Stuxnet im Iran: Atomanlage angeblich von einem Niederländer infiltriert
Mehr als 15 Jahre nach seinem Einsatz deuten Untersuchungen darauf hin, dass ein damals 36-jähriger Niederländer namens Erik van Sabben bei der Sabotage des iranischen Atomprogramms durch den Computerwurm Stuxnet eine entscheidende Rolle gespielt hat. Die niederländischen Geheimdienste AIVD und MIVD hätten den Mann einst rekrutiert, niederländische Politiker seien jedoch nicht über die Operation informiert worden, berichtet die NL Times(öffnet im neuen Fenster) .
Früheren Berichten zufolge soll ein iranischer Doppelagent Stuxnet mit einem USB-Stick in die Atomanlage eingeschleust haben. Weitere Recherchen der niederländischen Tageszeitung Volkskrant hätten jedoch zutage gefördert, dass der Niederländer Van Sabben im Jahr 2008 in den Nuklearkomplex eingedrungen sei und dort mit der Malware infizierte Geräte installiert habe. Es wird angenommen, dass sich Stuxnet ursprünglich in einem Wasserpumpensystem befand.
Die Entwicklung der Schadsoftware soll mehr als eine Milliarde Dollar gekostet und ihr Einsatz das iranische Atomprogramm laut Schätzungen um mehrere Jahre verzögert haben. Entdeckt wurde der Wurm im Jahr 2010. Tausende von Computern wurden damals mit Stuxnet infiziert .
Kurz nach Einsatz tödlich verunglückt
Von den Geheimdiensten rekrutiert wurde Van Sabben wohl schon im Jahr 2005. Er sei bereits geschäftlich im Iran tätig und mit einer Iranerin verheiratet gewesen, heißt es weiter bei der NL Times. Seine zahlreichen Kontakte in der Region sowie sein technischer Werdegang hätten ihn zu einer idealen Besetzung für die Operation gemacht. Ob er überhaupt von seiner Rolle bei der Sabotageaktion gewusst habe, sei aber unklar.
Nach erfolgreicher Sabotage des iranischen Atomprogramms habe der Niederländer den Iran sofort verlassen. Etwa zwei Wochen später sei Van Sabben bei einem Motorradunfall in Dubai tödlich verunglückt. Es gebe jedoch nach Gesprächen mit Augenzeugen keine Hinweise darauf, dass es sich dabei um einen inszenierten Unfall gehandelt habe, so die Zeitung.
Die Regierung war angeblich nicht informiert
Die niederländische Regierung und das Parlament sollen von Van Sabbens Einsatz nichts gewusst haben. Den Geheimdiensten sei zwar ihre Beteiligung an der Sabotage des iranischen Atomprogramms bekannt gewesen, nicht jedoch der Umstand, dass Stuxnet von einem ihrer Agenten eingeschleust worden sei, berichtet die NL Times.
Ein anonymer leitender Angestellter des AIVD habe erklärt, die Regierung sei möglicherweise absichtlich nicht über die Operation informiert worden, um mögliche politische Konsequenzen zu vermeiden. Es sei üblich, "vor der Haustür des Premierministers zu kehren" .
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