Sturm auf US-Kapitol: Twitter-Chef hadert mit der Sperrung Trumps

Erst nach tödlichen Ausschreitungen hat Twitter den Account von US-Präsident Trump suspendiert. Firmenchef Dorsey sieht darin ein Versagen des Dienstes.

Artikel veröffentlicht am ,
Donald Trumps Twitter-Account bleibt weiter gesperrt.
Donald Trumps Twitter-Account bleibt weiter gesperrt. (Bild: Joshua Roberts/Reuters)

Twitter-Gründer Jack Dorsey sieht in der dauerhaften Sperrung von Donald Trumps Twitter-Account einen "gefährlichen Präzedenzfall". In einem längeren Thread verteidigte der Firmenchef zwar die Blockade des scheidenden US-Präsidenten als "richtige Entscheidung". Dennoch habe das Sperren eines Kontos "reale und erhebliche Konsequenzen".

Stellenmarkt
  1. Softwareentwickler*in / Webentwickler*in / Algorithmenentwickler*in
    Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, Erlangen, Bamberg
  2. IT-Systemspezialist (m/w/d)
    BARMER, Wuppertal
Detailsuche

Twitter hat Trumps Konto am vergangenen Freitag gesperrt. Hintergrund sind wiederholte Behauptungen Trumps, wonach die Präsidentschaftswahl vom vergangenen November gefälscht und ihm der Wahlsieg gestohlen worden sei. Die Behauptungen hatten nach einer Rede Trumps vor seinen Anhängern am 6. Januar 2021 in Washington D.C. zum Sturm auf das Kapitol geführt. Inzwischen läuft gegen Trump wegen Anstiftung zur Aufruhr bereits das zweite Amtsenthebungsverfahren in dessen vierjähriger Amtszeit. Das hat es bislang noch bei keinem US-Präsidenten gegeben.

Twitter begründete die Sperrung am Freitag mit dem "Risiko einer weiteren Anstiftung zur Gewalt". In den Jahren zuvor hatte der Kurznachrichtendienst dem US-Präsidenten jedoch Gewaltandrohungen und Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen durchgehen lassen. Erst im vergangenen Jahr hatte der Dienst damit begonnen, einzelne Tweets als irreführend zu kennzeichnen oder anderweitig zu markieren. Nach dem Sturm auf das Kapitol hatte Twitter zunächst einzelne Tweets blockiert und Trumps Zugang für zwölf Stunden gesperrt.

"Unhaltbare Umstände"

Dorsey erklärte nun: "Wir waren mit außergewöhnlichen und unhaltbaren Umständen konfrontiert, die uns gezwungen haben, alle unsere Maßnahmen auf die öffentliche Sicherheit zu konzentrieren. Offline-Schäden durch Online-Sprache gibt es wirklich und bestimmen vor allem unsere Richtlinien und deren Durchsetzung."

Golem Akademie
  1. IT-Fachseminare der Golem Akademie
    Live-Workshops zu Schlüsselqualifikationen
  2. 1:1-Videocoaching mit Golem Shifoo
    Berufliche Herausforderungen meistern
  3. Online-Sprachkurse mit Golem & Gymglish
    Kurze Lektionen, die funktionieren
Weitere IT-Trainings

Dennoch sieht er es letztendlich als Versagen von Twitter, dass keine "gesunde Diskussion" ermöglicht worden sei. Durch eine solche Maßnahme zersplittere die öffentliche Diskussion. "Sie spaltet uns. Sie schränkt das Potenzial für Klarstellungen, Wiedergutmachung und Lernen ein. Und stellt einen Präzedenzfall dar, den ich für gefährlich halte: die Macht, die eine Person oder ein Unternehmen über einen Teil des weltweiten öffentlichen Diskurses hat", schrieb Dorsey.

"Keine koordinierte Aktion"

Der Twitter-Chef kritisierte indirekt die Entscheidungen anderer Plattformen wie Facebook, Trumps Kommunikationskanäle ebenfalls zu beschränken: "Die Kontrolle und Rechenschaftspflicht für diese Macht lag schon immer in der Tatsache, dass ein Dienst wie Twitter ein kleiner Teil der größeren öffentlichen Konversation ist, die über das Internet stattfindet. Wenn die Leute mit unseren Regeln und deren Durchsetzung nicht einverstanden sind, können sie einfach zu einem anderen Internetdienst gehen." Die Konzept sei durch das gleichzeitige Vorgehen wichtiger Interdienste in Frage gestellt worden.

