Studie: Forscher belauschen Kameras durch Wände
Die elektromagnetischen Emissionen von Kameras lassen sich auch durch Wände heimlich aufzeichnen, um damit ihre Bilder zu rekonstruieren.
Jedes Smartphone und jeder Laptop ist heutzutage mit einer Kamera ausgestattet. Dazu kommen nach Schätzungen von IHS Markit über eine Milliarde Überwachungskameras, die weltweit eingesetzt werden. Das macht sie nicht nur für Software-basierte Angriffe wie zuletzt in der Ukraine interessant. Wissenschaftler aus den USA und China untersuchten jetzt mögliche Angriffe auf die Hardware von Kameras.
Das Team aus Forschern der University of Michigan, Zhejiang University und der Northeastern University in Boston wollte herausfinden, ob sich die elektromagnetischen Emissionen (EM) der Kameras durch Wände nutzen lassen, um ihre Aufnahmen zu rekonstruieren.
Das klappte so gut, dass "jeder, der über ein wenig technisches Geschick und ein paar hundert Dollar an Ausrüstung verfügt, Kameras in der Nähe ausspionieren kann, ohne dabei entdeckt zu werden", so das Magazin Interesting Engineering.
Side-Channel-Attacken auf Kameras
In ihrer Studie EM Eye: Characterizing Electromagnetic Side-Channel Eavesdropping on Embedded Cameras (PDF) beschreiben die Wissenschaftler, wie sie aus einer Entfernung von bis zu zwei Metern qualitativ hochwertige Bilder aus den "ungewollten elektromagnetischen Emissionen" von Kameras wiederherstellen konnten.
Untersucht wurden vier "beliebte IoT-Kamera-Entwicklungsplattformen" sowie zwölf im Handel frei verfügbare Endgeräte mit integrierten Kameras. Zu Letzteren gehörten auch Smartphones, Dash-Cams sowie Sicherheitskameras für den Heimgebrauch.
Bisherige Untersuchungen hätten sich meist darauf beschränkt, aus der Ferne über Änderungen am Magnetfeld festzustellen, ob eine Kamera ein- oder ausgeschaltet ist. Diesmal sei es den Forschern jedoch gelungen, aus den elektromagnetischen Emissionen der Drähte im Inneren der Kameras wieder Bilder herzustellen.
Nach und nach bessere Ergebnisse
Die ersten Ergebnisse seien aber noch wenig überzeugend gewesen. So hätten die rekonstruierten Bilder zunächst unter Farbverlusten und falschen Grauwerten gelitten. Außerdem habe Rauschen die Bildqualität erheblich beeinträchtigt. Durch den Einsatz von unter anderem Machine Learning konnten die Forscher die Ergebnisse aber immer weiter verbessern und zuletzt sogar farbige Bilder rekonstruieren, die den ursprünglichen Aufnahmen sehr nahe gekommen seien.
Herstellern von mit Kameras versehenen Geräten empfehlen die Forscher nicht nur besser abgeschottete, sondern auch kürzere Kabel zu verbauen. Außerdem sollten sie die verwendeten Datenübertragungsprotokolle überarbeiten, um EM-Eye-Angriffe in Zukunft zu verhindern.