Studie: Kernenergie zu langsam und zu teuer für die Energiewende
Eine Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes(öffnet im neuen Fenster) bescheinigt der Kernenergie eine hervorragende Klimabilanz. Demnach sei der CO2-Ausstoß je eingespeister Kilowattstunden (kWh) auf demselben Niveau wie bei Photovoltaik und Windkraft.
In allen weiteren entscheidenden Punkten zeigen sich bei der Kernenergie hingegen vielfältige praktische Nachteile. Die Studie schätzt deshalb ein Szenario, in dem Strom aus Kernkraft global eine entscheidende Rolle spielt, als unrealistisch ein.
Vor allem steht der Preis für die Stromerzeugung einer schnellen Verbreitung der Technik entgegen. In Europa rechnen die Autoren mit 15 bis 19 Cent je kWh, in Nordamerika mit 15 bis 16 Cent je kWh. Dagegen liegen Windkraft und Strom aus Photovoltaik deutlich unter 10 Cent. Windkraft an Land wird mit durchschnittlich 3,6 Cent pro kWh angesetzt.
Praktische Gründe sprechen gegen Kernenergie
Aber nicht nur die reinen Kosten sprechen gegen die schnelle Verbreitung von Kernkraftwerken. Der jährliche Zubau müsste demnach bei mindestens 30 Gigawatt (GW) Leistung pro Jahr liegen, was 25 bis 30 großen Atomreaktoren entspricht.
In den letzten Jahrzehnten lag die Quote hingegen bei 10 GW, was zuletzt gerade ausreichte, um die Leistung stillgelegter AKWs zu kompensieren. Eine so starke Beschleunigung beim Bau scheint laut Studie kaum möglich.
Und selbst wenn sich die Anzahl der geplanten Projekte erhöhen sollte, spricht allein die lange Bauzeit von bis zu 20 Jahren dagegen, dass Kernenergie bis 2050 eine relevante Rolle bei der weltweiten Energieproduktion spielen könnte.
Denkbar schlecht sei außerdem das Zusammenspiel mit erneuerbaren Energiequellen. Die Regelbarkeit von AKWs ist minimal und erfordert eine gewisse Vorlaufzeit. Bei einem hohen Anteil von Windkraft und Solarenergie im Energiesystem sind dagegen schnelle Lastwechsel notwendig, die Kernkraft nicht leisten kann.
Klimawandel steht Atomkraft im Weg
Neben den Risiken durch einen ernsthaften Reaktorunfall, die nicht seriös beziffert werden können, steht auch der Klimawandel selbst dem Ausbau der Kernenergie im Weg. So wäre ein Standort am Meer grundlegend ideal, weil ausreichend Kühlwasser mit kaum schwankenden Temperaturen verfügbar ist.
Durch den steigenden Meeresspiegel und zunehmende Extremwettereignisse steigt jedoch genau dort das Risiko für unvorhersehbare Zwischenfälle. An Flüssen wiederum könnten Hitzewellen, Trockenperioden oder Starkregen den zuverlässigen Betrieb einer Kernanlage gefährden.
Insgesamt gehen die Studienautoren davon aus, dass Kernkraftwerke in Zukunft im allerbesten Fall neun Prozent der weltweiten Energieproduktion übernehmen können. Das entspricht dem derzeitigen Anteil und erfordert eine Steigerung der aktuellen Ausbaugeschwindigkeit bei Kernreaktoren. 1996 lag der Anteil noch bei 17 Prozent, 2050 liegt er nach Berechnungen der Studie am wahrscheinlichsten bei drei bis vier Prozent.
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