Dabei geht Dorsey nicht davon aus, dass die Aktionen koordiniert gewesen seien. Vielmehr seien die einzelnen Firmen aufgrund eigener Überlegungen dazu gekommen oder durch die Aktionen anderer bestärkt worden.

Die Wahrheit über Trump: Die Biografie des 45. Präsidenten (Deutsch) Taschenbuch

Auch wenn dieses Vorgehen in der momentanen Situation gerechtfertigt sein könne, kann es laut Dorsey für die "edlen Ziele und Ideale des offenen Internet zerstörerisch wirken". Er merkte selbstkritisch an: "Ja, wir alle müssen uns kritisch mit Inkonsistenzen unserer Richtlinien und deren Durchsetzung befassen. Ja, wir müssen prüfen, wie unser Dienst die Menschen fehlleitet und Schaden anrichtet. Ja, wir brauchen mehr Transparenz bei unseren Moderationsvorgängen."

Konkrete Vorschläge, beispielsweise die Sonderregelungen für Politiker abzuschaffen, machte Dorsey nicht. Er verwies darauf, einen offenen, dezentralen Standard für soziale Medien entwickeln zu wollen. Dazu habe er bereits im Dezember 2019 ein unabhängiges Team ins Leben gerufen.

Der Twitterbann für Trump wurde in der Öffentlichkeit weitgehend begrüßt. Allerdings warnten Kritiker vor einem Präzedenzfall.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Probefahrt mit EQS
Mercedes schüttelt Tesla ab, aber nicht die Klimakrise

Der neue EQS von Mercedes-Benz widerlegt die Argumente vieler Elektroauto-Gegner. Auch die Komforttüren gefallen uns.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

Probefahrt mit EQS: Mercedes schüttelt Tesla ab, aber nicht die Klimakrise
Artikel
  1. E-Scooter: Voi wird wegen angeblich unbegrenzter Fahrten abgemahnt
    E-Scooter
    Voi wird wegen angeblich unbegrenzter Fahrten abgemahnt

    Mit einer Tages- oder Monatskarte des E-Scooter-Anbieters Voi sollen Nutzer so viel fahren können, wie sie wollen - können sie aber nicht.

  2. Vidme: Webseiten blenden ungewollt Pornos ein
    Vidme
    Webseiten blenden ungewollt Pornos ein

    Eine Pornowebseite hat die verwaiste Domain eines Videohosters gekauft. Auf bekannten Nachrichtenseiten wurden daraufhin Hardcore-Pornos angezeigt.

  3. Datenbank: Facebook braucht schon Jahre für MySQL-Update
    Datenbank
    Facebook braucht schon Jahre für MySQL-Update

    Das Update von MySQL 5.6 auf das aktuelle 8.0 laufe bei Facebook wegen vieler Probleme schon seit "einigen Jahren" und ist noch nicht fertig.

HeroFeat 15. Jan 2021

Trump hat so oft geklagt. Und hatte eigentlich keinen Erfolg. Und das auch vor Richtern...

Nasenbaer 15. Jan 2021

Ja nicht wortwörtlich. Aber ne psychisch kranke nachäffen, von gestohlenen Wählen...

M.P. 15. Jan 2021

Diese Blase kann man gut finden oder schlecht. Im Kneipenvergleich: Will man in einer...

Eierspeise 14. Jan 2021

Aber das kann man so offen natürlich nicht zugeben. Lieber schwammige Aussagen machen und...



  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Schnäppchen • 30% Rabatt auf Amazon Warehouse • Asus TUF Gaming 27" FHD 280Hz 306,22€ • Samsung 970 Evo Plus 1TB 136,99€ • Gratis-Spiele im Epic Games Store • Alternate (u. a. be quiet Pure Wings 2 Gehäuselüfter 7,49€) • Philips 75" + Philips On-Ear-Kopfhörer 899€ • -15% auf TVs bei Ebay [Werbung]
    •  /