Elektroautos: Hunderttausende Jobs in der Automobilindustrie gefährdet

Weil Elektroautos viel weniger Teile brauchen als Verbrenner, droht laut Ifo-Institut ein großer Stellenverlust im deutschen Automobilbau.

Ein Bericht von Peter Ilg veröffentlicht am
Die Autoindustrie muss sich umstellen.
Die Autoindustrie muss sich umstellen. (Bild: Pedro Vilela/Getty Images)

Forscher des Münchner Ifo-Instituts haben im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie (VDA) die Auswirkungen der zunehmenden Produktion elektrisch betriebener Autos auf die Beschäftigung in Deutschland untersucht. Eine zentrale Frage ihrer Studie war, ob die in Rente gehenden Beschäftigten ausreichen, um absehbare Veränderungen in der Branche auszugleichen.

Inhalt:
  1. Elektroautos: Hunderttausende Jobs in der Automobilindustrie gefährdet
  2. Bis 2025 zwischen 180.000 und 220.000 Stellen gefährdet

Hintergrund ist, dass Elektromotoren viel weniger Motorenteile benötigen als Verbrenner. Ein Auto mit Verbrennungsmotor braucht im Antriebsstrang Tausende Teile, ein Stromer Hunderte. Der ADAC geht von einem Faktor 10:1 aus. Neun von zehn Teilen fallen damit weg.

In der Automobilindustrie hängt aber knapp jeder zweite Arbeitsplatz an der Verbrennertechnik. Dazu kommen Beschäftigte bei Zulieferern von Teilen für Verbrennermotoren, was im Jahr 2019 in Summe zu 613.000 Arbeitsplätzen führt, die an diese Technologie gebunden sind. In den kommenden Jahren werden weniger Autos mit Verbrenner gebaut, gleichzeitig steigt der Anteil mit Elektromotor. Das verändert die Beschäftigung.

Redundant aufgebautes Personal

Ab 2015 hat die deutsche Automobilindustrie sich ernsthaft mit der Elektromobilität auseinandergesetzt, wie die Studie zeigt. Von diesem Zeitpunkt an fuhr sie zweigleisig: mit dem Verbrenner und dem Elektroantrieb. Im Zeitraum bis 2019 gingen die Herstellungskosten um 13 Prozent zurück, die Beschäftigung aber nur um 2 Prozent.

Dieses ungleiche Verhältnis führte zu einem Rückgang der Produktivität, der die Gewinne der Automobilindustrie reduziert. Grund dafür ist der parallele Aufbau von Fertigungs-, Einkaufs- und Organisationsprozessen. Auch das redundant aufgebaute Personal steht nun zur Disposition.

Geburtenstarke Jahrgänge gehen in Rente

Was der Automobilindustrie bei ihrer Personalpolitik entgegenkommt, sind die geburtenstarken Jahrgänge, die in den kommenden Jahren in Rente gehen. 1964 kamen in Deutschland 1,4 Millionen Menschen zur Welt, das ist das stärkste Jahr der Babyboomer. Im vergangenen Jahr wurden halb so viele Kinder geboren. Dieser Vergleich zeigt die Bedeutung der geburtenstarken Generation für die Lage der Automobilbranche beim Personal. Ein ganz entscheidender Punkt bei der Frage, wie viele Jobs letztendlich wegfallen, ist das Tempo, mit der sich die Transformation vollzieht.

2019 lag der Anteil elektrischer Fahrzeuge an den Neuzulassungen in der Europäischen Union bei rund 3,5 Prozent. Um die Flottengrenzwerte einzuhalten, also den erlaubten CO2-Ausstoß je Hersteller, beträgt bei den aktuellen gesetzlichen Vorschriften der benötigte Anteil an Elektroautos im Jahr 2025 voraussichtlich zwischen 29 und 36 Prozent. Im Jahr 2030 steigt er auf zwischen 36 und 47 Prozent.

Elektroautos werden bei den gesetzlichen Vorgaben für die Emissionen mit Null eingestuft. "Der Strom fürs Laden der Akkus von Autos wird aber nur zum Teil CO2-frei produziert", kritisiert ifo-Chef Clemens Fuest diese Berechnungsmethode bei der Vorstellung der Studie und nennt das Vorgehen der Bundesregierung eine "planwirtschaftliche Vorgabe". In sozialistischen Staaten wie der DDR oder Russland wurde einst so gewirtschaftet, ohne die Realität zu beachten.

VDA fordert Hilfe für die Automobilindustrie

Hildegard Müller, Präsidentin des VDA, kritisierte das Vorgehen der Bundesregierung bei den Veränderungen der Klimaziele scharf. Auf Druck des Verfassungsgerichts wird das Klimaschutzgesetz verschärft. Bundeskanzlerin Angela Merkel will nun, dass Deutschland bereits 2045 klimaneutral sein soll. Das ist fünf Jahre früher als bisher vorgesehen.

"Über Nacht wurden neue Ziele für den Klimaschutz herausgegeben und die Unternehmen haben zu gehorchen", sagt Müller. Wie sie aber die Vorschriften einhalten sollten, das werde nicht gesagt. "Gute Gesetzgebung sieht anders aus", betont Müller. Sie fordert von der Politik Hilfe für die Automobilindustrie beim Wandel hin zur Elektromobilität, "die komplette Firmen und ganze Regionen gefährdet, die vom Auto abhängen", etwa beim Umbau des Personals.

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Bis 2025 zwischen 180.000 und 220.000 Stellen gefährdet 
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Thorgil 10. Mai 2021

Nicht viel teurer als was? Und die wurde vorher auch bezahlt. So eine Anlage braucht ja...

mike64 08. Mai 2021

Und das schöne ist jeder kann dran teilhaben: BMW WKN: 519000 Daimler WKN: 710000

format 07. Mai 2021

Du hast völlig recht! Das gleiche Problem hat schon bei den Kutschen bestanden und jetzt...

Eheran 07. Mai 2021

Da würde ich widersprechen. Nicht nur, weil Auto und Chemie/Pharma quasi gleich gro...



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