Suchmaschinen: Das Cookie-Märchen von Qwant

Die französische Suchmaschine Qwant will ihren Nutzern mehr Datenschutz als Google bieten. Ihr Versprechen, keine Cookies und kein Tracking einzusetzen, hält sie aber nicht ein. Zudem ist die Zahl der angezeigten Suchergebnisse äußerst gering.

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Nur auf der Startseite zeigt Qwant große Ähnlichkeit mit Google.
Nur auf der Startseite zeigt Qwant große Ähnlichkeit mit Google. (Bild: qwant.com/Sreenshot: Golem.de)

"Keine Cookies, kein Tracking", verspricht die französische Suchmaschine Qwant auf ihrer Internetseite. Mit ihrem Fokus auf besseren Datenschutz und "neutrale" Suchergebnisse wollen die Franzosen eine Alternative zu Google bieten. Doch dieses Versprechen, das die Qwant-Gründer dieser Tage auch vor deutschen Medien abgaben, halten sie nicht ein. Wer Qwant benutzt, wird mit dem freien Analysetool Piwik getrackt. Bei einem Besuch der Website werden mindestens drei Cookies platziert, die zum Teil erst nach zwei Jahren ablaufen.

In den rechtlichen Hinweisen heißt es außerdem: "Der Benutzer ist darüber informiert, dass bei seinen Besuchen auf der Webseite automatisch ein Cookie auf seiner Browser-Software installiert und vorübergehend im Speicher gespeichert wird." Die Suchmaschine wurde 2011 gegründet und ging im Januar 2013 an den Start. Nach eigenen Angaben verzeichnete die Seite im vergangenen Jahr etwas mehr als 500 Millionen Suchanfragen, bei einer durchschnittlichen Verweildauer von rund fünfeinhalb Minuten auf der Seite. Qwant behauptet, dass 60 Prozent seiner Nutzer nach dem ersten Besuch wiederkämen. Eine Zahl, die sich ohne Tracking nur schwer ermitteln lässt. Die Absprungrate liege bei 13,5 Prozent. Von Googles Zugriffszahlen ist Qwant noch etliche Klicks entfernt: Der Marktführer verzeichnete 2013 rund sechs Milliarden Anfragen - pro Tag. Selbst in Sachen Sicherheit hinkt Qwant noch hinterher. Anders als bei Google werden die Suchanfragen nicht automatisch auf https umgeleitet und können daher mitgeschnitten werden.

Nach 50 Ergebnissen ist Schluss

Ähnlichkeiten mit Google springen bei einem Besuch der Startseite ins Auge, wobei das Qwant-Logo noch bunter ausfällt. Dann hört es mit den Gemeinsamkeiten schon auf. Denn Qwant sucht nach eigenen Angaben anders und stellt die Ergebnisse auch anders dar. Der Nutzer hat die Wahl zwischen der traditionellen Listendarstellung, wie er sie von Google kennt, und einer Spaltenversion. Diese präsentiert die Ergebnisse sortiert nach den Kategorien Netz, Nachrichten, soziale Netzwerke und Einkaufstipps. Außerdem gibt es einen "Qnowledge Graph", der Wikipedia-Ergebnisse darstellt und dabei sehr häufig nur die Begriffsklärungsseite anzeigt. Die Resultate lassen sich auch noch als Mosaik darstellen, was der Übersichtlichkeit aber nicht dient.

Qwant legt nach eigenen Angaben keine Browserprofile an und beantwortet jede Suchanfrage unabhängig vom Nutzer. Allerdings ist die Suche natürlich stark vom Länderprofil abhängig, das sich einstellen lässt (und per Cookie abgespeichert wird). Eine Suche mit Qwant ergab über mehrere Tage ordentliche Ergebnisse bei der normalen Websuche, zeigte aber auch deutliche Schwächen bei den Nachrichten und den Fundstellen in den sozialen Medien.

Was aber besonders auffällt: Während Google bei einem Suchbegriff wie "Windows" mehr als eine Milliarde Ergebnisse findet und davon immerhin 1.000 anzeigt, nennt Qwant keine Zahl der Fundstellen und hört nach 50 Ergebnissen, die untereinander dargestellt werden, schnell auf.

Entdeckungsmaschine statt Suchmaschine

Da mag die Erfahrung eine Rolle spielen, dass die meisten Nutzer ohnehin nur die ersten zehn Ergebnisse anklicken. Aber zum einen ist es häufig durchaus hilfreich, die Zahl der Fundstellen zu kennen, zum anderen findet sich gelegentlich doch auf der siebten oder achten Seite noch ein interessanter Link. Noch weniger Fundstellen werden bei den Nachrichten und sozialen Netzwerken angezeigt, wo nach 30 beziehungsweise 20 oder weniger Ergebnissen Schluss ist. Das ist für eine Recherche viel zu wenig und kann Google-News oder andere Suchwerkzeuge nicht annähernd ersetzen.

Kein Wunder, dass Cheftechniker Eric Leandri Qwant nicht eine klassische Suchmaschine nennt, sondern sie als "Entdeckungsmaschine" bezeichnet. Qwant sei mehr als Katalog zu verstehen, der Suchergebnisse aggregiere und hübsch aufbereite, sagte er vergangenen Dienstag in Berlin. Auf personalisierte Anzeigen und bezahlte Links wie Google verzichten die Franzosen. Stattdessen verdienen sie Geld im B2B-Bereich und mit der Beteiligung an Käufen, die über Qwant generiert werden. Bislang seien 3,5 Millionen Euro an Investitionskapital eingesammelt worden. Auch in dieser Hinsicht ist noch viel Luft nach oben.

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uss_sovereign2002 22. Apr 2014

also von einer ähnlichkeit zum amerikanischen gockel kann ich bei qwant hier von der...

FreiGeistler 11. Mär 2014

ixquick sei auch noch gut

Endwickler 10. Mär 2014

In german "Keine Cookies, kein tracking" means "no cookies". You should use a better...

vinta 09. Mär 2014

Aus den Niederlanden kommt z.B. Ixquick - und mit Startpage liefern die auch...



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