschaft für Informatik und dem Institut für Technikfolgenabschätzung. Auch Yacy ist dabei, ein Hersteller von freier Suchmaschinensoftware, und Suma-eV, ein Verein für freien Wissenszugang, der die Metasuchmaschine Metager betreibt.

Finanzieren soll den Webindex die EU. "Eine Kopie des Web würde sich heute kein Staat und kein Unternehmen mehr allein leisten", sagt Lewandowski. Ein Irrweg dagegen wäre es seiner Ansicht nach, mit staatlicher Förderung alternative Suchmaschinen aufzubauen, die aus unterschiedlichen Gründen scheitern könnten. "Selbst ein Unternehmen wie Microsoft schafft es nicht allein. Das Problem muss auf andere Weise geregelt werden. Googles Monopol ist nicht durch den Markt zu brechen", sagt der Wissenschaftler.

Damit steht er in einer Linie mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Justizminister Heiko Maas (beide SPD), die kürzlich eine Entflechtung von Google forderten. Am Mittwoch veröffentlicht die Bundesregierung ihre Digitale Agenda. Demnach sieht die Regierung es als ihre Aufgabe an, der "missbräuchlichen Ausnutzung von marktbeherrschenden Stellungen entgegenzutreten".

Vor harten Schnitten allerdings hatte der Vorsitzende der deutsche Monopolkommission, Daniel Zimmer, in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit gewarnt: "Wir raten zum gegenwärtigen Zeitpunkt davon ab, mit sehr drastischen Mitteln wie der Zerschlagung von Unternehmen zu operieren", sagte er. Die Begründung: "Wir gehen davon aus, dass die Menschen freiwillig eine bestimmte Suchmaschine benutzen und im Prinzip zu einer anderen wechseln können." Genau das will die Initiative für den freien Webindex unterstützen.

"Physisch soll der Index auf drei oder mehr Rechenzentren in Europa gespeichert werden", erklärt Suchmaschinenpionier Wolfgang Sander-Beuermann von Suma. Zunächst sollen nur Inhalte mit lateinischen Schriftzeichen möglichst komplett in die Datenbank gezogen werden. Der Zugriff für die Nutzer würde über verschiedene Schnittstellen organisiert, um Daten in unterschiedlicher Form (Rohdaten, vorverarbeitete Daten) abrufen zu können.

"Jeder soll den freien Webindex wie eine kostenlose Spielwiese zur Entwicklung von Suchmaschinen nutzen können", sagt Sander-Beuermann. Erst wenn solche Projekte kommerziell erfolgreich würden, sollten Gebühren erhoben werden, damit sich der Webindex refinanziere. Die Kosten dafür werden erheblich sein. Mit mehreren Hundert Millionen Euro rechnet der Experte. Das ist viel mehr, als die EU sonst für Technologieprojekte wie beispielsweise CEED bewilligt, das sich mit der Visualisierung von großen Datenmengen beschäftigt.

"Um eine so große Summe zu bekommen, braucht es den politischen Willen auf höchster Ebene", sagt Dirk Lewandowski. Seine Gruppe hat schon Kontakt zum österreichischen EU-Kommissar für Regionalpolitik, Johannes Hahn, aufgenommen. Er hat bereits ähnliche Gedanken geäußert. Nach dem NSA-Skandal rennt die Initiative möglicherweise offene Türen ein. Schon macht in der EU das Wort vom IT-Airbus die Runde. So wie damals gegen Boeing könnten die Staaten von Europa gemeinsam gegen Google antreten.

Für die Nutzer würde der Webindex eine neue Vielfalt von Informationen bringen, sagt Wolfgang Sander-Beuermann. "Google könnte nicht mehr vorschreiben, was wichtig und was unwichtig ist." Schließlich filtert der Konzern aus allen Suchergebnissen höchstens 1.000 Treffer. Mehr werden nicht angezeigt, selbst wenn Google oberhalb der Trefferliste eine Zahl von zig Millionen Ergebnissen nennt. Nicht nur neue Suchmaschinen wären auf Grundlage des Webindex möglich. "Es werden Anwendungen entstehen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können", glaubt Wolfgang Sander-Beuermann. Dienste für Datenanalyse und Monitoring ließen sich auf jeden Fall verbessern: "Möchte beispielsweise ein Unternehmen wissen, was über seine Produkte geschrieben wird, könnten solche Dienste den Index regelmäßig auf neue Dokumente durchforsten. Sie gibt es heute schon, allerdings sehr begrenzt, oder sie müssen eigene, kleinere Indexe aufbauen", erklärt Lewandowski. Auf jeden Fall bedeute der Webindex, wieder die Macht über die Daten zu haben, sagt er.

In ein paar Wochen will die Initiative mit einem Manifest an die Öffentlichkeit gehen, im Herbst ihre zweite Konferenz abhalten. Danach wird sich zeigen, ob die Politik den Ankündigungen gegen Googles Marktmacht Taten folgen lässt.



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hyperlord 22. Aug 2014

Das ist so aber auch nicht richtig - ja, Google kriegt nicht vom Nutzer Geld, sondern...

hyperlord 21. Aug 2014

Es stellt sich aber die Frage, wer denn definiert, was ausgewogen und ehrlich ist. Im...

consulting 21. Aug 2014

Da wollen ein paar Neider (auf den Erfolg von Google) und Angsthasen (vor dem...

nykiel.marek 21. Aug 2014

+1 LG, MN

nykiel.marek 21. Aug 2014

Ah Nein? Wie oft kommt es denn vor, dass Abgeordnete gegen die Regierungslinie...


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